Ortsrat Großburgwedel arbeitete Tagesordnung ab

Der Verkehr fließt an der Überquerungshilfe vor dem Wohnpark, Achtungsschilder sollen die Kraftfahrer nun sensibilisieren. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Ortsbürgermeister Otto Bahlo verliest persönliche Erklärung

GROSSBURGWEDEL (hhs). Der Ortsrat Großburgwedel hatte am Mittwochabend eine umfangreiche Tagesordnung zu bearbeiten. Zunächst entschied sich der Ortsrat einstimmig dafür, den Tagesordnungspunkt „Mahnmal Großburgwedel“ abzusetzen. Infolge eines Gespräches des Gremiums mit Dr. Habbo Knoch, Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, sollen sich die Fraktionen darauf im Vorfeld geeinigt haben.
Zunächst teilte der Ortsbürgermeister Otto Bahlo mit, seit der letzten Sitzung Anfang Juli habe er 21 Termine wahrgenommen, die meisten davon hohe Ehejubiläen und Geburtstage. Dann ging es um die Platzierung einer Übersichtstafel für die bestehenden Radwege in Großburgwedel. Hier sammelten die Mitglieder einige Standorte, darunter Kokenhorststraße, Grundschule, Domfront-Platz, Bahnhof. Die Verwaltung wurde aufgefordert, die vorgeschlagenen Standorte auf Machbarkeit zu überprüfen.
Dann mussten sich die Ortsratsmitglieder mit dem Bau einer Toilette im Amtspark beschäftigen. Die Situation dort hat sich vollkommen geändert durch die Neugestaltung des Parkes und insbesondere durch die Spielgeräte. Diese werden nun sehr stark von der Bevölkerung angenommen, eine Toilette dort ist notwendig, weil der Weg zum nächsten nutzbaren WC zu weit ist. Die Verwaltung bezifferte die laufenden Kosten bei einer Öffnungszeit der Toilette von April bis Oktober auf 1284 Euro zuzüglich Reinigung und Verbrauchsmaterial. Außerdem müsse geklärt werden, wer die Einrichtung abends abschließt. Ein Beschluss soll in der nächsten Sitzung fallen, nachdem das Gremium einen Ortsbegehung vorgenommen habe. In Sachen „Zahnärztlicher Notdienst“ habe es keine Entwicklung gegeben, teilte der Ortsbürgermeister mit. Schließlich beschloss der Ortsrat, für den Haushalt 2011 Ortsratsmittel in der Höhe des laufenden Geschäftsjahres zu beantragen.
Ferner stand der diesjährige Volkstrauertag auf der Tagesordnung. Hier fragte Otto Bahlo seine beiden Stellvertreter Heinrich Gremmel (FDP) und Madeleine Ahlers (SPD), ob sie für den Fall, dass er als Ortsbürgermeister an dem Tag verhindert sei, die Gedenkrede halten würden. Heinrich Gremmel lehnte ab. Er werde nicht vor einem zerstörten Denkmal reden. Madeleine Ahlers war ebenfalls nicht bereit dazu.
In Bezug auf die Überquerungsprobleme vor dem WohnPark Großburgwedel, hier war neulich eine ältere Frau von einem Fahrzeug erfasst und dabei verletzt worden, erklärte Andrea Stroker, die Leiterin des Ordnungsamtes, es habe ein gemeinsame Begehung von Region, Polizei und Verwaltung stattgefunden, bei der man zu der Entscheidung gekommen sei, an jeder Fahrbahnseite größer Achtungsschilder aufzustellen, um die Kraftfahrer auf die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger hier hinzuweisen. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung komme nicht in Frage. Die Parkprobleme vor dem Restaurant Giardini, erklärte Andrea Stroker zum nächsten Punkt, wolle der Wirt selbst lösen.
Letzter Tagesordnungspunkt war eine persönliche Erklärung des Ortsbürgermeisters. Damit wollte Otto Bahlo Stellung nehmen zu den Ausführungen des Ratsherrn Gutte in der Sitzung zuvor. Die Burgwedeler Nachrichten haben darüber berichtet. Bahlo stellte zunächst auf der Basis der Sitzungsprotokolle klar, welchen Beschlüssen in Sachen „Mahnmal“ der Ratsherr Gutte in den vergangenen Jahren zugestimmt habe, um sie dann später wieder in Frage zu stellen. Damit entkräftete der Ortsbürgermeister auch Vorwürfe, er habe eigenmächtig Entscheidungen getroffen.
Er bezeichnete Guttes Vorgehen in den vergangenen 43 Monaten als „Schmierenkomödie auf Kosten der Toten“. Er warf Gutte vor, dieser habe eine Pressemitteilung der deutsch-israelischen Gesellschaft „Großburgwedel ehrt SS-Leute“ lanciert und damit dem guten Ruf der Stadt weltweit geschadet: „In meinem ganzen Leben ist mir so eine Schweinerei noch nicht passiert“, schimpfte Bahlo. „Ich schäme mich, diesem Ortsrat anzugehören“. Dafür gab es von einem Teil der etwa zehn Besucher offene Zustimmung. Entrüstung über die scharfe Wortwahl gab es nicht, sie scheint nun endgültig im Ortsrat Großburgwedel Einzug gehalten zu haben.