Ortsrat Großburgwedel beschloss Konzeption des Mahnmals

Am Dienstagabend fasste der Ortsrat Großburgwedel den Grundsatzbeschluss zum Neubau des Mahnmals. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Kontroverse Diskussion einer wesentlichen Textpassage

GROSSBURGWEDEL (hhs). Am Dienstag dieser Woche hatte der Ortsrat Großburgwedel über die Konzeption des Mahnmals auf dem Friedhof zu beschließen. Die Vorgeschichte ist bekannt. Nun stand am Dienstag ein Beschluss der Konzeption für ein neues Mahnmal auf der Tagesordnung, und ein zweiter für den so genannten „Rückbau“ des alten, zerstörten Mahnmals. Und schließlich noch ein Dritter: Am neu zu bauenden Mahnmal sollen zwei Bänke aufgestellt werden, um Nachdenklichkeit und Besinnung vor Ort zu ermöglichen.
Dr. Habbo Knoch, Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, hatte schon in einer vergangenen Ortsratssitzung erklärt, das neu zu konzipierende Mahnmal solle über zwei Bereiche verfügen, die sich jeweils in eine Informationsebene und eine Gedenkebene gliedern. Die Burgwedeler Nachrichten haben damals darüber berichtet. Am Dienstag stellte er die Konzeption des Mahnmals vor. Für den Bereich „Opfer der NS-Verbrechen ist folgende Inschrift vorgesehen: „Mit jedem Menschen verschwindet ein Geheimnis aus der Welt.“ Friedrich Hebbel (1813-1863)
Den Opfern der nationalsozialistischen Verbrechen zwischen 1933 und 1945 und ihrer Folgen zum Gedenken“.
Der Bereich der Informationsebene verfügt über erläuternde Texte und Namen der Opfer, soweit diese bekannt sind. Diese Erläuterungen und die inhaltliche Konzeption dieses Teils fanden die ungeteilte Zustimmung des Ortsrats.
Der Text der Inschrift für den Bereich „Tote des Zweiten Weltkriegs und seiner Folgen“ auf der Gedenkebene: „Die unwandelbare Freundschaft und der ewige Friede zwischen allen Völkern – sind das denn Träume? Ludwig Börne (1786-1837) Den Toten des Krieges von 1939 bis 1945 und seiner Folgen zum Gedenken“.
Der Text für die Informationsebene soll wie folgt formuliert werden: „Zwischen 1939 und 1945 nahmen Millionen Männer und Frauen aus Deutschland an einem Krieg teil, der aus verbrecherischen Motiven und insbesondere in Osteuropa aus einer rassistischen Ideologie geführt wurde. Er führte zu schweren Verwüstungen und großem Leid.
Unter den Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg starben oder als vermisst gelten, waren viele Bürger aus Großburgwedel. Wie sie sich im Krieg verhalten haben, ob sie unbescholten blieben, an Verbrechen beteiligt waren oder sich widersetzt haben, bedarf weiterer Forschung“...
Bei der Diskussion stieß insbesondere der Absatz über den Namen der gefallenen Soldaten in die Kritik. Der Erläuterungstext intendiere einen Generalverdacht bei den militärischen Gefallenen, einen Pauschalverdacht, „ob“ sie sich schuldig gemacht haben könnten. Es müsse dabei aber weiterhin die Unschuldsvermutung gelten. Kollektivschuld sei im Deutschen Rechtssystem nicht angelegt. Es gelte, die Individualschuld festzustellen. In dieser Form sei die Inschrift eine Verunglimpfung der Gefallenen und damit nicht hinnehmbar.
Die Gegenposition formulierte Prof. Otto Ludwig. Er sagte, zwei der drei Verhaltensmerkmale „unbescholten, an Verbrechen beteiligt, am Widerstand beteiligt“ seien absolut positiv, alle drei zusammen stünden für das Dilemma, dass „wir nicht wissen, was zutrifft“.
Der Ortsrat entschied sich dafür, diese Textpassage noch einmal zu überarbeiten. Etwas befremdlich auch die Planung, auf dem Mahnmal zweimal den Hinweis auf „weiterführende Informationen im Rathaus“ zu verweisen. Vielleicht sollte hier über einen extern angebrachten Verweis nachgedacht werden.
Der Ortsrat stimmte dem Mahnmalkonzept zu, ebenso dem Rückbau des alten Mahnmals. Zudem werden zwei Bänke am neuen Mahnmal aufgestellt. Mit diesen Beschlüssen ist die endgültige Gestaltung des neuen Mahnmals noch nicht festgelegt.