Regenkleidung und gute Laune waren Pflicht beim Schützenfest in Engensen

Es regnete heftig am Sonntag in Engensen beim Schützenausmarsch, aber die Schützen und ihre Gäste ließen sich davon ihre Festlaune nicht verderben. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Erste Station war bei Kinderkönig Jan Sinner, den die Schützen beim Scheiben annageln im wahrsten Sinne „im Regen stehen ließen“. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Trotz Dauerregens ließen sich die Engenser ihr Schützenfest nicht vermiesen

ENGENSEN (hhs). Normalerweise scheint in diesen Breiten Niedersachsens die Sonne im Juli gut 200 Stunden vom Himmel, in diesem Jahr sollen es etwa 120 Stunden gewesen sein. Die Durchschnittstemperatur lag deutlich unter dem langjährigen Mittel, das habe eine Auswertung der Wetteraufzeichnungen ergeben, hatten die Meteorologen noch am Donnerstag verkündet. Und diese Wetteraufzeichnungen gehen immerhin bis ins Jahr 1889 zurück.
Diese Überlegungen und Erkenntnisse trösten nirgendwo auf der Welt einen Schützenverein, wenn dann am Ende so eines versauten Monats das Volks- und Schützenfest ansteht, wie in Engensen am vergangenen Wochenende. Zwar könnte man mit den Mitteln der Wahrscheinlichkeitsrechnung auch voraussagen, es muss schließlich irgendwann besser werden mit dem Wetter, aber dabei scheint momentan auch eher der Wunsch der Vater des Gedanken zu sein, wie manchmal auch beim Lotto.
Die Engenser, Schützen, wie Vereine und die vielen Mitbürgerinnen und Mitbürgerinnen, die bei allen Veranstaltungen im Rahmen des Schützenfestes teilgenommen haben, hatten daraus offenbar den richtigen Schluss für sich gezogen: Zur Ausstattung gehörten, das konnte man insbesondere am Sonntag sehen, wasserdichte Kopfbedeckungen und Jacken, festeres Schuhwerk, Regenschirm und und ein vorm Grundsatz her prächtig anzuschauender Durchhaltewillen. Da gab es strahlende Gesichter im Dauerregen zu bewundern, Mitgefühl und uneigennützige Hilfe, wenn einer der Damen die Wimperntusche über die Kontaktlinsen geflossen war oder wenn ein Musiker ganz einfach nur ein Taschentuch benötigte, um das Mundstück seines Instruments wieder trockenzulegen.
Derartige Schützenfesterlebnisse schweißen zusammen, stärken das „Wir Gefühl“. Und das um so stärker, wenn ein Ortsbürgermeister wie Friedhelm Stein in zweiter Reihe marschiert, im Sakko ohne Mütze und nass bis auf die Haut, der trotz aller Unbilden seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern übers ganze Gesicht strahlend ständig zuwinkt.
Am Samstag hatten die Engenser Glück: Es blieb trocken, als der Schützenkönig Heiner Bähre und Schützenkönigin Sigrid Chorus ihre Scheiben erhielten. Das muss die Engenser dann in ganz besonderem Maße dazu animiert haben, lange beim Festball durchzuhalten. Erst weit nach 3.00 Uhr sollen sich die letzten Ballgäste auf den Heimweg begeben haben.
Am Sonntag zeigte sich das Wetter von seiner unschönen Seite: Eine Viertelstunde, bevor sich die Teilnehmer zum Umzug sammelten begann der Regen, kalt und fein kam er vom Himmel, dann immer stärker werdend, so dass jeder, der nicht seine beste Anti-Regen Ausstattung angelegt hatte, innerhalb kurzer Zeit klatschnass war. Der Weg war nicht lang vom Festzelt bis zur ersten Station bei Kinderkönig Jan Sinner, dennoch waren die meisten Teilnehmer vollkommen durchnässt. Schnell wurde die Scheibe am Giebel befestigt, es war alles vorbereitet zu Hause bei Familie Sinner: Der Elfjährige strahlte übers ganz Gesicht, als Ortsbürgermeister Stein ihm den Titel „charmanter Doppelkönig“ verlieh. Jan hatte an der Freizeit auf Ameland teilgenommen und amtierte dort als Inselkönig und, so heißt es, er habe sich als ausgesprochen charmant gezeigt. Schnell war die Scheibe angebracht und der Ehrentanz absolviert. Zu Beginn hatte man den Jungen schon hochleben lassen.
Dann ging es weiter zu einer ganz besonderen Ehrung: Samira Thöne war im vergangenen Jahr Juniorenkönigin in Engensen gewesen und hatte ihren letztjährigen Titel nun verteidigt. Darüber hinaus hatte sich Samira auch beim Schießen um die Stadtkönigstitel durchgesetzt und wurde Stadtjuniorenkönigin. Diese besondere Scheibe erhielt sie am Sonntag. Zum Schluss ging es zu Christian Trosien, der in diesem Jahr Volkskönigsehren errungen hatte. Hier hielten sich die Teilnehmer des Umzuges etwas länger auf, ehe sie wieder zum Festplatz zurückmarschierten, auf das trockene Festzelt, wo Kaffee und Kuchen, Bier und Brause sowie ein kleines Konzert der teilnehmenden Spielmanns- und Musikzüge auf dem Programm stand.