Online-Unterricht, E-Mail oder schlafen?

Homeschooling in Burgwedel ist „ein bunter Mix aus allem, was sich so bietet“ (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Homeschooling in Burgwedel ist „ein bunter Mix aus allem, was sich so bietet“

GROSSBURGWEDEL (bgp). Die Digitalisierung der Schulen ist in aller Munde, vor allem seit dem ersten pandemiebedingten Lockdown im März 2020. Nie waren digitale Medien für Schülerinnen und Schüler so wichtig und nötig wie heute.
In Burgwedel hat sich in den Schulen schon einiges getan, doch wie sieht es knapp ein Jahr danach in der Praxis aus? Ein Blick in den Alltag der Schüler zeigt, dass die Art des Unterrichts mit und durch digitale Medien sehr davon abhängt, wie die einzelnen Lehrkräfte damit umgehen. Ebenso steigt und fällt die schulische Leistung mit den häuslichen Gegebenheiten und der Fähigkeit der Schüler zum selbstbestimmten Lernen.
Eine 15-Jährige sitzt morgens um 9.00 Uhr im Wohnzimmer am Laptop und nimmt am Online-Fremdsprachenunterricht teil. Die Neuntklässlerin besucht das Gymnasium Großburgwedel und hat zurzeit Distanzunterricht, der mit einer Mischung aus Aufgaben per E-Mail und eher seltenen Videokonferenzen bestritten wird.
Sie erledigt die schriftlichen Aufgaben und lädt sie im System hoch. Punktuell bekommt sie von den Lehrkräften eine Rückmeldung, ob die Aufgaben richtig gelöst wurden oder noch Verbesserungen angebracht sind. Außer von zwei Lehrkräften, die auch Videounterricht machen, erfolgt der Distanzunterricht über E-Mailkontakt.
Ihr Bruder besucht die 10. Klasse des Gymnasiums: Er schlummert um die Zeit noch selig in den Federn. Der Schüler kann durchaus bis mittags schlafen, seine Aufgaben werden montags per E-Mail über das Online-System der Schule geschickt und müssen erst bis Freitag um 16.00 Uhr hochgeladen sein. Ähnliche Szenen spielen sich derzeit in vielen Burgwedeler Haushalten ab.
Dr. Rolf Kröncke, Vorsitzender des Schulelternrates am Gymnasium, beschreibt die Sorgen um den Lernerfolg der Kinder: „Den Eltern ist durchaus bewusst, dass es sich um eine Ausnahmesituation handelt, aber die Mehrzahl wünscht sich wesentlich mehr an den Stundenplan gebundenen Online-Unterricht und häufigere Rückmeldungen durch die Lehrkräfte.“ Die Vorsitzende des Schulelternrates an der IGS Burgwedel, Clarissa Spichale sagt: „Wir sind im großen und ganzen zufrieden.“ Im März 2020 sei der Start aufgrund der ungewohnten Situation noch etwas holprig gewesen, aber nun laufe es wesentlich besser. Der Kontakt zwischen Eltern und Lehrkräften finde regelmäßig statt, es gebe viele Rückmeldungen zu den Hausaufgaben. Für rund 40 IGS-Schülerinnen und Schüler, die keine passenden digitalen Endgeräte hätten, seien Leihtablets von der Stadt Burgwedel kurzfristig zur Verfügung gestellt worden, so Spichale.
Bianca Fitzthum, Mutter einer Viertklässlerin, ist sehr zufrieden mit der Grundschule Kleinburgwedel. „Unsere Tochter besucht zurzeit den Unterricht im Wechselmodell und es läuft wirklich gut“, beschreibt sie die Situation. Die Hälfte der Kinder besucht den Unterricht in der Schule, die andere Gruppe lernt zuhause. Der Wochenplan für zuhause werde von den Lehrerinnen über IServ zur Verfügung gestellt und sei von ihnen sehr gut durchdacht. Darin enthalten sei beispielsweise ein Englisch-Vokabeltraining oder Links mit kurzen Filmbeiträgen zum jeweiligen Thema. Selbst eine Videokonferenz sei mit den Viertklässlern auf die Beine gestellt worden. Die Kommunikation mit den Lehrkräften und Rückmeldungen zu den Aufgaben erfolgten regelmäßig. Der Spagat zwischen Büro mit Telefonaten und Videokonferenzen in Kombination mit dem „über die Schulter schauen“ bei der Jüngsten zuhause sei zwar nicht immer leicht, aber „besser kann man es nicht machen“, lobt Bianca Fitzthum das Engagement der Lehrkräfte an der örtlichen Grundschule.
„Probleme mit der digitalen Infrastruktur waren besonders in der Anfangsphase ein Hindernis“, sagt Dr. Anne Bosum-Dybus, Lehrerin für Chemie, Physik und Mathematik am Gymnasium Großburgwedel. Um Kontakt zu Schülerinnen und Schülern aufzunehmen, nutze sie häufig die Videokonferenzfunktion. Die Verbindung zu den Fuhrberger Schülern sei anfangs sehr schlecht gewesen und meist nur in der Chatfunktion ohne Mikrofon- oder Videoübertragung flüssig gelaufen, beschreibt sie die technischen Defizite, mit denen sowohl Schüler als auch Lehrkräfte zu kämpfen hatten. Mittlerweile sei die Verbindung besser und sie nutze besonders für den 6. Jahrgang häufig Videokonferenzen, um die jüngeren Schüler so gut wie möglich zu betreuen. Diese seien dabei sehr engagiert, auch Gruppenarbeit lasse sich so gut bewerkstelligen. Im Jahrgang 12 sei die Betreuung der Facharbeiten eine anspruchsvolle Aufgabe, die meist in Kleingruppen oder Einzelkonferenzen besprochen werde, da die Bibliothek derzeit geschlossen sei. Der 13. Jahrgang sei im geteilten Präsenzunterricht, die Gruppe zuhause nehme per Video am Unterricht teil. Im 10. Jahrgang setze sie im Kurzfach viel auf schriftlichen Austausch über IServ, da die Schülerinnen und Schüler ohnehin schon stark belastet seien. „Die Situation fordert uns auf allen Ebenen von der Schulleitung, über die Lehrkräfte bis hin zu Eltern und Schülern ein hohes Maß an Flexibilität ab, auch im Hinblick auf die Nutzung der unterschiedlichen Medien für den Distanzunterricht“, erklärt sie. Mit der bestehenden Plattform könne man viel machen, die Kommunikation mit den Schülerinnen und Schülern gestalte sich wie „ein bunter Mix aus allem, was sich so bietet“, erklärte Dybus.