Ortsrat Großburgwedel beschließt endgültigen Mahnmaltext

Abschied nach knapp 20 Jahren: Heinrich Gremmel, liberales Urgestein der Stadt, verlässt den Ortsrat. Hier erhält er Urkunde und Geschenk von Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Heinrich Gremmel offiziell vom Ortsrat verabschiedet

GROSSBURGWEDEL (hhs). Am Donnerstag dieser Woche tagte der Ortsrat Großburgwedel. Zwei wesentliche Punkte der Tagesordnung sorgten dafür, dass die Zuschauerplätze voll besetzt waren: die Verabschiedung von Heinrich Gremmel, der wie in den Burgwedeler Nachrichten berichtet, sein Mandat aus persönlichen Gründen niedergelegt hatte. Ferner der Beschluss über die Änderungsvorschläge für den endgültigen Text des Mahnmals.
Der Ortsrat Großburgwedel hatte am 17. Juli einen grundsätzlichen Beschluss über die Neuerrichtung des Mahnmals gefasst, aber auf Einwände von Bürgern gegen den dafür vorgesehenen Text des Mahnmals Änderungsvorschläge zugesagt.
Zunächst wurde Heinrich Gremmel offiziell verabschiedet. Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller bedankte sich bei dem Liberalen für mehr als 15 Jahre Mitarbeit im Ortsrat, verlas eine Urkunde und überreichte ein kleines Geschenk für den scheidenden Ortsratsherrn. Gremmel erklärte, er sei dankbar, dass er all die Jahre an der Entwicklung Großburgwedels mitarbeiten durfte. Er werde seine neue Freizeit jetzt nutzen, um sich stärker um seine Familie zu kümmern. Dann ließ er sich seine Jacke von der Garderobe reichen, sagte „Auf Wiedersehen“ und verließ das Sitzungszimmer. Die Nachrückerin der FDP im Ortsrat konnte anschließend noch nicht verpflichtet werden. Sie weilt noch im Urlaub.
Nun war das Mahnmal, insbesondere dessen Textänderung an der Reihe. Dr. Habbo Knoch, der Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, stellte die Änderung kurz vor. Auf Kritik gestoßen war, nach Meinung vieler Besucher der Ortsratssitzung im Juli, eine Formulierung, in der das Verhalten von Soldaten im Zweiten Weltkrieg ungebührlich thematisiert wurde.
Der Änderungsvorschlag von Dr. Knoch lautet: „Zwischen 1939 und 1945 nahmen viele Männer und Frauen aus Deutschland an einem Krieg teil, der schwerste Verwüstungen und größtes Leid zur Folge hatte. NS-Regime und Wehrmachtsführung handelten aus verbrecherischen Motiven, die insbesondere in Osteuropa einer rassistischen Ideologie folgten. Ob die Soldaten diese Ziele teilten oder sich widersetzten, ob sie an Verbrechen beteiligt waren oder unbescholten blieben, ist für jeden Einzelnen zu fragen“,
Darin sind zwei bemerkenswerte Änderungen enthalten: zum einen die Umstellung zu Beginn „NS-Regime und Wehrmachtsführung“, die laut Knoch eine deutliche Beziehung herstellen zu denen, die den Krieg initiiert haben, Nazis und Wehrmachtsführung. Der neue Schlusssatz beziehe sich darauf und öffne mit dem Passus „Ziele teilten“ das Spektrum zu denen hin, die sich vielleicht aus Überzeugung NS-Organisationen zugewandt haben. Man könne ihn auch offener interpretieren. Wichtig sei aber die letzte Formulierung „für jeden Einzelnen zu fragen“. Zugehörigkeit zu einer verbrecherischen Organisation oder nicht sei nicht entscheidend, sondern allein das Verhalten jedes Einzelnen. So gesehen könnte man hieraus keine Pauschalverurteilung mehr ableiten. Am Ende stehe ein zeitlich unbegrenzter und unbestimmter Auftrag „zu fragen“.
In der Einwohnerfragestunde stieß auch dieser Vorschlag auf Kritik, was vielleicht daran lag, dass dieser sehr komprimierte Text viel zu vielschichtig ist, dass sich alle seine Möglichkeiten nicht auf Anhieb erschließen lassen. Eine Schwachstelle des Textes, die zu reflektieren der Ortsrat jedoch nicht gewillt war.
Ferner wurde vonseiten der Einwohner gefragt, ob es schon ein Mahnmal gebe, dass die Inhalte des Gedenkens so formuliere wie das jetzt geplante. Es gebe keins, antwortete Dr. Knoch. Großburgwedel werde damit eine Vorreiterrolle einnehmen und als beispielhaft gelten.
Eine Diskussion innerhalb des Ortsrats zum Thema hielten die Ortsratsmitglieder nicht mehr für notwendig. Er beschloss einstimmig die dargestellten Änderungsvorschläge. Zu dem stellte er den Antrag an den Verwaltungsausschuss, 22.000 Euro außerplanmäßig für den Neubau des Mahnmals zur Verfügung zu stellen, damit es noch bis zum Volkstrauertag Mitte November fertiggestellt werden könne. Auch das geschah einstimmig.
Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller gab in diesem Zusammenhang noch bekannt, dass alle Mitbürgerinnen und Mitbürger, die die Namen der Kriegsopfer und Gefallenen aus ihrer Familie nicht auf dem neuen Mahnmal sehen möchten, sich bis zum 27. September bitte schriftlich in dieser Sache bei Ordnungsamtsleiterin Andrea Stroker, Stadt Burgwedel -Ordnungsamt- in 30938 Burgwedel, Fuhrberger Straße 4, melden können.