Musik hilft heilen: Gelungene Premiere von „Klassik in der Klinik“

Die Sopranistin Tina Cowland und der Gitarrist Andy Cowland eröffneten mit Kammermusik die Konzertreihe „Klassik in der Klinik“. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Tina und Andy Cowland boten Kammermusik mit Sopran und Gitarre

GROSSBURGWEDEL (hhs). Es war eine Premiere am vergangenen Sonntag, das erste Konzert im Rahmen einer Aktion, die sich „Klassik in der Klinik“ nennt und in der Cafeteria des Regionsklinikums in Großburgwedel stattfand.
Dass Musik dem Genesungsprozess kranker Menschen eher dienlich als abträglich zu sein gilt, ist eine alte Weisheit. Der Verein „Klassik in der Klinik“ hat diese aufgenommen und nun mit einem ganz besonderen und außergewöhnlichen Konzert mit neuem Leben erfüllt: Zu Gast im Krankenhaus Großburgwedel waren Tina Cowland und Andy Cowland, sie eine begnadete Sopranistin, er der Maestro an der Gitarre. Auf dem Programm Kammermusik in großer Bandbreite von Franz Schuberts „Heideröslein“ über Werke von Manuel de Falla und Mauro Giuliano bis hin zu den Bachianas Brasilieiras von Villa-Lobos und „Piece en forme de Habanera“ von Ravel.
Rund 30 Gäste hatten sich eingefunden, um dieses Ereignis mit zu erleben. Der ärztliche Direktor der Klinik, Prof. Leititis, begrüßte die Besucher herzlich, und dann waren ohne weitere große Worte die beiden Künstler an der Reihe. Tina Cowland begeisterte von Beginn an mit ihrem klaren Sopran, dem es nicht an stimmlicher Fülle mangelte und der jeder Anforderung auch höchster Lagen vollauf gewachsen war. Zu Beginn das „Heidröslein“, Schuberts und der Deutschen wohl bekanntestes romantisches Lied, wir kennen es beinahe ausnahmslos in Begleitung eines Klaviers. Die Gitarrenbegleitung war einige Takte lang ungewöhnlich fürs Ohr, dann aber, nach dieser Gewöhnungsphase, unterstrich auf beeindruckende Weise das romantische Thema. Andy Cowland vollbrachte dieses Kunststück mit großer Gelassenheit aber höchster Präzision.
Besonders hervorzuheben die Interpretation der „Bachianas Brasileiros No. 5“ von Heitor Villa-Lobos. Der Komponist hatte diese Stück zunächst für Sopran und Cello geschrieben, es später auch für Gitarre umgearbeitet. Musikfreunde ganz unterschiedlicher Richtung werden sich an Interpretationen des London Philharmonic Orchestra erinnern, oder an die von Nana Mouskuri Ende der sechziger Jahre. Hier zeigte der junge Gitarrist, dass er zu den Großen seiner Zunft gehören will.
Höhepunkt aber war „Piece en forme de Habanera“ von Maurice Ravel. Dieses Stück in der Form einer Habanera verfügt über keinen Text. Tina Cowland hatte also „nur“ Töne zu singen. Ihre Stimme ersetzte die melodietragenden Instrumente, während die Gitarre den Rhythmus des zwei-Viertel-Taktes vorgab. Den beiden gelang damit eine ausgesprochen stark emotionale Interpretation des als sehr schwierig geltenden Stücks, das ging unter die Haut und sorgte für beinahe schon andächtig ehrfürchtigen Beifall für die beiden jungen Künstler.
In der Konzertpause hatte Manfred Günther, Mitbegründer des Vereins, „Klassik in der Klinik“ vorgestellt: Der Verein fördere junge Musikerinnen und Musiker, die sich im Rahmen ihrer musikalischen Ausbildung in sozialen Einrichtungen engagieren wollen, indem sie dort Konzerte aus den Bereichen Klassik und Jazz geben. Die Musiker erhielten damit die Chance, den Vortrag ihres musikalischen Könnens vor Publikum zu üben. Für Patienten, Besucher und Krankenhauspersonal böten die Konzerte Abwechselung, Bereicherung und positive Anregung während des Krankenhausaufenthaltes und Klinikalltags. „Das Hören von Musik gemeinsam mit anderen Menschen, auch von außerhalb der Klinik, kann positiv auf die Patienten wirken und deren Heilungsprozess unterstützen“, sagte Günther. Was der Seele gut tue, tue auch dem Körper gut. „Unser Anliegen ist es, mit unseren Konzerten kranken Menschen, aber auch allen anderen, eine heilsame Pause zu ermöglichen. Wir wollen dazu beitragen, dass alle, die zuhören, neue Kräfte schöpfen können, um die Beschwernis von Krankheit und Alltag besser bewältigen zu können“.