Pferde, Schafe & Co.

Der Oldhorster Westernreitverein Go easy richtete am Sonntag das alljährliche große Hoffest aus. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Hier können sich Schulkinder nach Herzenslust im Gartenbau mit Mischkulturen verwirklichen. Jessica Runge (r.) und Julia Maulhardt unterstützen sie im Sonnengarten dabei. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Oldhorster Westernreitverein stellt den neuen Schulbauernhof beim Großen Hoffest vor

Von Bettina Garms-Polatschek

OLDHORST. Die geparkten Wagen am Wegesrand deuteten am Sonntag schon auf das große Hoffest des Westernreitvereins Go easy hin. Wer zu Fuß daran entlang ging, kam nahezu automatisch zum idyllisch gelegenen Gelände, auf dem sich Mensch und Tier tummelten.
Das Organisationsteam um die Vorsitzende Anna Jacob hatte mit viel Liebe ein Hoffest vorbereitet, das zahlreiche Besucher anlockte. Die Kinder vergnügten sich beim Ponyreiten und in der Strohhüpfburg oder auf der Suche nach dem versteckten Schatz.
Unterhaltung gab es bei den zahlreichen Vorführungen mit Pferden, Ponys und „Miniponys“. Bei der Familienolympiade waren Teamgeist und Geschick gefragt, denn im Sulkyrennen, Bierkistenlaufen und anderen Wettspielen kam es auf jeden an. Werken und Basteln wurden ebenso angeboten wie eine Tombola, bei der jedes Los gewann. Die Gäste ließen sich Herzhaftes vom Grill und Kuchen schmecken.
Die Organisatoren nutzten beim Hoffest die Gelegenheit, das neueste Projekt des Oldhorster Reitvereins vorzustellen. Der Schulbauernhof Burgwedel, welcher als außerschulischer Lernort bereits von Grundschulen genutzt wird, bietet einen reichen Erfahrungshorizont für die Kinder. „Das hier ist ein Ort zum Ausprobieren“, betont Anna Jacob.
Auf dem Schulbauernhof werden Tiere artgerecht gehalten, mit genügend Auslauf und natürlicher Umgebung. Die Schülerinnen und Schüöer werden mit Aufgaben wie Füttern und Tränken betraut, Streicheln und Ansprache der Tiere sind natürlich ausdrücklich erwünscht. Die Kinder stärken durch die Verantwortung für Lebewesen und die Aufgaben auf dem Hof ihr Selbstvertrauen, für jede Konstitution der Kinder gibt es passende Aufgaben, die sie übernehmen können.
Dazu gehört auch mal das Ausmisten eines Stalls, wobei der damit verbundene Geruch entsprechend kommentiert wird. „Die Kinder sind sehr erstaunt, wenn sie sehen, was mit der `Kacke` der Schafe passiert“, erklärt Anna Jacob lachend. Die Zucchini gediehen damit prächtig und die Kinder trügen sie voller Stolz vor sich her. Häufig werde aus dem Gemüse etwas Leckeres gekocht und voller Genuss verspeist.
Gemeinsam mit den Schulkindern wurde ein Garten angelegt, in dem biologisch angebautes Gemüse wächst, ferner Kräuter und Blumen. „Anfangs war hier noch platte Wüste“, beschreibt Jessica Runge die Ausgangssituation im Frühjahr. Sie betreut die Gartenanlage ehrenamtlich. Da ist es nur praktisch, dass sie auch von Beruf Gärtnerin ist. Hilfe hat sie dabei von der 18-jährigen Julia Maulhardt, die nach dem Abitur in diesem Jahr ihren Bundesfreiwilligendienst auf dem Hof absolviert. Sie war im Frühjahr zwar noch nicht dabei, hatte aber im Rahmen ihres Vorstellungsgespräches einen Blick auf die kahle Fläche werfen können und war bei Antritt ihrer Stelle im Sommer erstaunt, wie sich alles entwickelt hat. Die Arbeit mit Kindern und den Tieren auf dem Hof mache ihr sehr viel Spaß, ebenso der Verkauf im Hofladen.
Die strahlenförmig angeordneten Pflanzungen geben der einstmals kahlen Fläche ihren Namen: Sonnengarten. Hier werden die Pflanzen so kombiniert, dass sie die zu erwartenden Schädlinge fernhalten. Die Tagetes, von den Kindern einfach „Stinkeblume“ genannt, blüht gelborange und vertreibt mit ihrem Geruch im Wurzelbereich Nematoden (Fadenwürmer). „Möhren und Zwiebeln kann man gut zusammen anbauen“, weiß Jessica Runge. Die Zwiebeln vertreiben demnach die Möhrenfliege, während die Möhren die Zwiebelfliege vertreiben. Nach dem Abernten werden die Reste von Radieschen oder Salat stehen gelassen, bis sie Blüten austreiben, um Hummeln, Bienen und andere Insekten anzulocken. Die Gurken seien in diesem Jahr zwar von falschem Mehltau befallen und trügen keine Früchte. Die Blüten kämen dennoch und würden die Insekten nähren. Fast wie auf ein Stichwort brummt eine dicke schwarz-gelb gestreifte Hummel heran und setzt sich auf eine Gurkenblüte.
Pflanzenschutz ist auch im biologisch bewirtschafteten Schulgarten ein Thema. Brennesseljauche und ein Sud vom Ackerschachtelhalm helfen gegen Pilzbefall durch Grauschimmel oder Mehltau, Blattläuse und Schorf. „Wir sind noch am Ausprobieren“, sagt die Gärtnerin und streicht liebevoll über die Pflanzen.
Im Juni waren bereits einige Klassen der Grundschule Auf dem Windmühlenberge Isernhagen NB auf dem Schulbauernhof. Eine Ferienbetreuung für die Stadt Burgwedel wurde auch schon durchgeführt. Nun soll die Kooperation mit den Burgwedeler Schulen ausgebaut werden, sagt Anna Jacob. Unterstützung hat sie dafür noch durch zwei Mitstreiter von Julia Maulhardt, die auf dem Hof im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes beziehungsweise des Freiwilligen Ökologischen Jahres mithelfen.