Manch' seltener Gast lässt sich an der Futterstelle sehen

Ein prächtiger Bergfink beobachtet die Futterstelle zunächst in aller Ruhe, ehe er sich die leckeren Sonnenblumenkerne vom Boden sucht. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Auch die Türkentauben suchen die Futterstellen auf. Sie sind sehr scheu und beobachten die Umgebung genau. (Foto: Hans Hermann Schröder)

NABU lädt erstmals zur Stunde der Wintervögel

BURGWEDEL (hhs). Der NABU hat vom 6. bis 9. Januar zur Stunde der Wintervögel geladen, zum ersten Mal. Diese Aktion soll die Bevölkerung anspornen und sensibilisieren für unsere gefiederten Freunde, ihre Vielfalt der Arten zeigen und gewissermaßen als Nebenprodukt zur Grundlage einer Vogelzählung dienen.
Fragen können geklärt werden, welche Vögel sind in der kalten Jahreszeit ständig hier, welche sind exotische Zieher aus dem hohen Norden? Im Lauf der Jahre wird diese Aktion die Veränderungen in der Singvogelfauna aufzeigen, Erkenntnisse über ihre Bestände liefern, und als wichtigste Begleiterscheinung zu mehr Wissen in der Bevölkerung führen. Der Platz hinterm Fenster auf das nahe Futterhaus macht die Sache einfach. Man braucht eigentlich nur noch einen guten Sitzplatz, ein Fernrohr und jede Menge Ruhe und Geduld. Die beste Zeit für die winterliche Vogelschau ist die Dämmerung morgens. Dann haben die Singvögel Hunger und fallen in großer Zahl über die Futterangebote her, sobald es hell wird, ein guter Grund allein dafür, schon abends zuvor draußen für das Vogelfrühstück zu sorgen.
Einige Verhaltensregeln können den Neuling im Geschäft der Vogelbeobachtung nützlich sein: Man sollte sehr ruhig sitzen mit einem kleinen Abstand von der Fensterscheibe. In keinem Fall schnelle Bewegungen machen, die meisten Vögel bemerken das sofort und suchen Sicherheit in Abstand und Deckung. Man kann dabei lesen oder Kaffeetrinken, aber Tasse an den Mund führen oder Umblättern besser nur im Zeitlupentempo. Alle Vögel können sehr gut sehen, sie sind darauf angewiesen, ihre Nahrung, gleichgültig ob Körner, Insekten, Säugetiere oder Fische aus großer Entfernung erkennen zu können. Und sie sind darauf sensibilisiert zu flüchten, wenn eine Bewegung eine Bedrohung für sie sein könnte. Deswegen sollte der Vogelbeobachter im Zimmer immer daran denken, insbesondere hinter sich die Beleuchtung auszuschalten. Alle Bewegungen, die man dann vornimmt, erscheinen sonst draußen als überdimensionales Schattenspiel auf der Fensterscheibe und die Vögel flüchten panisch.
Auch dem Vogelfotografen sei geraten, nicht nur die Fensterscheibe ordentlich zu putzen, er sollte nach Möglichkeit den Autofokus seiner Kamera durch solide „Handarbeit“, manuelle Einstellung der Entfernung, ersetzen. Das hat zwei Gründe: Erstens stellen moderne Autofokussysteme sich häufig auf die Fensterscheibe scharf, wobei das Motiv unscharf wird. Zweitens hat es den Anschein, dass viele Singvögel den Messtrahl des Lasers bemerken. Dann gibt es meistens kein Motiv mehr, denn die Piepmätze sind weg. Es kann dann schon einmal 20 Minuten dauern, bis sich die ersten wieder am Futterhaus blicken lassen.
Wer seine Chance auf tollen Anblick erhöhen möchte, füttere nicht nur im Futterhaus, sondern auch auf dem Boden. Spatzen, alle Finkenarten, Goldammern, Ringel- und Türkentauben bevorzugen die Futteraufnahme am Boden wie auch das Rotkehlchen. Auch den Elstern und Eichelhähern, die bei hoher Schneelage starken Hunger leiden, finden sich dort jetzt schnell ein. Dabei erscheinen die Elstern dreist: Sie stehlen den Buntspechten die Haselnüsse, wenn der sie gerade aufgehackt hat, erscheint ihnen das Flugloch der Futterstelle gerade groß genug, so versuchen sie sich hineinzuzwängen, auch auf die Gefahr hin, nicht wieder schnell dort hinauszukommen. Eichelhäher sind dagegen scheu und beobachten ihre Umgebung scharf. Wird das Gerangel der Spatzen und Finken zu laut und das Geflatter zu nervend, dann sind die Häher schnell verschwunden. Nach Stunden kommen sie manchmal wieder, im Schutz von Büschen und Bäumen. Bevor sie wieder am Futterhaus einfallen, suchen sie sich noch einen sicheren Beobachtungsplatz.
Wer nun noch auf den fahrenden Zug der Vogelbeobachter aufspringen möchte, und seine Chancen durch die Anschaffung einer Futterstelle erhöhen will, sollte mehrere Überlegungen anstellen. Anschauen kann man sich die Singvögel am besten, wenn sie sich nicht im Futterhaus, sondern am Futterhaus aufhalten. Es gibt viele Modelle, die aus einem Futtersilo bestehen, an dem draußen ein Landeplatz für die Vögel angebracht ist und in die kein Vogel hineinkommt. Da gibt es ganz spaßige Formen, Leuchttürme, Jahreszeiten betonende Modelle wie Weihnachtsmann oder Tannenbäume. Da findet jeder das richtige für seinen Geschmack. Und natürlich benötigt man Meisenknödel und Beutel mit Haselnüssen. Alle Meisenarten ernähren sich in der warmen Jahreszeit hauptsächlich von Kleinstinsekten und deren Larven und Eier. Im Winter können sie auf Körnerfutter ausweichen. Dennoch sind sie neben dem Futterhausbesuch weiter auf tierisches Protein angewiesen und da kommen ihnen die Knödel gerade recht. Man darf nur nicht denken, sie würden über die Knödel in Scharen herfallen, sie finden ihren Grundumsatz in den Körnern und besuchen die Knödel deswegen zwar weitaus weniger häufig, dafür aber immer wieder.
Auch weitaus seltener zu beobachtende Vögel finden sich nun an der Futterstelle ein: Kleiber, Tannen- und Schwanzmeise, ganz selten die Sumpfmeise, das Gewimmel um das Futter wird immer größer und damit werden auch die Fressfeinde auf diesen Sammelpunkt aufmerksam: Nachts kontrollieren Steinmarder und Katzen das Terrain, tagsüber droht insbesondere durch den Sperber Gefahr. Kommt der kleine hübsche „Stößer“, dann flieht das gesamte Vogelvolk in der nächsten Deckung. Setzt er sich nach seinem Misserfolg irgendwo in eine Baumkrone, dann sollte man aufpassen: Sehr häufig findet nun einen Moment nach dem Angriff eine allgemeine Solidarität unter den Stammgästen der Futterstelle statt: Finken, Spatzen, Drosseln, selbst die Kleiber fallen über den Sperber her und vertreiben ihn von seinem Ansitz, dass der Bösewicht beinahe panisch flüchtet.