Pestalozzi-Stift sagt „Tschüss Chef!“ -Mitarbeiter verabschieden Andreas Seifert

Viel Phantasie und ein Regenschirm spielten eine Rolle beim Theaterlied der Behindertenhilfe „Was wissen wir über ihn?“. (Foto: Renate Tiffe)

Furioses Programm im Isernhagenhof

BURGWEDEL/ISERNHAGEN (ti). 26 Jahre lang wirkte Pastor Andreas Seifert als Vorstand der Pestalozzi-Stiftung in Großburgwedel, die er in dieser Zeit zu einem modern strukturierten diakonischen Unternehmen umgestaltete. Am 1. Juli 2010 geht er in den Ruhestand. Seine offizielle Verabschiedung findet am 18. Juni statt. Seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die Mitarbeitenden, wie sie in der von ihm initiierten Hauszeitschrift genannt werden, ließen es sich nicht nehmen, ihm mit einem großen Programm im Isernhagenhof ade zu sagen: „Tschüss Chef!“.
Alles musste ganz heimlich zugehen und war doch von langer Hand vorbereitet. Ein rundes 2 ½-Stunden-Programm überraschte die Familie Seifert, die offenbar „zufällig“ komplett zu Hause war und von dort abgeholt wurde. Durch ein Spalier der Mitarbeitenden schritten Andreas Seifert und seine Frau Renate sowie die beiden Töchter mit Anhang. Und dann ging es Schlag auf Schlag mit einem furiosen Programm, das keine Abteilung des Hauses ausließ - aber auch keine Facette einer Führungspersönlichkeit, die es verstanden hat, nicht nur das Unternehmen Pestalozzi-Stiftung zukunftssicher zu machen sondern seine Mitarbeitenden nach ihren Fähigkeiten mit einzubeziehen. Fürsorge und Respekt galten für sie ebenso, wie für die Menschen, denen ihre Arbeit gilt. „Chancen geben – Leben lernen“ prägte Andreas Seifert als Leitsatz für die Stiftung.
Aber der Chef wurde auch herausgefordert, etwa wenn er sich bei der Moderation „Wer wird Pensionär?“ in Anlehnung an eine ähnlich klingende Fernsehsendung kniffligen Fragen stellen musste, wenn er beim Theater- und Danke-Lied der Behindertenhilfe wiederum mit auf die Bühne gebeten wurde (was er mit lockerem Sprung nach oben bewältigte) oder als es um das Abschiedsgeschenk ging, bei dem weder mit einer Golfspielausrüstung noch mit Nordic-Walkingstöcken noch gar mit einem Schlagbohrer richtig zu erfreuen war. Ein Aufenthalt im ersten Bücherhotel Deutschlands für ihn und seine Frau brachte es dann aber doch, was zugleich etwas über seine private Lieblingsbeschäftigung etwas aussagte, für die in Zukunft mehr Zeit sein wird. Dazwischen gab es einen Sketch der Fachschule zum Thema „Manager aus Leidenschaft“ und das Interview mit Bonmots „Gesagt ist gesagt“. Ein weiterer Programmpunkt war die Power-Point-Präsentation der Jugendhilfe, die Andreas Seifert als „Baumeister“ darstellte, mit einer enormen Anzahl von Neu- und Erweiterungsbauten und der unvermeidlichen Frage von Radio Erivan, die am Ende jeder Moderation stand. Hätte der Leiter der Stiftung auch ein guter Architekt werden können? Im Prinzip ja, aber ihm reichte es schon, beim Bauen genügend Fragen zu stellen, um die Architekten aus der Fassung zu bringen.
Am Ende als auch alle Fragen des künftigen Ruhestandes geklärt waren, erhielt Andreas Seifert selbst die Gelegenheit, „Ihre Gedanken und alles was sie jetzt loswerden wollen“ aus dem Handgelenk zu äußern. Er tat es, souverän und mit viel Empathie. Dass Ihre Zuneigung ihm fehlen werde, verriet er den Anwesenden und dass er das Besondere dieses Tages lange in Erinnerung behalten werde. Seinem Nachfolger Pastor Claus Dietrich Fitschen wünschte er ein ebensolches Vertrauensgeschenk der Mitarbeiter. Beim Wurzeln schlagen werde er ihm nicht im Wege stehen, versprach Seifert, der weiter in Großburgwedel wohnen bleibt.