Open-Air-Theater für Kinder auf dem Wettmarer Dorfplatz

Die bösen Piratenkapitäne hecken den Plan aus, das Piratenschwein zu entführen. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Die Kinder fanden es toll und machten in jeder Sekunde mit. (Foto: Hans Hermann Schröder)

„Jule, das Piratenschwein“ mit dem Theater Löwenherz

WETTMAR (hhs). Die Ferienpassmaßnahme mit der Nummer 54 im Katalog, ein Theaterstück für Kinder mit dem Theater Löwenherz, angeboten von Heidrun Schümer und ihren Kolleginnen der Bücherei Wettmar, war im Vorfeld eine kleine Enttäuschung für die Organisatoren: „Vier Kinder und eine Mutter hatten sich angemeldet“, sagte Heidrun Schümer, die Büchereileiterin bei der Begrüßung ihrer Gäste am Montagnachmittag. Um so mehr freute sie sich, dass zur Aufführung unter freiem Himmel auf dem Wettmarer Dorfplatz mehr als 40 Kinder, gut 20 Mütter und sogar 12 Väter gekommen waren. Auf dem Programm stand „Jule, das Piratenschwein“, ein Stück von Cornelia Funke. Das Theater Löwenherz genoss dabei in Wettmar gewissermaßen Heimrecht, es war das gesamte Ensemble angereist, Hendrik Becker und Heidrun Hafen, und die beiden sorgten dafür, dass dieser Nachmittag für die Kinder in etwa mit dem zu vergleichen ist, was für Erwachsene der „Sommernachtstraum“ im Gartentheater Herrenhausen sein kann.
Bemerkenswert der Einstieg: Muck (Heidrun Hafen) betritt das imaginäre Rund des Theaters unter freiem Himmel und putzt alles und jeden, der nicht wegläuft. Papilian kommt hinzu und schlägt vor, dass sie beide Theater spielen sollen. Beim Aufstellen der Requisiten riecht Muck an einem Blumenstrauß und fällt in Ohnmacht. Papilian schafft es nicht allein, sie wieder ins Jetzt zu holen, da muss das Publikum helfen. So eine Chance erhält man nicht alle Tage, mögen sich die Kinder gedacht haben, sie halfen erfolgreich mit in dem komödiantischen Spektakel, Muck erwachte und konnte Theater spielen.
Im zweiten Schritt ging es um das Stück: Geschickt führte Papilian seine kleinen Gäste zum Thema Piraten, und die wussten ziemlich genau, was dann dazu gehört: Mindestens ein Kapitän, mehrere Piratenfahnen, eine Prinzessin. Und natürlich ein Schwein, ein Piratenschwein, wie Papilian wusste, war notwendig. Dass der Gedanke, ein Schwein mit einer Rolle in einem Piratendrama zu versehen, gar nicht so abwegig ist, wenn man den Fantasie hat, bewies Papilian ganz einfach, indem er die Geschichte von den Kinder spielen ließ: Ein Schwein wird am Strand einer Insel angespült, es erhält seinen Namen, erst Rosa, dann Jule, und als Pit mit dem Tier nach Hause geht, erkennt er die Qualitäten des Schweins: Jule schnuppert, buddelt und findet einen Schatz. „Ein Piratenschwein“, so Pit's Erleuchtung. Das alles haben natürlich auch die bösen Buben, Piraten auch aus dem mitbekommen. Sie machen einen Plan, Jule zu entführen. Und schon ist aus dem Vorgeplänkel ganz handfestes interaktives Theater geworden.
Natürlich entführen die fiesen Piraten das Piratenschwein, um auf diese Weise nicht mehr Schätze erbeuten zu müssen, sondern auf lau an sich zu bringen. Da spielen eine Prinzessin und eine feine Dame eine Rolle und am Ende ist es, wie es im Märchen immer ist und auch so sein muss: Die Bösen erhalten eine Lehrstunde und die Guten gewinnen. Es war eine tolle Aufführung, interaktiv und damit mit einem hohen Maß an Improvisation verbunden. Die beiden Schauspieler Hendrik Becker und Heidrun Hafen haben ein beinahe unglaubliches Vermögen bewiesen, dass sie einfühlsam und sicher mit der Spontaneität der kindlichen Besucher umgehen können.
Auf eines sei noch hingewiesen angesichts der Urlaubszeit: Wer jetzt mit seinen lieben Kleinen noch die Reise antritt, sollte sich das Buch „Das Piratenschwein“ von Cornelia Funke dafür ausleihen. Das ist nicht nur des Lesens wert, auch des Anschauens wegen der vielen liebevollen Illustrationen von Kerstin Meyer. Das Werk ist auch als Hörbuch erschienen. Beides gibt es auch in der Bücherei in Wettmar zum Ausleihen, und die hat in den Sommerferien geöffnet: Immer donnerstags von 17.30 bis 19.00 Uhr.