Naturfreunde bauen Insektenhotels

Johanna Schürmeyer (r.) und Sohn Philipp (7) bastelten ein Insektenhotel für den heimischen Garten.
 
Atréju (6) war emsig dabei, ein Instektenhotel zu bauen. Hier präsentiert er die ersten gebohrten Baumscheiben und Schilfröhren, die als Nisthilfen dienen.

Große Resonanz auf Bastelaktion des NABU Burgwedel und Isernhagen – Nistangebot für Wildbienenbestände besonders wichtig

ISERNHAGEN FB (bgp). Auf dem idyllisch gelegenen Gelände des Friedenshains in Isernhagen FB tobte am vergangenen Wochenende das Leben. Eltern, Kinder und andere Naturfreunde werkelten, bohrten und schliffen was das Zeug hielt. Der Naturschutzbund Burgwedel und Isernhagen (NABU) hatte zu seiner ersten Bastelaktion für Insektenhotels eingeladen. So konnten die Gäste aus dem Vollen schöpfen, denn die Werkstatt war angefüllt mit Schilfmaterial, Holz, Kisten und Kästen, Baumscheiben und Werkzeug zur Bearbeitung.
Der Bohrstaub rieselt die Werkbank hinunter, als die NABU-Vertreter den Gästen beim Löcher bohren helfen. Die runden Baumabschnitte mit den Bohrungen dienen später als Nisthilfen für Insekten. Der sechsjährige Atréju werkelt gemeinsam mit seiner Mutter an einem Insektenhotel. Eine Holzkiste bildet die Grundlage. Sorgsam hat er seine vorgebohrten Baumscheiben hineingelegt. Nun bearbeitet er die Schilfröhrchen und bringt sie auf die richtige Länge, damit sie nicht zu weit aus dem Kasten herausstehen. „Das macht richtig Spaß“, sagt er und hantiert mit der Konservenbüchse, in der die Schilfröhrchen angeordnet sind. Allerdings mache er auch gerne Elektroarbeiten, betont der angehende Erstklässler.
Johanna Schürmeyer steht mit ihrem Sohn Philipp draußen an einem Werktisch. Der Zweitklässler hilft beim Schneiden und Sägen der Schilfrohre für das Insektenhotel, das er mit seiner Mutter bauen will. Nebenbei passt er auf seine Geschwister auf, damit sie nicht in den großen Wassergraben auf dem Gelände fallen. Die vierfache Mutter hat in ihrem Garten schon einiges für die Artenvielfalt getan: „Wir haben Totholz liegen gelassen und eine Wildblumenwiese eingesät.“ Diese sei leider durch die Trockenheit nicht ganz so erfolgreich gewesen, aber in diesem Jahr wolle sie einen neuen Versuch starten. Bei der Auswahl von Blumen und Sträuchern habe sich die Familie auf möglichst insektenfreundliche und heimische Pflanzen verlegt, das Insektenhotel solle zusätzlich zur Artenvielfalt beitragen, so Schürmeyer.
„In Deutschland gibt es 585 verschiedene Wildbienenarten, deren Bestände gefährdet sind“, erläutert NABU-Mitglied Markus Diedrich-Philippi. Die allseits bekannte Honigbiene hingegen sei in ihren Beständen nicht bedroht, da sich die Imker intensiv darum kümmerten. „Etwa 80 Prozent der Pflanzen werden durch Bienen bestäubt“, betont er die wichtige Rolle der Insekten. Ein Rückgang der Bestände werde auf lange Sicht Probleme bereiten. Die Gefährdung der Bienen sei vor allem auf den Rückgang der Lebensräume und die Ausbringung von Herbiziden ebenso wie Pestiziden zurück zu führen. Zu wenig Blühflächen und die mittlerweile sehr beliebten „Steingärten“ täten das Übrige. Dem möchten die NABU-Aktiven mit der Bastelaktion etwas entgegen setzen. „Insektenhotels sind direkte Nisthilfen, das bringt schon etwas“, so Diedrich-Philippi. Abwechslungsreiche Gärten mit vielen heimischen Blühpflanzen, die möglichst heimischen Ursprungs sein sollten, seien ebenfalls hilfreich. Interessant sei auch die Beobachtung der Bienen: „Man kann sich eine Niströhre zum Beobachten bauen, die mit einem Glas und einer aufklappbaren dunklen Abdeckung versehen ist“, regt er an.
Die nächste Aktion der Naturschützer findet im Vogelschutzgehölz ca. 300 Meter nördlich des Großburgwedeler Bahnhofs statt. Dort wird am Samstag, 20.03.2020, von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr eine Trockenmauer gebaut. Das Programm bis zum Sommer ist auch auf der Webseite unter www.nabu-burgwedel.de zu finden.