Pflegemaßnahme soll wertvolles Feuchtbiotop stabilisieren

Das Schilf und die Weiden auf der rechten Seite sind unterdessen vollkommen verschwunden. Mit der Ausbaggerung will der NABU Burgwedel-Isernhagen den Teich als Biotop stabilisieren. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Peter Böer und Uwe Siemers von NABU-Burgwedel Isernhagen und Dr. Richard Podloucki begleiteten diese Maßnahme. (Foto: Hans Hermann Schröder)

NABU ließ den Teich im Vogelschutzgehölz ausbaggern

GROSSBURGWEDEL (hhs). Am Donnerstag vergangener Woche staunten die Spaziergänger nicht schlecht, als sie nördlich des Bahnhof Großburgwedel am Vogelschutzgehölz des NABU Burgwedel-Isernhagen entlang gingen. Maschinenlärm drang aus dem kleinen Wäldchen, das die Burgwedeler Naturschützer nur einmal im Jahr, immer am Pfingstmontag, der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Unerhört also so eine Aktion eigentlich kurz vor dem Friedensfest? Nein, dringend notwendig, um den Teich in der Waldmitte weiterhin als Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere zu erhalten. Diese Maßnahme hatten die Naturschützer schon seit einiger Zeit geplant, nun war es soweit: Die hundsmiserable Witterung der vergangenen Wochen bot jetzt die idealen Rahmenbedingungen für einen derartigen Eingriff.
Das Schilf hatte in den vergangenen Jahren den Teich erobert und beinahe die gesamte Wasserfläche durchwuchert, auch die Weidenbüsche haben sich prächtig entwickelt, mehr als mannshoch waren sie herangewachsen. Die freie Wasserfläche hatte darunter gelitten, sie wurde immer kleiner. Das Laub der Weidenbüsche fiel im Herbst in den Teich und vermoderte dort, der Wasserstand nahm in den Jahren kontinuierlich ab.
In diesem Zusammenhang ist der Entschluss dieses letzten Eingriffs zu sehen: Renaturierung der westlichen Hälfte des Gewässers, der Bagger hob dort mit seiner Schaufel den Teichschlick, das Schilf samt seinen Wurzeln und die Weidenwurzelstöcke heraus. Dazu hatte man eine Spezialfirma aus Burgwedel gewinnen können, Languth Erdbau wird auch von der Naturschutzbehörde zu Rate gezogen, wenn in den Naturschutzgebieten rund um das Steinhuder Meer vergleichbare Arbeiten zu verrichten sind.
Für die naturschutzrechtliche Begleitung dieser Maßnahme hatten der NABU Burgwedel Isernhagen Dr. Richard Podloucki hinzu gezogen. Er ist Fachmann für Amphibien im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Gewässerschutz.
An diesem regnerischen Morgen standen im Peter Böer und Uwe Siemers vom NABU Burgwedel Isernhagen zur Seite Mit einer Grabegabel in den Händen beobachtete Podloucki die Arbeit des Baggers, der den Schlick und die Wurzeln hinter sich auftürmte. Manchmal drehte Podloucki die Schilfreste und die Wurzeln mit seinem Werkzeug um: „Es könnte sein, dass der Bagger eine der wenigen hier ansässigen Sumpfschildkröten mit der Schaufel ablegt. Aber normalerweise ist das ebenso wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto“, erläuterte er sei Vorgehen.
Das Wasser sei noch etwa acht bis zehn Grad warm und da seien die Sumpfschildkröten noch richtig aktiv und würden sich nicht vom Bagger einfangen lassen. „Ich habe einmal eine Schildkröte mit einem hellen Fleck gekennzeichnet und mit einem kleinen Sender versehen“, sagte er. „Als der Teich im Winter zugefroren war, haben wir die Schildkröte über den Sender orten können. Sie schwamm noch bei einer Wassertemperatur von vier Grad hin und her“.
Befürchtungen, dass man hier bei der Arbeit Teich- oder Wasserfrösche im Winterquartier oder Molche gefährden werde, brauche man nicht haben. Die seien jetzt irgendwo auf dem Trockenen in Sicherheit.
Da der Bagger den Schlick, die Wurzeln und alles anderes, was in die Schaufel gelange, mehrmals hinter sich umlegen müsse, um alles ans Ufer zu bringen, werde der Haufen immer wieder umgeschichtet, wenn sich wider Erwarten ein Tier sich in dem Haufen finde, werde er es in dem Teichbereich wieder einsetzen, der von der Maßnahme jetzt unberührt bleibe.