„Messen und Wiegen im Lauf der Zeit“ - in keiner Weise ein „trockenes“ Thema

Matthias Wesslowski (rechts) erheiterte die Besucher mit dem „Google-Hupf“, gebacken in der Kochmütze, jede Zutat mit eigenem Gewicht. (Foto: Renate Tiffe)
 
Auch Biergläser sind Hohlmaße verschiedener Größe wie die Vorsitzende Inge Hanslik (rechts) Besuchern erläutert. (Foto: Renate Tiffe)

Jahresausstellung im Wöhler-Dusche-Hof – Auftakt mit Witz und Zauberei

ISERNHAGEN NB (ti). Einen solchen Auftakt zu einer Jahres-Ausstellung hat es bisher noch nicht im Bauernhaus-Museum Wöhler-Dusche-Hof gegeben. „Ein gerüttelt, gestrichen oder gehäuftes Maß“ – ist das diesjährige Motto, unter dem das „Messen und Wiegen im Lauf der Zeit“ zum Thema  gemacht wurden. Nach den einführenden Worten der neuen Vorsitzenden, Dr. Inge Hanslik,  machte ein Unterhaltungskünstler klar, wie ein Sachverhalt dieser Art mit Witz und Zauberei anzugehen ist. Das Publikum der Eröffnungs-Veranstaltung war begeistert.
Der Hannoveraner Matthias Wesslowski war einem der Vorstandsmitglieder bei einer privater Feier aufgefallen und ohne viel Wenn und Aber engagiert worden. Das Ausstellungsthema schien für ihn ein Kinderspiel zu sein. Längenmaße? Er hielt ein Seil hoch, das er in Teilen „normierte“ und schließlich noch zur modernen „Vernetzung“ umfunktionierte – wortreich, geistreich, witzreich. Der Clou am Ende war der „Google-Hupf“, gebacken in der Kochmütze, jede Zutat mit eigenem Gewicht. Das Publikum, sonst eher gemessen den historischen Ausführungen folgend, bog sich vor Lachen.
Höchst animiert widmete es sich sodann den Ausstellungsgegenständen. Und da hatten die neue Vorsitzende und ihre „lockere Gruppe“ von Mitarbeitenden  - Klaus Ahrens, Klaus Heuer, Astrid Jeuther, Martina Scheitenberger und Peter Schmid – im Knüpfen von Kontakten und im Herbeischaffen von Exponaten ganze Arbeit geleistet. Ein Aufruf an die Isernhagener, die ihre wertvollen Sammlerstücke bereitwillig zur Verfügung stellten, hatte ein Übriges getan. Es waren soviel an Objekten zusammengekommen, dass die Ausstellungsmacher eine wohl überlegte Auswahl treffen mussten. Ausgelassen wurde das „Zeitmaß“, die Uhren.  Gezeigt werden vor allem Maße und Gewichte, wie sie in der Vergangenheit im bäuerlichen Leben und seinem Umkreis, in Handwerk und Kleingewerbe, üblich waren.
Dem Betrachter bot sich, sorgfältig zusammengestellt, ein Bild der Vielfalt von Gerätschaften, die für ein und denselben Vorgang beim Messen oder Wiegen in den verschiedenen Gegenden üblich waren. Die Elle als Längenmaß war längst nicht überall gleich lang. Eine preußische Elle maß 66,69 cm während es die hannoversche nur auf 58,4 cm brachte. Über das ganze Land verteilt ergaben sich an sieben Orten sieben  verschiedene Ellenmaße – die regionalen Untergliederungen nicht mitgerechnet -  wie eine Aufstellung zeigte. Ähnlich verhielt es sich mit dem Begriff der Meile. Wenn der Meilenstein zwischen Altwarmbüchen und Kirchhorst 1 ½ Meilen nach Hannover anzeigt, so war damit die 7,419 km einer Postmeile gemeint, wie sie im Königreich Hannover üblich war. Erst mit der Einführung des metrischen Systems im 19. Jahrhundert begann die Vereinheitlichung der Längenmaße wie wir sie heute kennen.
Ähnlich verlief die  Entwicklung beim Wiegen. Die Beispiele für Waagen reichten von  so unbekannten Begriffen wie Besemer und  Ünzel bis hin zu Viehwaagen und Dezimalwaagen für Säcke oder Marktwaagen, wie sie nostalgisch noch manchmal zu sehen sind. An den Hohlmaßen, drei gleichgroßen gläsernen Behältern, wurde das Ausstellungsmotto  „gerüttelt, gestrichen oder gehäuft“ demonstriert, das beim Inhalt zu unterschiedlichen Gewichten führt.
Der Wöhler-Dusche-Hof ist bis zum 3. Oktober jeweils Sonntag von 11.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.