Schützenverein Zentrum Engensen feierte am Wochenende ausgelassenes Schützenfest

Renate Engling musste zunächst einige Seemannsknoten schlagen, ehe die Scheibenannagler zu ihrer eigentlichen Aufgabe übergingen. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Schützenkönig Karsten Müller, „Mr. 100.000 Volt“, und seine Frau Kerstin legten einen flotten Walzer vor. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Starke Beteiligung der Engenser an den Umzügen/Heiner Bähre ist der Katerkönig

ENGENSEN (hhs). Es schien, als hätte Petrus alle Gebete der Engenser erhört: Das Wetter zum Schützenfest war, wie es besser nicht hätte sein können: Leicht bewölkt mit Aufheiterungen und etwas Wind und vor allen Dingen blieb es trocken bei Temperaturen knapp über 20°C. Kein Regen und auch die brütende Hitze der Vortage blieb aus, das waren Rahmenbedingungen, die geradezu auf den Festplatz lockten. Und offenbar hatte der von „Zentrum Engensen“ vorgenommene Wechsel des Schaustellerunternehmens die Engenser Mitbürgerinnen und Mitbürger neugierig gemacht, denn sie haben den Vergnügungspark schon am Freitag in großer Zahl aufgesucht und dort Zerstreuung gefunden. Auch die Gäste des Kommers waren des Lobes voll von der Leistung der Küche von Schausteller Rene Arendt und seinen Mitarbeitern.
Knapp 200 Gäste hatten sich zum Kommers am Freitagabend auf dem Festzelt eingefunden. Die diesjährigen Majestäten und Würdenträger von „Zentrum Engensen“ wurden von Schützenchef Olaf Lahmann proklamiert. Das Menü schmeckte den Gästen dieses Schützenfestauftaktes sehr gut und die Stimmung, insbesondere auf dem Tanzboden wuchs kontinuierlich. „Es blieb alles ruhig, auch draußen auf dem Festplatz“, sagte Olaf Lahmann später am Samstag. Vorsichtshalber stand ein Sicherheitsdienst zur Verfügung, der seine Aufgabe sehr dezent löste und kaum von den Schützen in ihrer Feierlaune bemerkt wurde.
Am Samstag empfingen die Schützen ihre Gäste auf dem Festzelt, um anschließend gemeinsam die Königsscheiben an ihren Bestimmungsort zu bringen. Es war eigentlich schade, dass an diesem Nachmittag nur eine relativ „kurze Runde“ durch Engensen auf dem Programm stand, zu dicht wohnen Damenkönigin, Kinderkönig und Schützenkönig beieinander. Wäre es weiter durch den Ort gegangen, hätte man das Engagement der Engenser für ihren Schützenverein bewundern können: Kaum ein Zaun oder Haus, an dem sich keine grün-weißen Flatterbänder, Girlanden oder Birkengrün befand.
Der Reigen der Anlaufpunkte am Samstag begann bei Damenkönigin Renate Engling. Sie hatte, wie in den Burgwedeler Nachrichten berichtet, mit einem sagenhaften Ergebnis diesen Wettbewerb gewonnen und alter Tradition gemäß alles auf ihrem Grundstück für den Empfang der Schützenbrüder und -schwestern vorbereitet. Zwei Leitern standen an der Wand, dazwischen saß ein Dübel für die Scheibe. Renate Engling und ihr Mann wissen, was zum Scheiben annageln notwendig ist, schließlich schmückten schon vier Damenkönigs- und eine Volksscheiben deren Giebel. Mit Musik des Spielmannszuges und der Feuerwehrkapelle ging es in den Sonnenweg, wo schon die kleinen Leckereien, kühle Getränke und süße Köstlichkeiten auf die Gäste warteten.
Es erfolgte das Kommando „Wegtreten zum Scheiben annageln“ und jeder suchte sich einen Platz entweder an der Theke oder im Schatten der Bäume. Es folgten zunächst die Engenser Eigenheiten bei dieser Tradition: Die Scheibenannagler waren in maritimen Look erschienen und Damenkönigin Renate musste erst einmal ein paar besondere Aufgaben lösen: Es ging darum, Seemannsknoten zu binden, natürlich nach einer Anleitung, die ihr einer der beiden Herren entgegen hielt. Das erleichterte die Aufgabe zwar nicht wesentlich, sorgte aber für große Erheiterung und mehr oder weniger hilfreiche Ratschläge. Aber Renate Engling meisterte alle Hürden und dann erhielt sie von Schützenchef Lahmann ihren Beinamen „Die Geradlinige“ in Anspielung auf die Tatsache, dass sie immer in geraden Jahren Schützenkönigin wurde und als eine Freundin des offenen Wortes gilt.
Anschließend ging es zum Jugendkönig und zum Schützenkönig. Die Ehre des Schützenkönigs hatte sich Karsten Müller erkämpft. Er hat mehrere Funktionen bei der Schützengesellschaft Zentrum Engensen: 2. Vorsitzender, Pressewart, 2. Schießsportleiter, und in diesem Jahr eben auch „Schützenkönig“. Auch zu seinem Zuhause waren es nur wenige Meter, die die Teilnehmer zurück zu legen hatten. Und hier wurde es denn richtig gemütlich, mit Biergartenatmosphäre unter hohen Bäumen, richtig lauschig, und es hatte den Anschein, dass viele bei Familie Müller geblieben wären, wenn es denn eine Möglichkeit im Reglement dafür gegeben hätte. Der Schützenkönig erhielt von seinem Vorsitzenden den Beinamen „Mr. 100.000 Volt“, eine Anspielung auf Tatendrang, Aktivität, Einsatzfreude und Begeisterung, die Müller offensichtlich in sich vereinigt. Mr. 100.000 Volt wurde jedenfalls altem Engenser Brauch mehrmals in die Luft geworfen, „Hoch leben lassen“ heißt das in der Ortschaft, schließlich folgte der Ehrentanz mit Gattin Kerstin rund um die Königsscheibe unter den Fahnen der teilnehmenden Vereine und dann wurde diese am Giebel befestigt.
Es ging zurück zum Festplatz, zu Kaffee und Kuchen, Bier, Bratwurst und Brause. Natürlich gb es ein kleines Konzert von Spielmannszug und Feuerwehrmusik und natürlich am Abend den Festball. Am nächsten Tag erhielt noch die Volkskönigin ihre Schützenscheibe. Ein besonderer Höhepunkt des Engenser Schützenfestes ist der Sonntagmorgen, wenn der Katerkönig proklamiert wird. In diesem Jahr hat es Heiner Bähre „erwischt“. Dem Landwirt wurde diese Ehre wegen seiner Verdienste in der Schützengesellschaft zuteil. Seit 1979 küren die Schützendamen den Katerkönig. Das geht in Engensen natürlich nicht ohne das entsprechende Kostüm, und natürlich waren alle Vorgänger des neuen Katerkönigs auch dabei...