„Man muss nicht überall mit dem Auto hinfahren können“

Prof. Christoph Schonhoff stellte seine Ideen im Amtshof vor. Im Hintergrund eine Fotomontage. Sie soll verdeutlichen, wie man den vorderen Teil des Alten Marktes strukturieren kann. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Wenn es nach dem Stadtplaner geht, wird der Wochenmarkt zukünftig zweireihig in der Mitte der Von-Alten-Straße stattfinden. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Fußgänger, Autos und Radfahrer gleichberechtigt auf dem Alten Markt

GROSSBURGWEDEL (hhs). Großburgwedel soll schöner, städtischer werden. Dazu hatte der Rat der Stadt beschlossen, ein unabhängiges namhaftes Stadtplanungsinstitut, das Büro nsp-landschaftsarchitekten-stadtplaner, vertreten durch Professor Christoph Schonhoff, mit einer Bestandsaufnahme der Gegebenheiten in Großburgwedel zu beauftragen, einschließlich der Erarbeitung von Verbesserungsvorschlägen.
Die Einwohnerinnen und Einwohner sind in diesen Prozess eingebunden. Nach der ersten Vorstellung des Projektes vor einigen Wochen, sollten sie nun am Mittwoch dieser Woche ihre Ideen und Wünsche vortragen, damit die Stadtplaner diese in ihre Präsentation für den Stadtrat einarbeiten können. In einem ersten Schritt hatte Prof. Christoph Schonhoff die Defizite und Potentiale Großburgwedels schon einmal vorgestellt. Damals hatte er den Alten Markt, die Dr.-Albert-David-Straße, die Von-Alten-Straße, den Domfront-Platz und das Rathaus in den Fokus genommen.
Der Alte Markt verfüge im gegenwärtigen Zustand über keinerlei Aufenthaltsqualitäten, leitete Schonhoff seine Erläuterungen ein. Jetzt dominieren dort Autos. „Wir wollen diesen Bereich aus dem klassischen Straßenbild herausnehmen. Keine Kanten mehr und ein anderes Pflaster“, so der Stadtplaner. Dann blendete er eine Fotomontage von dem Bereich des Alten Markts ein, wo immer die Buden beim Weihnachtsmarkt stehen. „Es geht uns darum, die Baumbepflanzung und die Situation dort zu verdeutlichen. Die Bäume müssen von einem Fachmann untersucht werden, damit wir wissen, wie wir sie erhalten oder ersetzen müssen“. Alles solle barrierefrei werden.
Die Fotomontage beeindruckte die etwa 80 Besucher der Veranstaltung. Zunächst wurde gefragt, was es heiße, den Alten Markt aus dem klassischen Straßenbild herauszunehmen. Es solle kein Fußgängerbereich werden, so Schonhoff. Fußgänger, Radfahrer und Kraftfahrzeugverkehr sollen gleichberechtigt werden. Auf Nachfrage erklärte er, die Anlieger müssten in ihren Zufahrtsrechten zu den Grundstücken keinerlei Einschränkungen befürchten. Auch die Parkmöglichkeiten für die Geschäfte müssten erhalten bleiben. Man könne aber die Parkplätze etwas reduzieren. Hier dürfe es keine Dauerparkplätze mehr geben. Er denke, Kurzzeitparkplätze würden dort vollkommen ausreichen.
Anschließend wurde die Von-Alten-Straße in den Mittelpunkt gerückt. „Man muss nicht überall mit dem Auto hinfahren können“, leitete Prof. Christoph Schonhoff diesen wunden Punkt ein. Allgemein werde die Begehbarkeit dieser Straße bemängelt, insbesondere von den Nutzern von Rollatoren. Das dürfe nicht sein. Bei der Von-Alten-Straße stelle sich für den Stadtplaner die Frage, wie viel öffentlichen Raum man „bespielen“, (beplanen) darf. Der Bereich zeichne sich insbesondere dadurch aus, dass er kurze Wege zu den Parkplätzen biete.
Das sei ein großer Standortvorteil. Er stelle sich vor, gewissermaßen einen Laufsteg mitten in die Von-Alten-Straße zu platzieren, der mit einem zeitgenössischen Belag oder Pflasterung verdeutlicht werden könne. „Das bietet dann eine deutliche Orientierung“, beschrieb Schonhoff den gewünschten Effekt. Man könne und wolle die Zufahrtsrechte der Anlieger nicht einschränken, sagte er. Ziel aller Veränderungen sei die bessere Begehbarkeit und Orientierung. Die Geschäfte in diesem Bereich müssten einsehen, dass dadurch neue Räume entstehen, die sie nutzen können.
Er versuche, gezielte Eingriffe mit Sinnhaftigkeit zu verdeutlichen. Bei der Gestaltung der Von-Alten-Straße sollten die anliegenden Geschäfte mit einbezogen werden. Die große Chance dort sehe er in den verkehrlichen Besonderheiten: viele gute Parkplätze und kurze Wege zu den Geschäften. Die „Möbel“ in der Fußgängerzone, Sitzgelegenheiten und Abfallkörbe und Ähnliches müssten neu überdacht werden. Für den Bereich „Bücherei“ schlug er einen „Lesegarten“ vor, einfache Sitzgelegenheiten, „die zum Beispiel zum Zeitunglesen einladen“. Allerdings müsse die Mitte der Von-Alten-Straße frei werden. „Dann können Sie auch den Wochenmarkt zweireihig aufbauen. Schauen Sie sich mal den Markt an, wie er jetzt ist“. Was er wohl meinte, ist das triste Bild, das man erblickt, wenn man die Von-Alten-Straße auf der Rückseite der Marktbuden entlang geht. „Sie können dann, wenn Sie den Markt zweireihig aufbauen, auch die Warteliste der Anbieter abarbeiten“, schmunzelte Schonhoff. Die Anlieger wünschten sich hier unter anderem ansehnliche Bänke und Abfallbehälter.
Mit dem neuen Amtshof habe die Stadt an der Dr.-Albert-David-Straße eine Perle geschaffen. „So etwas hat nicht jede Stadt“, brachte es der Planer auf den Punkt. Der Raum hier sei allerdings den Fahrzeugen vorbehalten. Man müsse aber überlegen, wie man mit den Bäumen dort eine Blickachse schaffen könne. „So wie er ist, wirkt der Parkplatz unübersichtlich. Jede Fahrt mit dem Auto dorthin, ist eine Fahrt ins Ungewisse. Die Hecken sind hier die strukturierenden Elemente. Aber sie müssen nicht 1,80 Meter hoch sein. Lücken in den Hecken würden auch helfen“, so Schonhoff. Hier müsse auch ein Fahrradständer her. Der Parkplatz könne auch zur Endstation für Radfahrer werden, die von außerhalb ins Zentrum Burgwedels wollen.
Das Rathaus müsse ein wichtiger Ort werden, gab er zu bedenken. Hier dominiere jetzt das Grün, was auch so bleiben könne. Überlegen müsse man, wie man die Steigerung der Bedeutung des Rathauses mit dem Grün besser unterstützen kann. Die Mauer müsse zumindest im Eingangsbereich vollständig verschwinden.
Hierzu kam ein interessanter Vorschlag aus dem Publikum. Jemand schlug vor, den Überweg vom Domfrontplatz zum Rathaus so zu verlegen, dass man direkt, in gerader Linie zwischen Rathaus und Domfrontplatz hin und her wechseln könne. Man müsse überlegen, die Ampelanlage, die den Verkehr an der Einmündung Kleinburgwedeler Straße regele, bis in diesen Bereich zu erweitern.
Schonhoff erläuterte abschließend, dass alle Vorschläge und Ideen aus diesem Treffen von seinem Büro in einen Gestaltungsvorschlag eingearbeitet werden, der Anfang des kommenden Monats den politischen Gremien vorgelegt werden soll.