Nachwuchs des Naturschutzbundes pirschte am Würmsee nach Fledermäusen

Hans-Jürgen Sessner, in der blauen NABU-Jacke, begrüßte die Gäste und stimmte sie auf das abendliche Fledermauserlebnis ein. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Eine Wasserfledermaus beginnt mit ihrer nächtlichen Jagd nach Insekten. (Foto: NABU)

Gemeinsame Aktion der NABU-Jugend aus Burgdorf, Burgwedel und Wedemark

KLEINBURGWEDEL (hhs). Am Samstagabend um 20.00 Uhr war gewissermaßen „großer Auftrieb“ auf dem Parkplatz nahe der Gaststätte am Würmsee: Hier sollte eine gemeinsame Aktion der Jugendgruppen der drei NABU-Ortsverbände Burgdorf, Burgwedel-Isernhagen und Wedemark beginnen. Nun ist der Würmsee ein idyllischer Ort, zumal in der Dämmerung, doch das Flachgewässer interessierte nur mittelbar: Im Zentrum des Interesses der etwa 50 Kinder und Jugendlichen und in etwa noch einmal einer gleichen Zahl von Eltern standen die Fledermäuse, die insbesondere jetzt im Spätsommer dort über der Wasserfläche nach Insekten jagen.
Die großen und kleinen Naturschützer hatten Glück: Das Wetter spielte gut mit, in der Dämmerung verschwanden die letzten Wolken und der Wind, der über Tag etwas böig aus Südwest geweht hatte, legte sich beinahe vollständig. Man konnte gut sehen gegen den Himmel. Aber noch war es ein wenig zu früh für die Fledermäuse, sie kommen erfahrungsgemäß erst in der letzten Dämmerung. Hans-Jürgen Sessner, Fledermausfachmann vom NABU Burgdorf, wusste sich aber zu helfen, er fragte die Kinder rund um das Thema Fledermäuse aus, unter Einbeziehung spielerischer Elemente, und das tat er derartig geschickt, dass auch die Erwachsenen Begleiter der Kleinen davon in den Bann gezogen wurden.
Anschließend wussten alle, dass Fledermäuse nicht ins Winterquartier nach Afrika fliegen, sondern hier bleiben, sich Höhlen, alte Dachböden oder ausgediente Bunker suchen, um dort im frostfreien Raum mit dickem Winterspeck auf den zarten Rippen auf den kommenden Frühling zu warten. Immer dichter rückten die Eltern an Hans-Jürgen Sessner und die Kinder und Jugendlichen heran, und nun sind Fledermäuse für alle nicht mehr die unbekannten Wesen, die böse Blut saugen und Angst und Furcht verbreiten.
Die meisten der kleinen Besucher kannten Hans-Jürgen Sessner auch schon gut: Der Fledermausexperte des NABU Burgdorf betreut seit einigen Jahren die Fledermausquartiere, die die NABU-Ortsgruppe in den Bunkern des ehemaligen Munitionsdepots zwischen den Ortschaften Thönse und Oldhorst. Die Jugendgruppen sind dort regelmäßig zu Gast, wenn die Fledermäuse die heute nicht mehr genutzten Bunker als Winterquartier nutzen.
Dann ging es los auf die Tour rund um den Würmsee, und die Fledermäuse ließen sich nicht lange bitten. Man konnte sie auf der ersten Hälfte des Weges noch sehr gut sehen, wie sie im Flatterflug mit vielen abruptem Richtungsänderungen hoch oben in der Luft und auch dicht über dem Wasserspiegel nach ihrer Beute jagten. Waren sie weit genug von den Beobachtern entfernt, dann spiegelten sie sich sogar auf dem Wasser und sie konnten die Tiere sehen. Kinder und Eltern waren fasziniert von dem Naturschauspiel.
Als die Gruppe so gut die Hälfte der Nachtwanderung um den Würmsee hinter sich hatte, machten alle Halt an einer Stelle direkt an der Wasserfläche. Nun blitzten die Taschenlampen auf und tauchten die Wasserfläche in ein gespenstisches Scheinwerferlicht. Da tauchten plötzlich Stockenten im Lichtkegel auf und Blesshühner, einige Nilgänse fühlten sich gestört und flüchteten zurück in die Dunkelheit. Die Vögel, die sich zur Nacht in den Schilfgürtel des Sees zurück gezogen hatten, machten mit lautem Piepen ihrem Unmut über den späten Besuch Luft. Zwei oder dreimal war ein gruselig anmutender Schrei aus einiger Entfernung über dem Würmsee herüber zu hören. „Das hört sich an, als würde dort jemand umgebracht“, flüsterte jemand in die Finsternis hinein „Nein“, kam es von einem erfahrenem NABU-Mitglied zurück. „Das war nur eine Schleiereule, die ihren Jungen mitteilt, wo sie sich gerade aufhält“.
Hans-Jürgen Sessner hatte einige Fledermaus-Detektoren mitgebracht und an die Kinder verteilt. Das sind Geräte, mit denen man die für menschliches Gehör unhörbaren Jagdrufe der Fledermäuse hörbar machen kann. Das sich diese Rufe im Ultraschallbereich bei allen Arten deutlich unterscheiden, kann man mit diesen schließlich die Art genau bestimmen, die ihn ausgestoßen hat. In der Dämmerung im Flug ist eine genaue Bestimmung nicht möglich, die Tiere sind zu schnell unterwegs. Die Kinder waren Feuer und Flamme, es ließen sich nur wenige Fledermäuse erfassen. „Aber es sind Wasserfledermäuse gewesen“, erklärte Sessner den Kindern. Dann wechselte die Gruppe noch einmal den Ort, um am anderen Ufer vielleicht einige Tiere mehr in den Bereich der Detektoren zu bekommen. Auch hier waren einige Exemplare zu sehen, aber weitaus weniger, als man zuvor gedacht hatte.
Aber das war offenbar nicht so wichtig. Hier hatten die NABU-Jugendorganisationen aus Burgwedel-Isernhagen, Burgdorf und der Wedemark eine Lanze gebrochen für die kleinen nächtlichen Flieger, und sie hatten ihre Rufe gehört, was sonst nur wenigen Menschen vergönnt ist. Und alle haben gelernt, dass Fledermäuse Gutes tun: Sie fressen Insekten in großer Zahl, meistens Mücken, die nachts umherschwirren, und sie sind es wert, dass man ihnen eine Überlebenschance bietet, insbesondere mit Winterquartieren für die kalte Jahreszeit.