Mit der Sommerhitze beginnt auch die Brunftzeit des Rehwildes

Der junge Bock hat mitbekommen, dass der ältere in der Nähe ist: Vorsichtig lauscht er und schaut in die Runde.... (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
...und dann ist der ältere, hinten, plötzlich da und die wilde Hatz beginnt. Zwischen den beiden Fotos liegen etwa 60 Meter und fünf Sekunden. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Kraftfahrer müssen mit plötzlich auftauchenden Rehe rechnen

BURGWEDEL (hhs). Zweimal im Jahr werden überdurchschnittlich viele Rehe Opfer des Straßenverkehrs, einmal in der Zeit von Mitte März bis Ende April, zum Zweiten Mitte Juli bis etwa Mitte August. Die Ursache dafür ist in beiden Zeiträumen, dass die Rehe den gesamten Tag über sehr aktiv werden. Die Jäger drücken das so aus: „Es ist wieder Bewegung ins Rehwild gekommen“.
Im ersten Zeitraum, im Frühjahr, besetzen die Rehböcke ihre Territorien, ihr Revier, und da gehört es dazu, dass sie jeden anderen Bock aus ihrem Besitz vertreiben. Das beginnt mit einem Imponiergehabe der Böcke: Dringt ein fremder Bock ein, dann erhebt sich der „Revierinhaber“, fegt mit seinem Gehörn einen Busch oder irgendetwas, was aus dem Bewuchs der Wiese oder Weide hervorragt. Dann plätzt er noch mit seinen Läufen, dass die Grasbüschel fliegen und stolziert mit aufgeblähten Nüstern an den Eindringling heran. Der präsentiert sich ebenfalls und beobachtet den Platzhalter. Je näher dieser herankommt, desto stärker und schneller verlässt den meistens jüngeren Bock der Mut und er flüchtet. Der alte Bock schießt wie von der Sehne geschnellt hinter ihm her, hetzt ihn ein paar hundert Meter weit und lässt sich dabei von nichts und niemanden abhalten. Weder Straße und Verkehr, Hindernisse, die Tiere nehmen bei der wilden Jagd und Flucht nichts um sich herum wahr.
Sie tauchen wie aus dem Nichts im fließenden Verkehr auf, insbesondere in waldreichen Gegenden. Von der bisher geschilderten Vorgeschichte bekommt man als Kraftfahrer nichts zu sehen: Der erste Bock flüchtet über die Fahrbahn, man bremst ab, beschleunigt wieder und erfasst den Zweiten. Niemals bitte dem Tier ausweichen. Der Schaden am Fahrzeug nach einem Zusammenprall mit Rehwild hält sich meistens in Grenzen. Wer Kasko versichert ist, muss nur mit der vereinbarten Selbstbeteiligung rechnen. Wer ausweicht, läuft Gefahr, Totalschaden und Verletzungen in einem Graben oder an einem Baum zu erleiden.
Jetzt im Juli beginnt die zweite Phase von „Bewegung“ beim Rehwild. Die Brunftzeit beginnt in Wald, Feld und Flur. Und sie beginnt um so stärker und heftiger, je höher die Temperaturen steigen. Wie geprickt sind die alten Böcke nun, wenn ein Nebenbuhler sich in ihrem Territorium sehen lässt, insbesondere dann, wenn eine Rehdame ihres Herzens schon in der Nähe ist. Die wilde Jagd, wie oben beschrieben, beginnt, nur noch viel stärker. Wer das Herz seiner Liebsten erobern will, sollte potentielle Konkurrenten möglichst weit und eindrucksvoll verscheuchen.
Aber auch bei der eigentlichen Rehbrunft spielt Aktivität eine große Rolle. Nähert sich der Bock der Ricke, dann zieht diese zunächst vor ihm weg. Der Bock bewindet ihre Fährte, stellt fest, dass sie paarungsbereit wird und folgt ihr. Sie wird immer schneller, flüchtet anfangs kokett, dann im wilden Galopp. Der Bock nimmt dieses Liebesspiel an und bleibt immer wenige Meter wenn nicht gar nur wenige Zentimeter an ihr dran. Auch dabei nimmt diese an sich vorsichtige und scheue Wildart keinerlei Einflüsse von außen wahr und wird häufig zur Ursache von Verkehrsunfällen.
Deswegen bitte in den kommenden Wochen überall auf den Landstraßen mit plötzlich auftauchendem Rehwild rechnen, insbesondere dort, wo Wald direkt an die Straße grenzt. Hier hat man als Kraftfahrer keine Chance, außer mit gedrosselter Geschwindigkeit zu fahren. Man denke immer daran: Wer 100 Km/h fährt, legt 27,77 Meter in der Sekunde zurück. Da gibt es kaum noch Chancen auszuweichen oder abzubremsen.