Mit der „Knack- und Backtechnik“ gegen zwei Angreifer

Bedrängt: Annika Heise ist der „Star“ bei der ganz besonderen Judo-Trainingseinheit am Kampfsporttag. (Foto: Svenja Steinseifer)

Kampfsporttag zum 100-jährigen Bestehen der TS Großburgwedel mit Annika Heise

GROSSBURGWEDEL (svs). Judo und Ju-Jutsu – beides Kampfsport mit japanischem Ursprung. Unterschiedlicher können die Techniken jedoch kaum sein und dennoch haben sie das Wichtigste gemeinsam: Sie machen Spaß und sie machen stark – innerlich und äußerlich.
Das Mädchen fackelte nicht lange. Ein Schlag, ein Tritt und zack – der männliche Angreifer in schwarzer Lederjacke und Trainingshose lag auf der Matte. Eindrucksvoll zeigten die Ju-Jutsu- und Judo-Abteilungen der Turnerschaft Burgwedel am Kampfsporttag am vergangenen Sonntag ihr Können. Nicht nur, dass der Angreifer um etliche Jahre älter und stärker als das „Opfer“ ist, er ist auch größer und heißt Peter Fröhlich, Abteilungsleiter Ju-Jutsu.
„Ju Jutsu ist eine moderne Selbstverteidigungstechnik“, erklärte Fröhlich, „leicht erlernbar und äußerst effektiv!“ Mit Schlag-, Stoß-, Hebel- und Wurftechniken setzen sich Ju-Jutsu Sportler gegen ihre Gegner durch. Waffenlos. Und schnell. Im Gegensatz zu Judo ist Ju-Jutsu auf gezielte und effektive Abwehr gegen Angriffe ausgelegt. Eine Kampfkunst, die sich in Japan über Jahrhunderte entwickelt und in den 60-iger Jahren in Deutschland etabliert hat. Seit etwa 30 Jahren trainiert Peter Fröhlich die japanische Kampfkunst, die vor allem das Selbstvertrauen stärkt. „Angreifer suchen sich immer schwache Opfer aus“, sagte er, „und es macht eine Menge aus, wenn man eine Konfliktsituation von vorne herein durch Ausstrahlung entschärfen oder sogar vermeiden kann!“
Um innere Stärke geht es auch beim Judo. „Kraft und körperliche Fitness allein machen noch keinen guten Judoka“, erläuterte Benjamin Kossmann, Abteilungsleiter Judo. Wörtlich übersetzt, bedeutet Judo „der sanfte Weg“. „Der gute Judoka tut nicht mehr als er tun muss, um zum Sieg zu kommen“, berichtete Kossmann und sprach dabei nicht von Bequemlichkeit, sondern von Pfiffigkeit.
Wie das auf olympischem Niveau funktioniert, demonstrierte Annika Heise. Mit sechs Jahren verfiel die jetzt 25-Jährige dem Judo-Sport und erkämpfte sich viele internationale Erfolge. Dafür trainiert die Bundespolizistin jeden Tag mehrere Stunden am deutschen Olympia-Stützpunkt. „Es ist vielleicht auch ein bisschen mein Job“, räumte die Sportlerin ein, „aber zwischendurch ist es immer wieder echt geil!“ Aber das Highlight fehlt ihr noch: Der Titel der Deutschen Meisterin. „In der Mannschaft habe ich schon oft gewonnen“, sagte sie, „aber im Einzel ist es wie ein Fluch!“
Für die Kinder ist Annika Heise so etwas wie eine „Highclass Fußballspielerin“. Und während die Judokas Schlange standen, um ein Autogramm zu ergattern, wehrte sich Peter Fröhlich mit der „Knack- und Backtechnik“ gleich gegen zwei Angreifer. „In einer solchen Situation kann man sich nicht lange mit einem aufhalten“, erklärte der 56-jährige und schickte Gino Meske kurzerhand auf die Matte. Ketten, Messer, Pistole – gezielt und routiniert blockte er alle Attacken ab.
Kampfsport ist auch Persönlichkeitsbildung – das gilt für Ju-Jutsu genauso wie für Judo. „Die Kombination von Kraft, Koordination und Konzentration macht Judo aus“, brachte Kossmann seine Faszination auf den Punkt, „schlau und gezielt den richtigen Weg zu gehen – darauf kommt es an.“ Benjamin Kossmann selbst trägt den schwarzen Gürtel – den Meistergrad beim Judo. Peter Fröhlich hat sich den 2. Dan - ebenfalls einen Meistergrad - erkämpft.
Während beim Ju-Jutsu auch Elemente aus dem Aikido (Hebel- und Wurftechniken) und Karate (Schläge und Tritte) mit einfließen, wird beim Judo nicht getreten. Auch das Ziel ist jeweils ein anderes – Judo ist auf Sportlichkeit und Ju-Jutsu auf Verteidigung ausgelegt. Aber manches haben die so verschiedenen Kampfkünste dann doch gemeinsam: Sie sind vielseitig und machen stark. „Das Leuchten der Kinderaugen ist für mich die schönste Motivation“, sagte Kossmann.
Weitere Informationen und Ansprechpartner unter judo@tsg-info.de oder jujutsu@tsg-info.de. Trainingszeiten und weitere Kontaktdaten gibt es unter www.tsg-info.de.