Mopedführerschein mit 15: Eltern und Polizei sorgen sich um Sicherheit der Burgwedeler Jugend

ugendliche ab fünfzehn Jahren sollen bald Mopeds mit einer Geschwindigkeit von bis zu 45 km/h fahren dürfen. (Foto: Sina Balkau)

Gesetzesvorhaben der Regierung wird massiv kritisiert

BURGWEDEL/BERLIN (sib). Wenn es nach der schwarz-gelben Regierungskoalition geht, dürfen bald schon Fünfzehnjährige auf Mopeds und Quads durch die Gegend fahren – und das mit 45 km/h. Trotz massiver Warnungen diverser Experten hat der Bundestag das Gesetz, das das Mindestalter für die Führerscheinklasse AM von 16 auf 15 Jahre herabsetzt, in der vergangenen Woche auf Empfehlung des Verkehrsausschusses verabschiedet. Doch die Kritik wird immer lauter, auch in Burgwedel machen sich Eltern und Ordnungshüter Sorgen um die Sicherheit der Jugendlichen.
Um ein zweirädriges Kleinkraftrad mit einer Geschwindigkeit von bis zu 45 km/h steuern zu dürfen, müssen Jugendliche derzeit mindestens sechzehn Jahre alt sein. Fünfzehnjährige können auf das Mofa mit 25 km/h zurückgreifen. Ein Gesetzesentwurf zur Neuordnung der Führerscheinklasse AM – der so genannten Mopedklasse – soll das nun ändern: Künftig sollen schon Fünfzehnjährige mit der höheren Geschwindigkeit über die Straßen Deutschlands rollen dürfen, auf dem Moped und dem Quad, einem vierrädrigen Leichtkraftfahrzeug. „Wir wollen damit die Stärkung der Mobilität junger Menschen erreichen“, sagte Dennis Schmidt-Bordemann, persönlicher Referent des FDP-Bundestagsabgeordneten und verkehrspolitischen Fraktionssprechers Patrick Döring, am Dienstag gegenüber den Burgwedeler Nachrichten.
Das ist Musik in den Ohren vieler Jugendlicher aus den Ortsteilen der Stadt Burgwedel. Sich nur auf den Bus oder auf das Fahrrad verlassen zu können, ist für die meisten von ihnen ein lästiger Nebeneffekt des Lebens in einer Kleinstadt. „Ich würde den Mopedführerschein sofort machen, dann könnte ich auch mal nach Langenhagen fahren. Ein Mofa ist viel zu langsam, da bin ich ja mit dem Fahrrad fast schon schneller“, meint zum Beispiel der fünfzehnjährige Tom aus Großburgwedel.
Im Gegensatz zu ihren Sprösslingen denken Eltern zuallererst an die Gefahren, in die sich ihre Kinder durch das neue Mopedgesetz bringen könnten. „Fünfzehnjährige befinden sich mitten in der pubertären Phase, in der sie ständig ihre Grenzen austesten wollen, leichtsinnig sind und sich auch gerne überschätzen“, so Toms Mutter „ich finde das einfach zu gefährlich.“
Claus-Dieter Grossmann, Verkehrssicherheitsexperte des Polizeikommissariats Großburgwedel, teilt ihre Bedenken. „Ich sehe ja tagtäglich in meiner Arbeit, dass viele Jugendliche nicht einmal mit einem Fahrrad verkehrsgerecht umgehen können“, berichtete Grossmann. Mit dem Jugendalter gingen Selbstüberschätzung, Leichtsinn und fehlende Erfahrung einher. In Kombination mit der hohen Geschwindigkeit führe das „sicherlich zu schweren Unfällen“, befürchtet der erfahrene Polizist.
Trotz der Einwände der Experten ist man im Berliner Büro des niedersächsischen Bundestagsabgeordneten Patrick Döring nach wie vor von dem Vorhaben überzeugt. „Im Jahr 2009 war die Hauptursache für Unfälle von jugendlichen Fahranfängern nicht etwa unangepasste Geschwindigkeit, sondern einfache Verhaltensfehler, wie etwa missachtete Vorfahrtsregeln“, erklärte Dörings Referent Dennis Schmidt-Bordemann. Diese Fehler sollten zukünftig reduziert werden, indem eine umfangreichere und bessere Fahrausbildung gewährleistet werde: Bisher benötigten Jugendliche bloß eine 90-minütige praktische Einweisung, um am motorisierten Individualverkehr teilnehmen zu können. Nach der jetzigen Planung solle die Altersabsenkung mit der Pflicht zu einem mindestens 18-stündigen theoretischen Grundunterricht, plus einem dreistündigen klassenspezifischen Zusatzunterricht sowie einem praktischen Ausbildungsteil einhergehen.
Die niedersächsische SPD-Bundestagsabgeordnete Caren Marks sieht jedoch ebenso wie Claus-Dieter Grossmann eine Hauptgefahr in der Geschwindigkeit. Sie hält es für unverantwortlich, dass die Altersklasse zwischen vierzehn und sechzehn, die von hoher Risikobereitschaft gekennzeichnet sei, bald mit 45 km/h durch die Gegend fahren dürfe. „Die Regierung zeigte sich völlig beratungsresistent“, so die jugendpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion.
Die massiven Sicherheitsbedenken der Fachleute und das enorme Medieninteresse an dem umstrittenen Thema scheinen nun aber doch nicht ganz wirkungslos gewesen zu sein: Diversen Medienberichten zufolge will Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) die Planungen noch einmal ganz genau überprüfen, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen werde.