Mit Mut und Unterstützung in ein Leben ohne Sucht

Christa Wenning, Ilse Bremer und Barabara Tillmann (vorn v.l.n.r.) wurden für ihr Engagement ausgezeichnet und freuten sich mit Dr. Hendrik Hoppenstedt, Wolfgang Tillmann, Bettina Wulff, Otto Bahlo und Detlef Mann über 25 Jahre Selbsthilfegruppe. (Foto: Anna Kentrath)

Suchtkrankenhilfe Burgwedel feierte 25-jähriges Bestehen

GROßBURGWEDEL (ak). Alkoholkonsum ist in unserer Gesellschaft fester Bestandteil des Alltags, sei es nun ein abendliches Bier, der Weingenuss mit Freunden oder größere Feierlichkeiten mit Sekt zum Anstoßen. In Maßen ist dagegen nichts einzuwenden, doch was passiert, wenn der Weg in die Sucht führt, aus der man ohne Unterstützung nicht mehr heraus findet? Die Suchtkrankenhilfe Burgwedel leistet lebensrettende Unterstützung für Alkohol- und Medikamentenabhängige bereits seit 25 Jahren. Anlässlich des Jubiläums fanden sich in der Seniorenbegegnungsstätte in Großburgwedel Betroffene, Angehörige sowie Gäste aus Politik und Gesellschaft ein, um dies gebührend zu feiern.
Der Vorsitzende des Vereins „Freie Selbsthilfegruppe Wettmar e.V. für Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit“, Wolfgang Tillmann, hieß Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt, den Ortsbürgermeister von Großburgwedel, Otto Bahlo, sowie Bettina Wulff, Ehefrau des Ministerpräsidenten Christian Wulff, herzlich willkommen. „Was passiert wenn man seinen Alkoholkonsum nicht in den Griff bekommt?“, stellte Tillmann als Frage in den Raum und verwies auf die Hilflosigkeit der Angehörigen im Umgang mit einem abhängigen Familienmitglied, da der Betroffene selbst den Willen zum Weg aus der Sucht finden müsse.
„Leben statt abhängig sein“ laute der Wahlspruch der Gruppe, so der Vorsitzende des Vereins und gab damit das Wort an Dr. Hendrik Hoppenstedt, der ebenfalls auf die zerstörerische Wirkung dieser Suchterkrankung hinwies, die „oftmals ganze Familien in wirtschaftliche Not“ führe, häufig Verhaltensänderungen des Suchtkranken mit sich bringe und ganze Familien daran zerbrechen lassen würde. Der engagierten Arbeit der Selbsthilfegruppe sei es zu verdanken, dass „einmal erzielte Erfolge über Jahre, Jahrzehnte anhalten“. „In der Gesellschaft müsse ein Umdenken geschehen“, so Hoppenstedt weiter, insbesondere was bereits den hohen Alkoholkonsum vieler Jugendlicher angehe. Abschließend bat er die Betroffenen, als Botschafter zu fungieren.
Bettina Wulff konfrontierte die Anwesenden mit einigen erschreckenden Zahlen, die aufzeigten, wie verbreitet Alkoholsucht in Deutschland ist und betonte, dass die Selbsthilfegruppe eine „unschätzbare Hilfe“ leisten würde, um zurück in ein geregeltes Leben zu finden. „Wir alle brauchen dieses Engagement“, unterstrich sie nachdrücklich.
Als „Mann der ersten Stunde“ ergriff schließlich Adalbert Neugebauer das Wort, der als Therapeut den Gründer des Vereins, Lutz Mattheis, vor 27 Jahren in der Medizinischen Hochschule Hannover kennenlernte. Er hatte Mattheis darin bestärkt, eine eigene Gruppe zu gründen, da dieser sich damals mit bereits bestehenden nicht identifizieren konnte. Zu der bestehenden wöchentlichen Gruppe, so Neugebauer, sei vor 20 Jahren auch noch eine spezifische Frauengruppe hinzugekommen, die einmal im Monat zusammen finden würde. Viele der Betroffenen hätten im Laufe der Jahre Ausbildungen zu Suchtberatern sowie Suchtkrankenhelfern absolviert, um ihre Erfahrungen an andere weiter geben zu können.
Für ihr langjähriges Engagement wurden schließlich Barbara Tillmann, Ilse Bremer sowie Christa Wenning geehrt. Die stellvertretende Vorsitzende Barbara Tillmann bedankte sich für das Vertrauen, dass die einzelnen in die Gruppe bringen würden, beurteilte die 25 Jahre Suchtarbeit „als mal mehr und mal weniger erfolgreich“ und schloss resümierend: „Ich bin durch die Gruppe zufrieden, fröhlich und trocken.“
Nicht nur Betroffene bedürfen der Unterstützung durch eine Selbsthilfegruppe, auch Angehörige sind in der „Selbsthilfegruppe Wettmar e.V. für Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit“ willkommen, die sich montags in der Zeit von 19.00 bis 21.00 Uhr in der Seniorenbegegnungsstätte Gartenstraße 10 in Großburgwedel zusammen findet.