„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“

Stadtbrandmeister Ingo Motl (r.) beförderte Michael Busch zum Oberlöschmeister. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Unmut bei der Jahreshauptversammlung: Die Entscheidung des Feuerschutzausschusses gegen eine Drehleiter kann Ortsbrandmeister Carsten Rüdiger (stehend) „nicht nachvollziehen“. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Ortsbrandmeister Rüdiger übt Kritik und will sich weiter für eine Drehleiter einsetzen

Von Bettina Garms-Polatschek

GROSSBURGWEDEL. Ortsbrandmeister Carsten Rüdiger berichtete auf der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Großburgwedel von einem „gefühlt ruhigen Jahr“ 2018.
Trotz der langen Hitze- und Trockenperiode hätten die 73 Aktiven nur relativ wenig zu Waldbränden ausrücken müssen. Insgesamt 93 Einsätze wurden im vergangenen Jahr geleistet, davon 47 technische Hilfeleistungen und 46 Brände. „Zum Glück hatten wir keinen Großbrand“, fasste Rüdiger das Einsatzgeschehen zusammen und verwies auf insgesamt 15.079 Stunden, die von sämtlichen Zügen und Gruppen in 2018 geleistet wurden. „Das sind 1.885 Arbeitstage“, schloss Rüdiger seinen statistischen Bericht und lenkte den Abend auf weniger ruhiges Fahrwasser.

Drehleiter bleibt Thema

Die Aufmerksamkeit der erstaunten Versammlung war Rüdiger gewiss, als er ein Urlaubsfoto aus Norwegen zum Auftakt eines Themas präsentierte, das die Feuerwehr bereits in der Vergangenheit sehr beschäftigt hat: Die Beschaffung einer Drehleiter.
Im August 2018 wurde in der Sitzung des Feuerschutzausschusses ein entsprechender Antrag des Stadtkommandos von der CDU-/FDP-Mehrheit abgelehnt. Die Nachricht habe ihn in seinem Norwegen-Urlaub völlig unvorbereitet getroffen, berichtete Rüdiger. Danach sei an Erholung nicht mehr zu denken gewesen, denn diese Entscheidung könne er als Ortsrandmeister „nicht ganz nachvollziehen“.
Der Feuerwehrchef zitierte aus der Sitzung vorgebrachte Argumente gegen die Drehleiter. Da seien Vergleiche mit den Kommunen Uetze, Nienburg und Hoya angeführt worden, die ohne Drehleiter auskämen. Der Vergleich erschien ihm nicht plausibel, ebenso die Ansicht, dass sich in den letzten 30 oder 40 Jahren in Burgwedel baulich nichts verändert haben sollte.
„Wie man die Tatsachen so verdrehen kann, wie es hier gemacht wurde, finde ich unglaublich“, machte Rüdiger seinem Ärger Luft. In Uetze gebe es weder ein Krankenhaus noch Industrie, hielt er mit Blick auf die Gebäudeklassen in Großburgwedel entgegen, die mit einer Höhe bis zu 13 Meter in der Klasse 4 liegen.
Außerdem sei sich in der damaligen Sitzung auf den Feuerwehrbedarfsplan berufen worden, der als „Richtschnur des Handelns“ die Anschaffung einer Drehleiter angeblich nicht vorsehe, wetterte er. „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, fasste Rüdiger zusammen und verdeutlichte, dass dieses Thema für die Feuerwehr noch nicht abgehakt ist.
Stadtbrandmeister Ingo Motl unterstrich die Notwendigkeit einer Drehleiter, da die Nachbarkommunen Altwarmbüchen, Burgdorf, Langenhagen und Wedemark zwar aushelfen würden, jedoch mindestens 17 Minuten bis Großburgwedel bräuchten. Gerade wegen der schnellen baulichen Entwicklung in den Gewerbegebieten gehe es um die Sicherheit in der Stadt. Motl vertraut jedoch darauf, dass die Notwendigkeit für eine Drehleiter in den nächsten Jahren „gesehen wird“.
Diesen Wunsch hegt auch der Vorsitzende des Feuerschutzausschusses Matthias Tote (SPD), der sich gegen parteipolitischen „Kleinkrieg“ aussprach. Er würde sich freuen, wenn er schon im nächsten Jahr die Anschaffung einer Drehleiter verkünden könne, schloss er das Thema, zu dem sich weder Stadtbürgermeister Axel Düker noch Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller in ihren Ansprachen äußerten.

Wahlen und Ehrungen

Als einziger Kandidat für die Wahl des stellvertretenden Ortsbrandmeisters stand Amtsinhaber Tibor Biczok auf der Liste. In einer geheimen Wahl bestätigte ihn die Mehrheit in seinem Amt für die nächsten sechs Jahre. Freude herrschte beim musikalischen Leiter des Feuerwehrmusikzuges Ralf Rothausen. Er wurde zum „Feuerwehrmann des Jahres“ gewählt und musste sein Dirigat kurzfristig unterbrechen, um vorne seine Ehrung entgegen zu nehmen.
Sophie Wöhler und Enja Languth wurden von Carsten Rüdiger zur Feuerwehrfrau ernannt, Florian John, Fabian Eggert, Jan Voltmar und Sven Wimmer zum Feuerwehrmann. Zum Oberfeuerwehrmann wurden Rainer Siems, Marian Jegust, Martin Schaper, Niclas Gisa, Frederik Jung und Holger Raddatz ernannt. Eddy Dorendorf und Franziska Saal freuten sich über ihre Ernennung zur Oberfeuerwehrfrau, Roy Diers wurde Hauptfeuerwehrmann und Thomas Klinge 1. Hauptfeuerwehrmann.
Stadtbrandmeister Ingo Motl beförderte Michael Busch zum Oberlöschmeister. Jörn Neber wurde zum Brandmeister ernannt und bekam ebenso wie Oberlöschmeister Karsten Muth das Niedersächsische Feuerwehrehrenzeichen für 25 Jahre aktiven Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr überreicht. Peter Dudeck wurde für seine besonderen Verdienste mit der Ehrennadel des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen ausgezeichnet.