Mit Waldbrandwarnstufe 5 ist die höchste Gefahrensituation erreicht

Der Schein trügt: Raps steht zwar in voller Blüte, aber wenn es weiter so trocken bleibt, wird er nur schwache Erträge bringen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Schwere Schäden beim Raps befürchtet/Trockenheit hält weiter an

BURGWEDEL/ISERNHAGEN (hhs). Das Niedersächsische Landvolk schimpft seit Mitte vergangener Woche, die Bauern haben damit schon im vergangenen Herbst begonnen: Die Rapsernte steht auf dem Spiel. Jetzt ist es zu trocken, die Ölpflanze steht in voller Blütenpracht, aber es fehlt ihr an Feuchtigkeit. Bleibt der Regen weiter aus, entwickeln sich die Körner in den Schoten schlecht oder gar nicht. Ernteverluste von 30% werden befürchtet.
Im Herbst nach der Aussaat des Winterrapses gab es Wasser im Überfluss und dann wurde es obendrein viel zu kalt für den Raps. Die Pflanzen gingen schon geschwächt in den Winter. Nun fehlt das Wasser, nicht nur beim Raps, auch beim Getreide und im Wald: Im Nachbarkreis Celle gilt die Waldbrandwarnstufe 5, ab Montag dieser Woche sind die Feuerwehrflugzeuge wieder in der Luft, um Waldbrände frühzeitig zu erkennen. Die Feuerwehr in Bereich Lüneburg hatte ihren Flieger auch über die Osterfeiertage in der Luft: Zwei Brände pro Tag haben sie entdeckt...
Es war eigentlich ein Bilderbuchfrühling in Norddeutschland, wie er besser für die Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht sein konnte. Man konnte recht früh die Vorteile von Terrasse und Garten genießen, erster Grillabend schon weit vor Ostern, kein Tropfen Regen, allenfalls noch leichter Nachtfrost hier und da. Die Landwirte sahen das mit großer Sorge. Ab Anfang April wurden die Beregnungs-Anlagen in Gang gesetzt und mancherorts haben die Bauern damit noch nicht aufhören können. Die leichten Sandböden speichern kaum Wasser, der trockene Ostwind trägt es obendrein davon und wenn die schweren Feldbarbeitungsmaschinen über die Äcker fahren, dann weht der halbe Acker als riesige Staubfahne hinter dem Schlepper her.
„Mairegen auf die Saaten, dann regnet's im Herbst Dukaten“, so lautet das Sprichwort der Bauern für die ideale Wetterlage in Süddeutschland, ganz ähnlich des hier gebräuchlichen, aber etwas dezenteren: „Wird der Mai schön kühl und nass, füllt er dem Bauern Schauer und Fass“. Wen man auch anspricht auf dem Lande, man stößt auf die gleichen Erwartungen: „Es müsste mal wieder regnen, am besten ein ordentlicher Landregen“, sagen die Menschen. Zum einen, um in Bezug auf die Rapserne noch zu retten, was noch zu retten ist, zum anderen der sinkenden Grundwasserstände wegen. Doch Regen, insbesondere ein starker Landregen, ist noch lange nicht in Sicht: Die Wetterdienste sagen für die zweite Wochenhälfte zwar einen leichten Temperaturrückgang und etwas Bewölkung. Die sogenannte „Regenwahrscheinlichkeit“ liege aber deutlich unter 50 %.
Vielerorts hat es das letzte bemerkenswerte Regenschauer in der ersten Märzhälfte gegeben. Dieses Frühjahr hat die Trockenheit Ausmaße erreicht, dass an einigen Orten Bäume ein starkes Schadbild aufweisen. Selbst Erlen haben Schwierigkeiten, ihr Laub zu schieben. Wie ein Bild des Jammers stehen sie da.
Ob in der vergangenen Nacht irgendwo doch ein Schauer oder Gewitter niedergekommen würde, darüber waren sich die Wetterfrösche bei Redaktionsschluss noch nicht einig, es bestand zumindest eine vage Möglichkeit. Die nächste leichte Chance auf Regen besteht am Donnerstag.
Unterdessen warnen die Behörden, dass die Waldbrandgefahr im Norden mit jedem Sonnentag bedrohlich ansteige, woran auch ein leichtes Schauer nichts grundlegend verändern wird. Schon seit Anfang März darf landesweit in der Nähe von Wald, Moor und Heide kein Feuer entfacht werden. Auch das Rauchen ist dort bis Ende Oktober untersagt. Wander- und Reitwege dürfen nicht verlassen werden, sonst drohen Bußen von bis zu 5000 Euro. Autos mit Katalysator dürfen nur so geparkt werden, dass die heißen Filter am Boden keine Brände auslösen können.