Ran an den Computer - Schüler schulen Senioren

Zum Abschluss erhalten die Senioren ihre Urkunden und die „Junglehrer“ bekommen Kinokarten als „Dankeschön“. (Foto: Renate Tiffe)
 
Die individuelle Betreuung ist das A und O des erfolgreichen Projektes. (Foto: Renate Tiffe)

Erfolgreiches Projekt der Realschule Großburgwedel

GROSSBURGWEDEL (ti). Ein erfolgreiches Projekt der Realschule scheint zu einer Dauereinrichtung zu werden. Zum fünften Mal fand in diesem Jahr der generationsübergreifende Kurs „Ran an den Computer“ statt. An zwei Nachmittagen verhelfen Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klasse Senioren zum Einstieg oder zum Weiterentwickeln im Umgang mit dem PC.
Die Burgwedeler stehen damit ziemlich einmalig da. Er kenne im weiten Umkreis keine Schule, die dem landesweiten Aufruf des Vereins n-21 zu dem Projekt gefolgt ist, sagt Rudolf Jänsch, Regionaldirektor der Sparkasse. n-21 und die Sparkasse unterstützen die Schule bei dem Programm.
Eine intensive Arbeitsatmosphäre herrscht im Computerraum der Realschule. An den Geräten sitzen jeweils ein älterer Mensch und ein Schüler oder eine Schülerin. 15 Senioren - im Alter von 55 bis 81 Jahren - sind der Einladung der Realschule zum Computer-Kurs gefolgt. Sie lassen sich einweisen beim Arbeiten mit dem Word-Programm, lernen die Bedienung einer Suchmaschine, das Surfen im Netz oder das Verschicken und Empfangen von E-Mails. Renate Koch, Schuldirektorin und Leiterin des Projekts, stellt dabei fest, dass bei den Senioren immer mehr Vorkenntnisse vorhanden sind.
Abgesehen davon, dass bei diesem Projekt einmal die Rollen zwischen Lernenden und Unterrichtenden vertauscht und die Schüler gern bereit sind, ihre Kenntnisse weiter zu geben, gibt es noch einen entscheidenden Vorteil für die Älteren. Ganz individuell werden sie dort abgeholt, wo sie mit ihren Erfahrungen am PC stehen. Wo hat man das sonst bei Computerkursen anderswo, die obendrein noch Geld kosten? Bei den Realschülern können ganz spezielle Wünsche geäußert werden. Und die sind so vielfältig wie die Teilnehmenden selbst.
Dietlind Paasch kennt die Arbeit am PC aus dem Beruf. Nun ist sie im Ruhestand und möchte gern Seiten einrichten für ihre Bilder, die fotografierten und die selbst gemalten. Seine „Memoiren“, die er schon mit der Hand geschrieben hat, will Horst Krüger auf den PC übertragen, er möchte sie sortieren und ordnen können. Eine Herausforderung auch für Manuel, zumal der Ältere zugibt, „0-Kenntnisse“ zu haben. Aber demnächst könne er das Gerät von seiner Frau übernehmen. Und dann solle es losgehen.
Krüger weiß, dass er noch viel üben muss. Seine Frau sei eben besser am PC. Im Kurs schreibt er die einzelnen Schritte genau auf. Manche Teilnehmer haben ihren Laptop gleich mitgebracht. Sie möchte am PC „in“ und nicht mehr auf ihren Sohn angewiesen sein, äußert Gabriele Schuschke. Sie sei schon einen großen Schritt weiter gekommen und sei „total begeistert“ über die Freundlichkeit und Aufmerksamkeit der Schüler – und über deren Geduld. „So was von ruhig“ sei ihre junge Partnerin Marie. „Sie ist nur für mich da und sie tut das in ihrer Freizeit“ erkennt Frau Schuschke an. Manche Teilnehmer verabreden sich gleich für die Zeit zu Hause, wenn es mal hängt am PC. „Die Jungen sind doch mit dem PC aufgewachsen“.
Pünktlich um 15.00 Uhr sperrt Renate Koch die Geräte. Es ist Zeit für die Übergabe der Urkunden und für ein Gruppenfoto. Rudolf Jänsch verteilt zum Dank Kinokarten an die „Junglehrer“. Und alle treffen sich im gegenüberliegenden Raum zum Kaffeetrinken mit selbstgebackenem Kuchen.