Literatur-Frühstück im KulturKaffee

Beim nächsten Literaturfrühstück widmet sich Peter Behnsen der Schriftstellerin Irmgard Keun. (Foto: Clemens Niehaus)

Peter Behnsen widmet sich der deutschen Schriftstellerin Irmgard Keun

Isernhagen (r/bs). Seit Juli 2020 findet regelmäßig zweimal im Monat das beliebte Literatur-Frühstück im KulturKaffee Rautenkranz, Hauptstr. 68, Isernhagen FB, mit dem Literaturexperten Peter Behnsen statt.
Der bekannte Literaturliebhaber serviert mit viel Detailwissen und spannender Vortragsweise Kleinodien der Literatur. Wobei die Grenzen zwischen Lyrik , Roman und Biografie des jeweiligen Schriftstellers fließend vorgetragen werden. Das KulturKaffee setzt die beliebte Veranstaltungsreihe auch 2022 fort. Am Sonntag, 20. März 22 beschäftigt sich Peter Behnsen mit der deutschen Schriftstellerin Irmgard Keun (* 6. Februar 1905 in Charlottenburg bei Berlin; † 5. Mai 1982 in Köln).
Irmgard Keuns Schriftstellerkarriere begann mit Romanen, die satirisch und gesellschaftskritisch das Leben junger Frauen in der Endphase der Weimarer Republik schildern. Im Mittelpunkt steht ihr Bemühen um Selbstständigkeit, die Notwendigkeit, für sich selbst zu sorgen, sich nicht unterkriegen zu lassen, sondern zu überleben.
Keuns Heldinnen geben sich selbstbewusst, sind schlagfertig, haben Realitätssinn und den Anspruch auf ein glückliches Leben. Was fehlt, ist neben der ökonomischen auch die emotionale Eigenständigkeit. Sie bleiben abhängig von dem Geld und der Zuwendung von Männern. Irmgard Keun wurde zu einer wichtigen Vertreterin der „Neuen Sachlichkeit“. Mit ihrem assoziativen, witzig-aggressiven Stil orientierte sie sich an der gesprochenen Sprache und am Vorbild des Kinos: „Aber ich will schreiben wie Film, denn so ist mein Leben und wird es noch mehr sein“, heißt es im Kunstseidenen Mädchen.
Die Bestsellerauflagen, der naive Charme der Frauenfiguren und das von der Autorin gepflegte Image der frischen und frechen jungen Frau, die „eine von uns“ ist, ließen Keuns Bücher als reine Unterhaltung erscheinen. Erst spät wurde von der Kritik die literarische Bedeutung erkannt. 
Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten standen Gilgi und Das kunstseidene Mädchen als „Asphaltliteratur mit antideutscher Tendenz“ auf der Schwarzen Liste. In ihren späteren Werken setzte sich Keun mit dem Nationalsozialismus und dem Leben im Exil auseinander. Sie beschreibt darin den Alltag in Nazi-Deutschland und zeichnet ein pessimistisches Bild von der Vergeblichkeit des Widerstands des Einzelnen gegen die Diktatur.
Ende der 1970er Jahre wurde Irmgard Keun nach langen Jahren des Vergessens wiederentdeckt – insbesondere von der feministischen Literaturkritik.
Der Eintritt zum Literaturfrühstück inklusive Lesung kostet pro Person 20 Euro. Voranmeldungen und Reservierungen im KulturKaffee Rautenkranz unter Tel.
05139 978 90 50, Mobil 0172-434 10 92 oder unter info@rautenkranz-kultur.de
Die weiteren Termine des Literaturfrühstücks: Sonntag, 10.04.22 F.M. Dostojewski, 15. Mai Arthur Schnitzler, 12. Juni Thomas Mann, 3. Juli Wilhelm Busch, 10. Juli Stefan Zweig und am 31. Juli Jürgen von Manger.