Menschen mit geistiger Behinderung werden fit gemacht für den Straßenverkehr

Kooperation von TSG, Pestalozzi-Stiftung und Polizei: Menschen mit geistiger Behinderung werden fit gemacht für den Straßenverkehr. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Sicherer Umgang mit dem Fahrrad muss trainiert werden. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Kooperation von Turnerschaft Großburgwedel, Pestalozzi-Stiftung und Polizei

GROSSBURGWEDEL (hhs). Die Turnerschaft Großburgwedel hat ein eindeutig formuliertes Ziel: „Menschen über den Sport zusammenbringen“. Das ist nun in ganz besonderer Weise gelungen in einer Kooperation der TSG mit der Pestalozzi-Stiftung. Hier werden Menschen mit geistiger Behinderung fit gemacht für die Teilnahme am Straßenverkehr als Radfahrer. 40 Bewohner aus der Wohngruppe der Pestalozzi-Stiftung nehmen teil, jeder mit seinem eigenen Fahrrad. Die Ausbildung findet in fünf Gruppen mit unterschiedlicher Teilnehmerzahl dreimal wöchentlich statt. Am Ende steht eine kleine Prüfung mit einem „Fahrradführerschein“. Darin wird die Befähigung der Teilnehmer, sich mit dem Fahrrad sicher im Straßenverkehr bewegen zu können nachgewiesen.
Am Mittwoch dieser Woche wurde dass Projekt, dass seit Ende April läuft, vorgestellt. Unter Anleitung von fünf ehrenamtlich engagierten Übungsleitern wird zunächst die Geschicklichkeit auf dem Rad systematisch erarbeitet. Kurven fahren, bremsen und anhalten, und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ganz unterschiedlichen Alters müssen sich die Sicherheit im Umgang mit dem Rad erarbeiten. Natürlich kommen auch die theoretischen Kenntnisse nicht zu kurz: Verkehrsregeln werden besprochen, Verkehrszeichen und ihre Bedeutung müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennen. Und schließlich müssen sie wissen, unter welchen Bedingungen ein Fahrrad als verkehrssicher gilt. An dieser Stelle arbeitet das Polizeikommissariat Großburgwedel mit. Die Kontaktbeamtin Antje Schneider ist häufig vor Ort, zum Kennenlernen zunächst, damit die behinderten Menschen ihre Kontaktscheu verlieren. Gegen Ende der Ausbildung wird sie auch eine Sicherheitsüberprüfung der Fahrräder durchführen.
Am Mittwochnachmittag waren die am „Rad Auszubildenden“ voll bei der Sache. Es schien so, als hätten sie die Chance erkannt, mit dem Rad neue Welten zu entdecken. Olaf Mertens von der Pestalozzi-Stiftung brachte seine Eindrücke auf den Punkt: „Die Teilnehmer hier erkennen sehr schnell, welche Möglichkeiten Radfahren ihnen erschließt: Teilhabe, Steigerung des Selbstbewusstseins, körperliches Training“. Er dankte der TSG-Vorsitzenden Karola Hoppenstedt und Gudbjörn Jonsson dafür, dass sie dieses neue Projekt angestoßen haben, um Menschen mit geistiger Behinderung in die Lage zu versetzen, allein oder in Gruppen mit dem Fahrrad unterwegs sein zu können. Gerade Menschen mit geistiger Behinderung stießen häufig an ihre Grenzen, wenn sie wie andere Menschen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen wollten. Nun werden sie in die Lage versetzt, neue Bereiche geradezu zu erobern und mehr Selbstvertrauen und Selbständigkeit zu erlangen. Sicheres Fahrradfahren ermöglicht Mobilität und die selbständige Teilnahme am Straßenverkehr.
Das Training ist für die Teilnehmer kein Zuckerschlecken, denn es erfordert einiges an Konzentration, Kondition und Durchhaltevermögen von ihnen.Man sah den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an, dass das Selbstbewusstsein stieg, weil sie etwas erreicht hatten, was ihnen viele Mitbürgerinnen und Mitbürger keinesfalls zugetraut hätten. „Nicht nur der Fahrradführerschein winkt ihnen am Ende, auch die Freude darüber, einen großen Schritt zu mehr Eigenständigkeit und Verantwortlichkeit“, erläuterte Gudbjörn Jonsson die Intention des Vereins.