"Noch mehr Projektarbeit"

Dr. Marco Gerhard Schinze-Gerber ist neuer Schulleiter der IGS Burgwedel.

Marco Gerhard Schinze-Gerber ist neuer Schulleiter an der IGS Burgwedel / Acht neue Lehrkräfte am Start

BURGWEDEL (bgp). Die IGS Burgwedel steht im Schuljahr 2019/20 unter neuer Leitung: Dr. Marco Gerhard Schinze-Gerber tritt die Nachfolge von Renate Koch an, die vor den Sommerferien in den Ruhestand verabschiedet wurde. Ein Neuling ist er allerdings nicht. Seit 2011 ist er im Schuldienst, 2013 begann er seinen Dienst in Burgwedel und unterrichtete zunächst an der Oberschule. 2015 wurde Schinze-Gerber stellvertretender Leiter der achtköpfigen Planungsgruppe für die neu zu gründende Integrierte Gesamtschule. Nach der Gründung startete im Schuljahr 2016/17 der erste Jahrgang an der IGS Burgwedel unter Leitung von Renate Koch und ihm als didaktischer Leiter.

„Die Vorbereitungen für die Übernahme der Schulleitung sind schon vor zwei Jahren gelaufen“, erklärt der 39-jährige Rektor, dessen Kollegium mit acht neuen Lehrkräften an den Start geht. Koch habe ihn an allen Entscheidungsprozessen beteiligt und durch die Arbeit in der Planungsgruppe habe er die IGS Burgwedel „mit am Reißbrett entworfen“. Das Modell der IGS in Kombination mit der Gründung habe ihn begeistert: „Wir konnten uns konzeptionell ganz neu aufstellen und frei denken.“ Anreize habe sich die Gruppe auch von anderen Schulen geholt, wie etwa der IGS Göttingen. Daher sei er auch mit der bisherigen Aufstellung der IGS zufrieden, besonders die Schulentwicklungsgruppen unterschiedlicher Themenbereiche und die starke Teamorientierung hätten sich bewährt.

Allerdings werde es auch einige Neuerungen geben, die sich am Arbeitsmarkt der Zukunft orientieren sollen. „Die Schwerpunkte werden sich in den nächsten Jahren verändern hin zu mehr Team- und Projektarbeit oder kreativer Arbeit“. Bisher gab es für jeden Fachbereich Exkursionen, die Besuche auf einem Bauernhof, bei der Üstra oder zu verschiedenen Museen vorsahen. Das solle noch verstärkt werden, um den Schülerinnen und Schülern ein breites Spektrum zu bieten.

Ein Berufs- und Studienorientierungskonzept ist laut Schinze-Gerber bis zum achten Jahrgang weitgehend fertig gestellt und soll fortgeschrieben werden. Darin enthalten sind in den Jahrgängen fünf bis acht im Bereich Arbeit, Wirtschaft und Technik Angebote wie ein Lötkolben- oder Bohrmaschinen-Führerschein, PC-Kurse mit Internetführerschein und den gängigen Textanwendungen ebenso wie Präsentationen und Tabellenkalkulation. „Wir unterrichten Schüler und keine Fächer“, betont Schinze-Gerber, der mit dieser Schulform „den jungen Menschen das Rüstzeug mit auf den Weg geben möchte“, um im Leben und auf dem Arbeitsmarkt gut klar zu kommen. Dazu gehört für ihn auch der Hauswirtschaftsunterricht, in dem der Nachwuchs sich mit gesunder Ernährung beschäftigt und lernt, mit dem Taschengeld auszukommen. „Ab Klasse sieben geht es dann in die Küche und die Schüler lernen kochen“, sagt er.

Der Zukunftstag ist ein weiterer Baustein in der Berufs- und Studienorientierung. „Ab Jahrgang fünf sollten alle Schülerinnen und Schüler einen Platz haben und in den Berufsalltag hineinschnuppern“, betont der IGS-Schulleiter. Zulegen möchte er noch bei den Exkursionen zu Unternehmen in der Nähe. Demnächst wird eine Gruppe älterer Schüler ein Bauunternehmen besuchen, bei dem Maschinen und Berufsfelder präsentiert werden. Im Profilkurs Wirtschaft möchte Schinze-Gerber eine Schülerfirma etablieren, die jahrgangsübergreifend arbeitet, damit „die Erfahrungen nicht nach ein oder zwei Jahren verpufft sind“. Im sozialen Bereich wünscht er sich Projekte, in denen Schüler ab der siebten Klasse regelmäßig in Kindertagesstätten oder Seniorenbegegnungsstätten unterwegs sind. Marco Schinze-Gerber hat neben der IGS auch die Burgwedeler Oberschule im Blick, die in zwei Jahren auslaufen wird und bis dahin kommissarisch von ihm geleitet wird. „Die Oberschule ist mir genauso wichtig“, betont er. Ein gemeinsames Schulfest ist für Anfang September geplant. Die Schulordnung ist in der Überarbeitungsphase und soll nach ausführlicher Beratung mit Schüler- und Elternvertretern sowie dem Kollegium für beide Schulformen in der Gesamtkonferenz nach den Herbstferien zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

Viele Neuerungen stehen auf dem Plan für den promovierten Historiker, der im unterfränkischen Hammelburg geboren wurde und nach dem Besuch der Realschule und dem Wechsel an das Gymnasium mit dem Abitur abschloss. Nach der Schulausbildung verpflichtete er sich als Zeitsoldat bei der Bundeswehr und ist noch heute als Oberstleutnant der Reserve aktiv. „Aus der Zeit habe ich sehr viel mitgenommen und profitiere noch heute davon“, sagt Schinze-Gerber. Im Anschluss studierte er für das Realschullehramt Mathematik, Politik und Geschichte. Die besondere Leidenschaft für Geschichte habe er schon in der Oberstufenzeit entwickelt. Der Lehrer im Leistungskurs sei durchaus ein „Wegbereiter“ für das Studienfach gewesen und habe einen Blick für verborgene Talente seiner Schüler gehabt. Ein Anspruch, den der neue Schulleiter auch an die IGS stellt: „Jeder hat Talente, die wir entdecken müssen.“
Überhaupt sei die Schulwahl nicht immer einfach, berichtet der verheiratete Vater eines fünfjährigen Sohnes. Drei Grundschulen hätte er mit seiner Frau besichtigt. Im Gespräch mit den Schulleitungen habe er auf der anderen des Tisches sitzen müssen. „Das war eine ganz neue Erfahrung“, sagt Schinze-Gerber lachend.