Prima für das Klima

Susanne Dannhauer (r.) kam zur Pflanzaktion vorbei. Sie hatte für eine Klimabank (hinten im Bild) gespendet und ihrem Ehemann zum Geburtstag geschenkt.
 
Marcus Fortmüller (r.) hilft beim Einpflanzen der Bäume.

Spendenerlös aus Klimabänken reicht für 100 Bäume – Große Resonanz auf Baum-Pflanzaktion am Rand von Großburgwedel

GROSSBURGWEDEL (bgp). Im Sommer 2018 mussten im Stadtgebiet wegen der monatelangen Trockenheit zahlreiche geschädigte Bäume gefällt werden. Grund genug für Marcus Fortmüller, Chef des ausführenden Gartenbauunternehmens, sich ein „neues Leben“ für die Stämme auszudenken. So ließ er kurzerhand massive Bänke sägen, die auf Grund ihrer Stärke und Beschaffenheit auch gegen Vandalismus gewappnet sind. Fünf der robusten Freiluftmöbel mit dem Namen „Klimabank“ spendete er der Stadt Burgwedel. Davon bekam Inge Engel, Mitarbeiterin des Burgwedeler Unternehmens Relog, Wind und war sofort begeistert. Statt Weihnachtskarten an Geschäftspartner zu verschicken, spendete die Lohnabrechnungsfirma Geld für eine Klimabank. Diesem Beispiel folgten weitere Unternehmen und Privatleute, die eine Bank gegen Spenden erwarben. Sogar der NDR berichtete über die Aktion im Fernsehen.
Von dem Erlös kaufte Marcus Fortmüller 100 junge Bäume, die im Rahmen einer groß angelegten Pflanzaktion am südlichen Rand von Burgwedel eine neue Heimat fanden. Bürgermeister Axel Düker und der städtische Umweltkoordinator Malte Schubert sowie zahlreiche Gäste legten am Samstag selbst mit Hand an, um die rund drei Meter großen Bäume in die ausgebaggerten Pflanzlöcher zu hieven und zuzuschaufeln. „Der Pflanzzeitpunkt in diesem Jahr ist optimal“, freute sich Malte Schubert. Die intensiven Regenfälle böten gute Voraussetzungen, dass die Bäume gut in Gang kämen. Axel Düker zeigte sich begeistert: „Das ist eine coole Aktion, die Bäume sorgen für besseres Klima.“
Auch Susanne Dannhauer schaufelte emsig die Baumlöcher zu. Sie war von der Relog-Mitarbeiterin auf das Kimabank-Projekt aufmerksam gemacht worden. Ehemann Harald Dannhauer hatte einen Tag vor seinem Geburtstag durch die Presse erfahren, dass es diese Bänke gibt und Interesse bekundet. Was er allerdings nicht wusste: Seine Frau hatte bereits gespendet und überraschte ihn zum Geburtstag mit der Klimabank als Geschenk. Früh im Morgengrauen sei die Bank angeliefert worden, mit einer großen roten Schleife darum, berichtete Susanne Dannhauer. Nun steht sie am Hauseingang des Ehepaares und zieht die Blicke auf sich: „Wahnsinnig viele Leute schauen die Bank ganz interessiert an“, sagt sie und betont: „Die Aktion hat uns sehr begeistert, weil sie ein tolles Gesamtpaket ist und man aktiv zum Klimaschutz beitragen kann.“
Auf drei Flächen verteilten Gäste und Gartenbauer am Samstag nun Bäume wie Weiden, Walnuss, Ahorn und Linden. Fast die komplette Belegschaft des Gartenbauunternehmens war zur Unterstützung mit von der Partie. „Auf dieser Fläche dürfen nur heimische Baumarten gepflanzt werden, davon haben wir heute 55 Bäume“, erklärte der Meister im Garten- und Landschaftsbau, Andreas Polatschek. Auf Grund der Auflagen durch den Bund sei das auf kommunalen Ausgleichsflächen so vorgeschrieben. Der Fundus von 61 „Klimabäumen“ einer spezialisierten Baumschule bei Hamburg biete jedoch eine Auswahl von Arten, die zwar nicht heimisch, aber doch weniger anfällig gegen Trockenheit, Krankheiten oder Schädlinge seien. Die neuen Klimaverhältnisse würden diesen Bäumen weniger ausmachen und sie seien in vielerlei Hinsicht besser geeignet, da sie gerade an Straßenrändern flacher wurzelten und eine große Herzwurzel bildeten, so Polatschek. „Dadurch haben die Bäume mehr Standfestigkeit und fallen bei Sturm nicht so leicht um“, betont der Experte mit Blick auf die zwar nicht heimischen, aber doch robusteren Arten. Rund 50 davon wurden noch auf Privatflächen in der Nähe der Ausgleichsfläche gepflanzt. Sie werden ebenso wie die heimische Neuanpflanzung gepflegt, bis die Bäume richtig angewachsen sind. Das dürfte nach Auskunft von Polatschek noch mindestens zwei Jahre dauern. Marcus Fortmüller blickt zufrieden auf den neu entstandenen Baumhain und verspricht sich davon auch einen Lerneffekt in punkto Flora und Klimaschutz: „Viele Jugendliche kennen die Baumarten gar nicht mehr, hier können sie viele davon an einer Stelle sehen.“
Ein ausgedienter Asphaltstreifen, der die neu bepflanzte Ausgleichsfläche entlang der Umgehungsstraße begrenzt, wurde im Zuge städtischer Umweltmaßnahmen entsiegelt. Dort plant die Stadt einen Blühstreifen, welcher mit Unterstützung der Initiative Bienen-Blühstreifen-Burgwedel-Isernhagen (IBBBI) angelegt werden soll. Die neue Fläche soll mit einer „augenfreundlichen mehrjährigen Blühmischung“ versehen werden. Mittlerweile seien auch schon einige Privatpersonen an die Initiative heran getreten und hätten ihre Flächen zur Anlage von Blühstreifen angeboten, so Meinolf Helling von der IBBBI. Er freute sich bei der Baumpflanzaktion: „Es ist super, dass sich so viele Leute interessieren.“