Ovationen für Starpianist Justus Frantz

Einen unvergesslichen Abend bescherte der Starpianist Justus Frantz den Gästen im Kokenhof.

Werke von Mozart, Beethoven und Chopin erfüllten den Kokenhof

GROSSBURGWEDEL (bs). „Wir wollen mit diesem Abend an die Tradition von dem Zusammenspiel von kulinarischem und musikalischem Genuss in unserem Haus wieder aufleben lassen“, begrüßte Direktor Thorsten Sander seine Gäste im Hotel Kokenhof. Sie hatten die Chance, die Leistungsfähigkeit und Bandbreite von Keller und Küche des Hauses zu erkunden und einem ganz besonderen Klavierkonzert beizuwohnen: Auf dem Programm standen Mozart, Beethoven und Chopin, präsentiert vom Starpianisten Justus Frantz.
Etwa 160 Besucher genossen das Angebot in vollen Zügen. Das Konzert mit dem Starpianisten war der Höhepunkt des Abend. Er werde zwei Sonaten von Mozart und von Beethoven spielen und dann „noch ein paar Lieder von Chopin“, kündigte Frantz an. Ehrfürchtig verhaltenen Applaus gab es dafür schon vorab.
Der Maestro nahm an seinem Flügel Platz und eröffnete mit Mozarts Klaviersonate A-Dur. Diese bestehe aus drei Teilen, der erste Satz sei romantisch und eher ruhig, der zweite komme dynamischer daher und steigere das Tempo. Und im dritten werde die Sonate mit dem Türkischen Marsch zu einem ungewöhnlichen aber gelungenen Ausklang geführt, moderierte er charmant und zog das Publikum nach wenigen Anschlägen in seinen Bann.
Justus Frantz machte überdeutlich klar, warum er über Jahrzehnte als Ausnahmetalent in der internationalen Pianistenszene gilt: In den 60ern Lehrjahre bei den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan, in den USA 1975 bei den New Yorker Philharmonikern und Leonard Bernstein, später Professur in Hamburg, Gründer mehrerer internationaler Orchester und Schöpfer des Schleswig Holstein Musikfestivals. Stehende Ovationen zollten die Anwesenden dem mittlerweile 75- Jährigen für seinen Vortrag.
Es folgte die Mondscheinsonate von Beethoven, sicherlich eine der bekanntesten Klaviersonaten überhaupt. Beethoven sei schon weitgehend taub gewesen, als er die Sonate komponierte. Er habe seine Komposition nur mittels einer Metallkugel „empfinden“ können. Deswegen erscheine insbesondere der erste Satz impressionistisch, der zweite sei ein Tanz und im dritten Satz kämen die Harmonien wie von Furien gehetzt daher. Genau das wurde nun in Justus Frantz' Interpretation spürbar. Den Abschluss bildeten zwei Lieder von Chopin, darunter die bekannte Schmetterlingsetüde, ein ständiger furioser Wechsel zwischen Legato und Staccato.
Mozart und Beethoven seien die Titanen unter den Komponisten des 19. Jahrhunderts.
Wer die Werke von Titanen spielt, ist letztenendes selbst einer: Frantz erläuterte mit kurzer, prägnanter Sprache die die Eigenheiten der drei Komponisten: Sie alle komponierten diese Werke auf Reisen. Bei Mozart habe das etwas mit persönlichem Freiheitserlebnis zu tun, bei Beethoven mit dem Umgang seiner sich verschlimmernden Taubheit und Chopin habe damals seine Schwindsucht im angenehmen Klima Mallorcas kuriert.
Stehende Ovationen und nicht enden wollender Applaus gab es für diese Präsentation, nicht zuletzt für die souveräne und sympathische Moderation des Abends. Justus Frantz ist nicht nur ein einzigartig guter Pianist von Weltformat, er beherrscht ebenso die Kunst, Menschen auch ohne jeden Klassikbezug mit seiner Passion anzustecken und zu begeistern.