Ortsrat Großburgwedel findet Weg aus Mahnmal-Dilemma

Einstimmig hieß es am Ende der Abstimmung: Der Ortsrat Großburgwedel hat sich dazu entschlossen, den Vorschlägen von Dr. Habbo Knoch (links neben Ortsbürgermeister Otto Bahlo) zu folgen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Bebauungsplan „Nördlich Wittensand“ wurde einstimmig zugestimmt

GROSSBURGWEDEL (hhs). Der Ortsrat Großburgwedel hat auf seiner letzten Sitzung am Mittwoch dieser Woche in Ruhe und Umsicht einen Weg gefunden aus dem Dilemma um das Mahnmal auf dem Friedhof Großburgwedel. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden zwei Bebauungspläne auf den Weg gebracht und die Ortsratsmittel verteilt.

Zu Beginn der Sitzung war ein Antrag des Ortsratsherrn Gutte auf Herrichtung des Sammelgrabes der Opfer von Krieg und NS-Gewaltherrschaft auf dem Friedhof Großburgwedel von der Tagesordnung genommen worden. Gutte selbst hatte um die Absetzung gebeten, weil er zu dieser Sitzung nicht anwesend sein konnte. Zum Thema „Mahnmal“ hatte der Ortsrat Dr. Habbo Knoch eingeladen. Er ist Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, die die Gedenkstätten Bergen Belsen und Wolfenbüttel betreut.
Knoch zollte dem Ortsrat zunächst großen Respekt für dessen intensive Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Stiftung übernehme auch beratende Funktion bei Kommunen in diesem Themenfeld und bringe ihre Kenntnisse in die Prozesse ein. Großburgwedel habe mit seinem Mahnmalprojekt überregionales Interesse geweckt: „Wir müssen versuchen, die unterschiedlichen Ansichten näher zusammen zu bringen“, sagte er. Ein Mahnmal entstehe in einem erinnerungskulturellen Prozess. Die Zerstörung eines Mahnmals könne nicht Teil eines demokratischen Prozesses sein, stellte er klar. als Lösung für den Weg aus der Krise um das Großburgwedeler Mahnmal schlug Dr. Habbo Knoch drei Schritte vor: Zunächst müsse eine Expertise über sämtliche historische Aspekte und alle Hintergrundkenntnisse erarbeitet werden. Die Stadt Burgwedel solle dafür einen externen Historiker gewinnen. Im zweiten Schritt müsse der Ortsrat auf der Grundlage dieser Expertise diskutieren, was an Lösungsmöglichkeiten noch vorhanden ist. Im letzten Schritt müsse diese Lösungsmöglichkeit öffentlich diskutiert werden. Knoch schlug vor, den Präsidenten der Kriegsgräberfürsorge Dr. Rolf Wernstedt und den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden Dr. Michael Fürst darin einzubeziehen. Knoch selbst erklärte sich bereit die Beraterfunktion während aller drei Phasen zu übernehmen, „das wir alles in einem offenen Verfahren in demokratischen Spielregeln diskutieren“. Der Ortsrat stimmte dem in allen drei Punkten zu.
Dr. Karsten Hoppenstedt freute sich über den Beschluss. Er sei überzeugt, das der Ortsrat in einem ziel orientierten Prozess zu einem Ergebnis kommen werde. Ein Ergebnis sei notwendig, müsse aber nicht übers Knie gebrochen werden. „Das Thema ist so wichtig, dass wir nicht zwingend zum Volkstrauertag fertig sein müssen“. Auch Bettina Kamieth von der CDU Fraktion im Ortsrat fiel offensichtlich ein Stein vom Herzen: „Das ist unsere Chance, alles zu einem sauberen Ende zu bringen“, sagte sie in die Runde. „Wir sollten uns aber nicht wieder mit einem Datum unter Druck setzen lassen“. Ein Besucher, der anschließend das Sitzungszimmer verließ, hielt das gerade beschlossene Vorgehen für „großen Blödsinn“.
Im Anschluss musste sich der Ortsrat mit zwei Bebauungsplänen befassen. Zunächst ging es um eine Änderung des Bebauungsplanes Nr. 78 Gewerbegebiet III in Großburgwedel. Das ist der vordere Bereich zwischen Kokenhorststraße und Bundesautobahn. Hier wird die so genannte Grundflächenzahl von 0,5 auf 0,8 erhöht, was die Grundeigentümern in die Lage versetzt, die Bebauung auf ihren Grundstücken etwas zu verdichten.
In Bezug auf den Bebauungsplan Nr. 141 „Nördlich Wittensand“ stand die Anhörung des Ortsrates auf der Tagesordnung. Dabei geht es immer darum, die rechtlichen Voraussetzungen für ein neues Wohnbaugebiet zu schaffen. beide Anträge wurden vom Ortsrat einstimmig angenommen.