Planungen um Brechanlage gehen in die nächste Runde

Diese Fläche galt zwischen Stadt Burgwedel und Region Hannover bisher als kompromissfähig Standort für die Brechanlage der Firma Bluhm. Nun hat sich herausgestellt, dass sie ökologisch weitaus bedeutsamer ist als der bisher für die Brechanlage genutzte Standort. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Neuer Standort ist ökologisch bedeutsamer als der alte

GROSSBURGWEDEL (hhs). Am Dienstag dieser Woche hat sich der Ausschuss für Planung und Tiefbau zu seiner Sitzung getroffen. Auf der Tagesordnung unter anderem ein Dauerbrenner: Der Bebauungsplan 147 „Sondergebiet Wiederaufbereitungsanlage“.
Bei dem hier gemeinten „Sondergebiet Wiederaufbereitungsanlage“ geht es schlichtweg nur um die Brechanlage der Firma Bluhm in der Gemarkung Kleinburgwedel. Wie mehrfach in den Burgwedeler Nachrichten berichtet, hat die Region Hannover die Betriebserlaubnis für den bisherigen Standort nicht verlängert, weil der zum Landschaftsschutzgebiet gehört. Und, um es kurz zu machen, die Fläche, die anschließend für die Anlage von Stadt Burgwedel und Region Hannover bisher einvernehmlich ins Auge gefasst war, hat sich nun, nach der Auswertung der Stellungnahmen und Bedenken als ökologisch weitaus wichtiger erwiesen, als der alte Standort. Die beiden eint jetzt nur noch, dass sie beide, knapp 300 Meter von einander entfernt, im Wassergewinnungsgebiet liegen.
Im Rahmen der im Baurecht vorgeschriebenen Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der nach §20 Naturschutzgesetz anerkannten Naturschutzverbände hat sich die ökologische Bewertung dieser gut vier Hektar großen Fläche vollkommen verändert. Sie verfügt über ein „anthropogenes“, von Menschen geschaffenes Erscheinungsbild. Hier bestand früher ein Sand- oder Kiesabbau, der nun für die Brechanlage angedachte Bereich liegt etwa fünf Meter tief in einer Kuhle. Die Naturschützer von BUND und NABU Burgwedel-Isernhagen haben genau hin geschaut und Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache.
Zunächst der BUND: Auf der Fläche der ehemaligen Sandgrube habe sich ein Mosaik sehr vielfältiger Lebensräume mit Bäumen und Büschen, Gras- und Staudenfluren, Grünland und Sandtrockenrasen angesiedelt. Der flächenmäßig größte Biotop von 1,4 Hektar sei ein mageres „mesophiles“ Grünland kalkarmer Standorte. Dieser Lebensraumtyp steht auf der Roten Liste der Biotoptypen und sie wird damit zu einem geschützten Landschaftsbestandteil. Einziger Einwand, der dagegen spricht: Die Fläche verfügt nicht über die dafür vorgegebene Mindestgröße von fünf Hektar.
Auch der NABU Burgwedel-Isernhagen war vor Ort und eine Menge gefunden, was gegen die Nutzung dieser Fläche für die Brechanlage spricht: Der ehemalige Sandabbau hat sich zum Lebensraum seltener Reptilien entwickelt. Hier wurden die als stark gefährdet eingestuften seltenen Schlingnattern beobachtet, ebenso Blindschleichen und Eidechsen. Alles im Zusammenhang betrachtet führt zu folgendem Fazit: Der alte Standort ist weitaus besser für die Brechanlage geeignet als der neue, jetzt zu beplanende. Der NABU Burgwedel Isernhagen regte an, die Brechanlage Bluhm an ihrem alten Standort zu belassen, allerdings unter Auflagen. Soweit der Hintergrund, vor dem die Mitglieder des Planungsausschusses zu diskutieren und zu entscheiden hatten.
In der Diskussion ließ der Ausschussvorsitzende Jürgen Schodder, zunächst einmal die Geschichte um die Auseinandersetzung nach einem neuen Standort für die Brechanlage aufleben. Zu dieser Auseinandersetzung sei es gekommen, weil die Region Hannover den Verbleib der Anlage auf dem langjährig genutzten Gelände nicht mehr dulden wollte, weil das Grundstück im Landschaftsschutzgebiet liege, und zwar an dessen Grenze. Die Stadt Burgwedel nahm in allen Gremien einen kontroversen Standpunkt ein: Der Standort sei besser für die Brechanlage geeignet, als jeder andere, dem die Kommune bieten könne.
Torsten Rieckenberg von der CDU erklärte, seine Partei werde dafür stimmen, wie es die Verwaltungsvorlage empfehle. und die gesamten im Verfahren eingegangenen Stellungnahmen auf der Grundlage der Bewertung der Planer zu beantworten und den Entwurf des Bebauungsplans als Satzung sowie de Begründung für den neuen Standort zu beschließen. Die Region Hannover habe sich in der bisherigen Diskussion der Thematik Brechanlage Bluhm sehr unbeweglich gezeigt und die Kommunikation mit der Stadt Burgwedel nicht in richtiger Weise betrieben, kritisierte er.
Heinz Visel von Bündnis 90/Grüne gab zu bedenken, dass er im Abgleich zwischen der BUND-Stellungnahme und der Bewertung des Planers der Stadt noch nicht einschätzen könne, ob der vorgesehene Standort genehmigungsfähig sei, „oder ob er, falls wir ihn im Rat beschließen, aus artenschutzrechtlichen Gründen wieder einkassiert wird“. Ebenfalls könne man noch nicht einschätzen, ob bei Ablehnung des jetzt beantragten Standorts für den alten Standort eine Entlassung aus dem Landschaftsschutz und damit ein Verbleib der Anlage dort möglich sein wird, so wie es der NABU vorgeschlagen hat. „Aus ökologischer Sicht müssen wir für den alten Standort plädieren“. In den anschließenden Abstimmungen wurden die Vorschläge der Verwaltung bei jeweils zwei Gegenstimmen angenommen.
So recht zufrieden war niemand mit der Situation. Torsten Rieckenberg appellierte an die Ausschussmitglieder der anderen Parteien, jeder solle versuchen, über seine eigene Partei Einfluss zu nehmen auf deren Mitglieder im Regionsparlament. Nur darin sähe er eine Chance, doch noch zu der vernünftigsten Lösung zu kommen, die Anlage schließlich an ihrem alten Standort zu belassen. Dafür gab es Zustimmung von allen Ausschussmitgliedern.