Neue Beratungsangebote geplant

Reinhard Becker (v. l.), Ingun Kiklas-Volkmann und Beate Menius von der Lebensberatungsstelle für Burgwedel, Isernhagen und Wedemark stellten den Jahresbericht 2019 vor. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
In der Lebensberatungsstelle der Kommunen Burgwedel, Isernhagen und Wedemark sind Anmeldegespräche seit dem 4. Juni wieder persönlich möglich. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Lebensberatungsstelle zieht Bilanz: 59 Fälle mehr in 2019

ISERNHAGEN FB (bgp). Am Donnerstag stellte die Geschäftsführerin der Lebensberatungsstelle für Burgwedel, Isernhagen und Wedemark, Ingun Kiklas-Volkmann, den Jahresbericht 2019 vor: „Wir hatten mit 953 Fällen knapp 60 mehr als im Vorjahr.“
Die Ursache für den steigenden Beratungsbedarf sehen sie und ihr Team einerseits in der Zunahme der Probleme, denen sich Familien und Alleinstehende stellen müssen. Andererseits sei positiv zu merken, dass der Bekanntheitsgrad der Beratungsstelle zunehme und „die Bereitschaft wächst, sich auch Hilfe zu holen“, so Therapeutin Beate Menius.
Mit 550 Fällen nimmt die Erziehungsberatung gemäß KJHG (Kinder- und Jugendhilfegesetz) den Hauptteil der Arbeit ein. Familiäre Konflikte (295), Auffälligkeiten im sozialen Verhalten (78) und Entwicklungsauffälligkeiten sowie seelische Probleme (56) sind die drei häufigsten Gründe, warum die Beratungsstelle in Erziehungsfragen aufgesucht wird.
236 Fälle dokumentieren den zweitgrößten Bereich, die Ehe- und Lebensberatung. Als Hauptgründe für die Inanspruchnahme von Ehe- und Lebensberatung zählen Partnerschaftsprobleme (109), Familienprobleme (90) und psychische Symptome oder Probleme (69) sowie Geld- und Arbeitsplatzprobleme (52). In manchen Fällen fielen mehrere Gründe gleichzeitig ins Gewicht.
Die Lebensberatungsstelle setzte bisher auf persönliche Beratungs- und Therapieangebote „von Angesicht zu Angesicht“ in der Isernhagener Beratungsstelle am Lohner Hof und in den Außenstellen der drei Kommunen Burgwedel, Isernhagen und Wedemark.
Telefonisch wurden hauptsächlich Erstanfragen und Terminvergaben erledigt. Mit der Corona-Krise im Frühjahr 2020 und dem damit verbundenen Ausfall der persönlichen Termine erweiterte die Lebensberatungsstelle das Spektrum mit Beratung per Telefon oder Videoschaltung. Diese Möglichkeit werde es auch in Zukunft geben, wenn das normale Therapieangebot wieder laufe, so Kiklas-Volkmann.
Allerdings habe das Präsenzangebot Priorität, betonen die Fachleute: „Man kann sich direkt in die Augen schauen und hat eine bessere Wahrnehmung des Gegenübers.
“Wenn die Verzweiflung groß ist und in einem Telefonat auch mal Tränen fließen, ist das Beratungsgespräch schwieriger zu führen, als wenn die Person vor einem sitzt“, erklärt Beate Menius. Professionelle Kommunikationstechniken kämen dabei nicht immer optimal zum Tragen. Gerade in der Schwangerenkonfliktberatung sei eine persönliche Beratung wichtig und gesetzlich gefordert, so die Therapeutin.
In der Beratung hochstrittiger Paare habe die Video-Variante allerdings auch Vorteile, hebt Therapeut und Mediator Reinhard Becker hervor: „Diese Beratungsform verlangt von den Beteiligten mehr Disziplin, sie müssen besser zuhören und den anderen ausreden lassen.“ Auch bei den „Frühen Hilfen“, der Beratung von Eltern mit neugeborenen Säuglingen und Kindern bis drei Jahre, sei eine Videositzung manchmal hilfreich, da diese nicht den Weg zur Beratungsstelle auf sich nehmen müssten, weiß Kiklas-Volkmann aus Erfahrung. „Wir sehen das als Erweiterung unserer Palette“, fasst Reinhard Becker die neuen Möglichkeiten zusammen.
Unter Einhaltung der aktuellen Hygienevorschriften nimmt die Lebensberatungsstelle ihren Präsenzbetrieb langsam wieder auf. Möglichst bald sollen angelaufene Projekte wie ein Kinder- und Jugendstammtisch oder die Maßnahme „Kinder im Blick“ wieder aufgenommen werden. Zukünftig sollen auch Senioren in den Fokus der Beratungsangebote rücken. Die Lebensberatungsstelle arbeitet außerdem an einer engeren Kooperation mit den Schulen, um dort Jugendlichen oder Fachpersonal beratend zur Seite zu stehen.
Anmeldegespräche in den Kommunen Burgwedel, Isernhagen und Wedemark sind seit dem 4. Juni jeweils am Donnerstag wieder persönlich möglich (Mellendorf um 17.00 Uhr und um 17.30 Uhr, Großburgwedel und Isernhagen um 17.00 Uhr und um 17.45 Uhr). Andere laufende Beratungen sowie Krisenberatungen werden telefonisch oder per Videoschaltung sichergestellt.
Unter bestimmten Bedingungen sind persönliche Beratungskontakte wieder möglich, das Verfahren dazu wird telefonisch abgeklärt. Die Schwangerschaftskonfliktberatung wird unter Einhaltung aller hygienisch möglichen Maßnahmen in der Hauptstelle nach telefonischer Anmeldung persönlich angeboten. Mutter-Kind-Anträge werden telefonisch durchgeführt. Auf der Webseite www.dielebensberatungsstelle.de werden unter „Aktuelles“ die Entwicklungen auf dem neuesten Stand gehalten. Die Lebensberatungsstelle ist unter der Telefonnummer 0 51 39-89 28 28 erreichbar.