„Liberalismus ist eine Sache des Herzens, nicht der Prozente“

„Wir haben zu viel versprochen, was wir nun nicht halten können.“: Die niedersächsische FDP-Generalsekretärin Christiane Ratjen-Damerau (rechts) kam auf Einladung von Dr. Isa Huelsz (links), Vorsitzende der FDP Burgwedel, zum liberalen Stammtisch. (Foto: Sina Balkau)

FDP-Generalsekretärin blickt trotz Kritik optimistisch in die Zukunft

GROSSBURGWEDEL (sib). Die niedersächsische FDP-Generalsekretärin und Bundestagsabgeordnete Dr. Christiane Ratjen-Damerau war am Freitag zu Gast beim liberalen Stammtisch der FDP Burgwedel. Vor der Parteibasis aus Burgwedel und der Region sprach sie über ihre Aufgaben, sinkende Umfragewerte und anstehende Kommunalwahlen. Doch die Liberalen hörten nicht nur aufmerksam zu, sondern machten ihrem Ärger über die aktuelle Situation Luft.
„Ich bin dermaßen enttäuscht von der liberalen Führungsriege. Seit 40 Jahren bin ich in der Partei und habe nun zum ersten Mal mit mir gerungen, ob ich sofort austreten soll“, sagte Sabine Danneberg, Mitglied der FDP Springe. Sie habe den Eindruck, Westerwelle und Co taugten nicht zum Regieren: „Ich glaube, die können es einfach nicht, wissen nicht, wie es geht.“ Die Enttäuschung und Wut der Rentnerin wurde von vielen Anwesenden geteilt. Froh, endlich einen Adressaten für diese negativen Emotionen zu haben, konfrontierten sie Christiane Ratjen-Damerau mit ihrem Unmut.
Besonders, was die im nächsten Jahr anstehenden Kommunalwahlen angeht, zeigten sich die FDP-Mitglieder besorgt. Zu Recht – die Lage der Freien Demokratischen Partei ist dramatisch: Seit Monaten rutschen die Umfragewerte immer weiter in den Keller und liegen derzeit bei nur noch fünf Prozent auf Bundesebene. In den Ländern, in denen im März 2011 Landtagswahlen sind, sieht es ähnlich aus. „Wie will die Bundespartei uns da garantieren, dass wir bei den Kommunalwahlen überhaupt über die fünf Prozent kommen?“, fragte ein liberaler Kommunalpolitiker.
Doch die Generalsekretärin ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, mit etwas Gegenwind hatte sie anscheinend gerechnet. „Im Moment ist es nicht so sonnig im Herzen der Partei, da muss ich mich etwas mehr um die Parteimitglieder kümmern als sonst“, so die Politikerin. Die Diskussion an der Basis sei ihr sehr wichtig, insbesondere in kritischen Phasen. Es werde nicht einfach, gute Ergebnisse in den Landtags- und Kommunalwahlen zu erzielen, gab die promovierte Agrarwissenschaftlerin zu. Die Parteispitze trage jedoch keine Schuld an der Situation. „In Berlin wird gut zusammengearbeitet, das muss so weiterlaufen wie bisher“, sagte Ratjen-Damerau.
Das so häufig beschworene Kommunikationsproblem zwischen den Koalitionspartnern sehe sie nicht. Sie ist der Meinung, es werde sich hervorragend abgesprochen. „In der Öffentlichkeit kommt das aber ganz anders rüber. Ich weiß auch nicht, wie dieser Eindruck entsteht.“ Vielleicht habe sich die FDP das Regieren zu einfach vorgestellt, räumte die Oldenburgerin ein: „In der euphorischen Phase des Wahlkampfes haben wir wohl zu viel versprochen, was wir jetzt nicht halten können. Da müssen wir realistischer werden. Oppositionsarbeit ist halt nicht dasselbe wie Regierungsarbeit.“
Dennoch bleibt sie optimistisch: Bei den Problemen handele es sich lediglich um Startschwierigkeiten, die andere Parteien in der Vergangenheit auch zu bewältigen gehabt hätten, es werde wieder aufwärts gehen. Wichtig sei, dass die liberalen Grundwerte nicht verloren gingen, denn „Liberalismus ist eine Sache des Herzens, nicht der Prozente.“