Literaturgottesdienst in der St. Petri-Kirche

Bibel im Kontext: Roman „Nemesis“ von Philip Roth

GROSSBURGWEDEL (r). Zum 5. Literatur-Gottesdienst lädt die Petri-Gemeinde Burgwedel am Sonntag, 18. März, 10 Uhr, in ihre Kirche ein. „Bibel im Kontext“ – so lautet das Programm dieser Serie, die bisher große Aufmerksamkeit über die Gemeindegrenzhen hinaus gefunden und stets für eine volle Kirche gesorgt hat.
Ein Dutzend Ehrenamtliche bereiten diese Gottesdienste mit Pastrorin Bodil Reller und Pastor i.R. Andreas Seifert akribisch vor. Diesmal haben sie sich für den neuen Roman des großen amerikanischen Autos Philip Roth entschieden. In „Nemesis“ erzählt er uns die Lebensgeschichte von Bucky Cantor, die ganz von der Polio-Epidemie im Sommer 1944 bestimmt wird. Sie macht aus dem tatkräftigen jungen Sportlehrer ein menschliches Wrack, das Jahre später ein ehemaliger Schüler kaum wieder erkennt. Aus dem bewunderten Vorbild ist ein Opfer geworden, das mit sich und der Welt zerfallen ist.
„Warum hat Gott nicht eingegriffen?“ hadert Bucky mit seinem Schicksal. „Ich weiß nicht, wieso Gott die Kinderlähmung überhaupt geschaffen hat. Was wollte er damit beweisen? Warum gibt es diese tödliche Epidemie, für die kein noch so böser Mensch etwas kann?“ So fragt er, obwohl er nicht besonders religiös ist. Die frommen Denkmuster seines Umfelds haben ihn aber dauerhaft geprägt. Deshalb fühlt er sich mitschuldig am Tod seiner eigenen Schüler, versagt sich die Liebe seines Lebens und sitzt nun gefangen in seinem Rollstuhl.
Der Vorbereitungskreis hat diese Geschichte auf charakteristische Szenen reduziert und auf verschiedene Rollen verteilt. „Unsere Literatur-Gottesdienste leben davon, dass sich viele aktiv an der Gestaltung beteiligen,“ begründet Bodil Reller den Aufwand. „In unseren Diskussionen der letzten Wochen haben wir den literarischen Text beleuchtet und dann nach biblischen Kontexten gesucht. Das war für alle ein spannender Prozess, in dem jeder für sich etwas Neues entdeckt hat. Das wollen wir vermitteln“.
Andreas Seifert wird die Predigt dazu halten und „Nemesis“ die Geschichte von der Heilung des Gelähmten aus dem Matthäus-Evangelium gegenüberstellen. Auch der Kirchenvorstand hofft auf viele Besucher. Denn wer zum Gottesdienst kommt, dürfte sich wohl auch an der Wahl zum nächsten Kirchenvorstand beteiligen. Am Sonntag, ist Wahltag, ein Ereignis, das nur alle sechs Jahre stattfindet und das für die weitere Entwicklung der Petri-Gemeinde von großer Bedeutung ist.