Menschliche Nullphänomene aufs Glatteis geführt

Schon gewusst? Wer Turnschuhe kauft, sollte über Absatzpronation und Aufsatzphase Bescheid wissen. Scheibner hilflos im Turnschuh-Chaos. (Foto: Svenja Steinseifer)

Hans Scheibner schärft mit seinem Programm „Glatteis“ die Sinne im Isernhagenhof

ISERNHAGEN (svs). „Menschliche Nullphänomene“, dreifach fahrlässige Müll-Falschsortierung und hilflose Männer beim Einkauf von Turnschuhen und Sonnencreme. Von „LSF-Faktoren, Überpronation und Aufsatzphasen“ versteht Hans Scheibner nichts. Wohl aber von den Tragikomödien des menschlichen Lebens, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Zynismus und Boshaftigkeit.
„Na Willy, gehen wir heute über das Geharkte?“ Es sind die „abartig parallel“ gezogenen Harkenfurchen des Nachbarn Griebenkreuz, die Kabarettist Hans Scheibner samt Hund Willy dazu bringen, ihre durch und durch boshafte Seite in sich zu entdecken. Mit seinem neuem Programm „Glatteis“ schimpfte sich der Hamburger Kabarettist am vergangenen Donnerstag im Isernhagenhof durch alle erdenklichen tragikomischen Lebenslagen.
Für seine „zwanghafte Lust“ über „Das schöne Geharkte“ zu latschen, fürchtet er zu Tode geharkt zu werden. Seine Frau findet es nicht normal, wenn er sein Ego etwas zurücknimmt um einem Tier gerecht zu werden und bei „dreifach fahrlässiger Falsch-Mülltrennung“ durch braune Glasflaschen mit Metalldeckel und Papierpreisschild versteht seine Gattin erst recht keinen Spaß mehr.
„Was ich wirklich an ihm schätze ist seine Kontinuität“, sagt Jürgen Koerth vom Vorstand des Kulturvereins Isernhagen. Er hoffe, dass der Isernhagenhof nach vielen Diskussionen in finanzieller Hinsicht wieder „in ruhigeres Fahrwasser gerate“. Mit Ruhe verteilt Scheibner auch im angehenden 75. Lebensjahr noch fleißig „Denkzettel“ für jene verkappten männlichen Sklavenhalter. Gemütlich sitzt er am Tisch und liest. Dann hagelt es treffsichere Pointen. Er sei endlich mal jemand der kein dummes Zeug erzählt, wenn er Witze macht. Jeden führt er aufs Glatteis – das Fliegengesicht Rösler, Pausbacke Gabriel. All jene politischen „menschlichen Nullphänomene“ – auch im Bundesfinanzhof. Currywurst im Sitzen? 7 Prozent Mehrwertsteuer, Currywurst im Laufen 5 Prozent Mehrwertsteuer – so sieht es aus.
Und wie sieht es aus mit „Überpronation“ und „Aufsatzphase“? Hilflos und zynisch irrt Scheibner durch die komplizierte Welt der Turnschuhe bei „Runners World“ und lernt warum er sich mit Socken rechts wie links seine „ganze Dynamik kaputtmacht“, warum eine Aerodynamische Zwischensohle ein unbedingtes Muss ist. Längst hat er erkannt, dass die Bahn ihr Übel an der Wurzel packen will – dem Fahrgast. Er ist sich sicher, dass sein Computer mit seiner Frau „unter einer Decke und in der Pubertät steckt“ und gegen das Manko der durchschnittlichen 1,4 Kinder pro Frau lasse sich ebenfalls etwas tun.
„Besonders gut gefallen mir seine Geschichten“, findet eine Besucherin. Von der Pike auf lernte der Hamburger Kabarettist das Handwerk des Schreibens. Von Haus aus Journalist hätte er gern „solche Auflagen wie Charlotte Rausch“ mit ihren „Enthüllungsbüchern“. Von der Kunst des Stöhnens handelt sein eigenes Werk – denn Susi stöhnt nicht. Kurzerhand wird geübt – soll ich jetzt mal stöhnen? Aber ja! Und Susi stöhnt doch - mein Gott war es wieder voll bei Aldi an der Kasse! Verpönt seien all jene schönen Spielzeuge – Waffen hingegen nicht.
Er sei ohnehin dafür, alle Waffen gegen Sexspielzeuge auszutauschen und eigentlich auch Lyriker. Hintergründig, tiefsinnig und auf den Punkt gebracht sinniert er über die menschlichen Abgründe und funktioniert Goethes Zauberlehrling kurzerhand um in ein Kernkraftwerk-Horrorszenario. Kernspaltung? Dieser Vorfall war im Notfallplan nicht vorgesehen. Aber das macht doch nichts, das merkt doch keiner.