Polizeikommissariat legte Kriminalstatistik 2009 für Burgwedel und Isernhagen vor

Fahrraddiebstähle werden weiter zunehmen. Die Polizei wird weiterhin an den Brennpunkten ihre Präsenz verstärken (Foto: Hans Hermann Schröder)

Anstieg der Ladendiebstähle/Zunahme von Gewalt und Respektlosigkeit gegen Polizeibeamte

BURGWEDEL/ISERNHAGEN (hhs). Einmal im Jahr legt die Polizei im Lande ihre Kriminalstatistik für das Vorjahr vor, zuerst ist das Land selbst an der Reihe, dann die Kreise und damit auch die Region Hannover und schließlich immer so um Anfang April herum die Polizeikommissariate vor Ort. Am Freitag vergangener Woche durfte nun auch das Polizeikommissariat Großburgwedel, zuständig für gleich zwei Kommunen, die Stadt Burgwedel und die Gemeinde Isernhagen, zum Pressetermin laden. Dieser Termin ist bei den Kolleginnen und Kollegen der schreibenden Zunft beliebt, nicht nur wegen des Kaffees und der Kekse, vielmehr deswegen, weil er einen Blick bietet auf die dunkle Seite des Daseins in den beiden Kommunen, in denen sonst alles wie am Schnürchen läuft, es dem trügerischen Schein nach keine bösen Buben gibt, nur etwas Fahrradklau, ein bisschen Sachbeschädigung und ein paar Kraftfahrzeugdiebstähle.
Ganz wichtig ist den Beamten zu Beginn immer die Darstellung der so genannten Strukturdaten für die beiden Kommunen. Nur in Kenntnis dieser lässt sich die nachfolgende Statistik angemessen bewerten, und schließlich auch polizeilich auswerten. Burgwedel und Isernhagen bestehen jeweils aus sieben Ortsteilen, haben zusammen 43.327 Einwohner, davon 5% nichtdeutscher Herkunft und ebenfalls 5% Arbeitslose. Beide Prozentsätze hier liegen deutlich unter dem Durchschnitt der Region Hannover. Die Flächenausdehnung ist mit 212 Quadratkilometer um acht größer als die der Stadt Hannover, die Autobahnanbindungen nach Süd/Nord und West/Ost gilt als hervorragend, 40 km Landesstraßen, 57 Km Kreisstraßen und 192 Km Gemeindestraßen sprechen für die gute verkehrliche Erschließung des Einsatzgebietes, soziale Brennpunkte fehlen, expandierendes Gewerbe, ein hoher Anteil wohlhabender Einwohnerinnen und Einwohner, dass alles spricht für ein hohes Interesse insbesondere der Zeitgenossen, die ihren Lebensunterhalt nicht mit ehrlicher Arbeit verdienen wollen. Die Zahlen der folgenden Statistik sprechen eine deutliche Sprache.
Insgesamt sind den Beamten in beiden Kommunen 2553 Straftaten bekannt geworden, davon 1173 in Burgwedel, eine leichte Steigerung zum Vorjahr, 1380 in Isernhagen, ein leichter Rückgang. 2248 wurden von den Beamten des Kommissariates bearbeitet, die übrigen lagen in der Zuständigkeit übergeordneter Behörden. Besonders hervorzuheben der Rückgang der Körperverletzungsdelikte um knapp 8% nach einem Anstieg im Vorjahr. Zudem sind die Zahlen der Diebstahlsdelikte zurück gegangen. Eine stetige Zunahme melden die Beamten bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten. Die Aufklärungsquote blieb nahezu unverändert bei 55%. Insgesamt wurden 1289 Tatverdächtige von den Burgwedeler Beamten ermittelt.
Bei den Diebstahlsdelikten, die immer noch 43,98% aller Straftaten ausmachen und eine leicht erhöhte Aufklärungsquote aufweisen, sehen die Beamten Problembereiche bei Diebstahl aus Wohnungen und gewerblichen Objekten sowie beim Fahrraddiebstahl. bei letztem liegen die Schwerpunkte am Bahnhof Großburgwedel und an den Stadtbahnhaltestellen in Isernhagen. Die Steigerung bei der Zahl der Ladendiebstähle um etwa 28% macht den Beamten weniger Sorge: „Je mehr Detektive in den Geschäften eingesetzt werden, desto höher steigen in diesem Deliktbereich die Fallzahlen“, kommentierte der Leiter des Ermittlungsdienstes Ralf Emil Bahn diesen Bereich. Die Polizei Großburgwedel rechne mit steigenden Einbruchsdiebstählen aus Wohnungen, gewerblichen Objekten sowie Fahrraddiebstählen, schaute Kommissariatsleiter Günter Heller in die Zukunft. Seine Beamten würden dem weiterhin mit einer Fülle operativer und präventiver Maßnahmen begegnen: „Zielgerichtete Bestreifung potenzieller Tatortbereiche und diverse Schwerpunktaktionen mit eigenen und benachbarten Kräften wie zum Beispiel bei der CEBIT, Einsatz des Info-Mobils auf Wochenmärkten, Handzettelverteilung, Beratung von Bauherrn in Bezug auf Wohngebäudesicherung, Öffentlichkeitsarbeit und Handzettel zur Diebstahlprävention zur Urlaubszeit, Fahrradcodierungen, Information zu Taschendiebstahl in Verbrauchermärkten und Vereinbarungen mit den Kommunen zur Kriminalprävention im Städtebau“.
Sorge bereitet der Polizei auch der ständig steigende Alkoholkonsum unter den Jugendlichen. Günter Heller erinnerte an einen Fall aus dem September vergangenen Jahres, als ein 16-jähriger mit 2,42 Promille aufgegriffen und zur medizinischen Versorgung in die MHH gebracht wurde. Insgesamt habe die Polizei 213 Kinder und Jugendliche kontrolliert, davon hätten 32 unter Alkoholeinfluss gestanden. Bei Testkäufen in den beiden Kommunen Burgwedel und Isernhagen habe der Prozentsatz der Verstöße bei 50% gelegen.
Die Zahl der so genannten Rauschgiftverbot sei mit 48 nahezu konstant geblieben. Harte Drogen seien dabei nicht festgestellt worden. In den meisten Fällen haben die Beamten die Verstöße im Zuge von Verkehrskontrollen entdeckt. „Eine Rauschgiftszene gibt es nicht in Burgwedel und Isernhagen“, stellte Ralf Emil Bahn abschließend fest. Es bedrücke die Polizeibeamten allerdings sehr, dass sie zunehmend mehr Aggressivität und Respektlosigkeit gegen sich feststellen müssten.