Mahnung und Gedenken

Bedri Özdemir (r.) und Jürgen Ocker vom Ortsrat Großburgwedel legten einen Kranz zum Gedenken an die Opfer der Weltkriege am Mahnmal in Großburgwedel nieder.

Volkstrauertag erinnert an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft

GROSSBURGWEDEL (bgp). Überall in Deutschland wurde amVolkstrauertag mit Ansprachen und Kranzniederlegungen an die Opfer der
Weltkriege erinnert. In Großburgwedel fand ein Gedenkgottesdienst in der St.
Petri Kirche statt, im Anschluss führte ein Trauermarsch mit rund fünfzig
Personen zur Gedenkstätte auf dem Friedhof an der Thönser Straße. Der
Großburgwedeler Feuerwehrmusikzug spielte zur Eröffnung der Gedenkfeier „Freunde,
dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt“ als Zeichen der Hoffnung und
Versöhnung.   Bürgermeister Rolf Fortmüller mahnte: „Nurwer sich erinnert, kann aus der Vergangenheit lernen, um eine bessere Zukunft
zu gestalten. Deshalb verdient es jede Geschichte, erzählt zu werden, und jedes
Opfer verdient es, dass man sich seiner erinnert.“ Er gedachte der Schicksale
„millionenfacher unmenschlicher Gräuel, schier unfassbarer Tragödien“ und
„Geschichten des stillen oder offenen Widerstands“. Sichtlich bewegt schilderte Fortmüller dieEreignisse, als die deutsche Wehrmacht am 1. September 1939 in Polen einfiel
und damit den 2. Weltkrieg entfesselte. „Bekenntnisse von Schuld und Bitte um
Vergebung können nichts ungeschehen machen“, sagte er und gab zu bedenken:
„Auch die jüngsten Ereignisse - nicht nur in unserem Land - geben größten
Anlass zur Sorge, dass viel zu viele aus der Geschichte nichts gelernt haben.
Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind nicht nur auf dem Vormarsch - sie
scheinen immer mehr salonfähig zu werden.“In seiner Rede schwang jedoch die Hoffnungauf eine Zukunft in friedlicher Nachbarschaft mit, die durch „gemeinsame
Erinnerung im europäischen Haus“ gefördert werden solle. „Nie wieder dürfen
Krieg und Hass zum Mittel der Politik in Europa werden“, so Fortmüller. Am Rande der Gedenkfeierbestätigte sich, dass die Tragödien noch lange in der Gegenwart fortwirken.
Eine Frau aus Burgwedel legte zum Gedenken an die Opfer aus ihrem familiären
Umfeld Blumen auf dem Friedhof nieder. Die Schicksale dieser Menschen seien bis
heute ungeklärt, sagt sie: „Meine Eltern haben auf der Flucht sechs Verwandte
gesprochen oder gesehen, danach nie wieder“. Ihr sei es wichtig, dass auch
junge Menschen etwas über diese schlimme Zeit erführen, damit sich das nicht
wiederhole.