Letzter Ministerpräsident der DDR war Gast der Einheitsfeier

Lothar de Maiziere, letzter Ministerpräsident der DDR und der erste, der dort frei gewählt wurde: „Mein Auftrag war die Verabschiedung dieses Staates aus der Weltgeschichte“. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Lothar de Maiziere trug sich in das Goldene Buch ein

GROSSBURGWEDEL (hhs). Am Donnerstag dieser Woche hatten Politik und Verwaltung der Stadt Burgwedel zu einer Feier zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit in die Aula des Gymnasiums eingeladen. Hauptgast und -redner an diesem Abend war der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maiziere, der für sich verbuchen kann, auch der erste Ministerpräsident gewesen zu sein, der in der DDR sein Amt in freien Wahlen erreicht hat. De Maiziere, inzwischen knapp 71 Jahre alt, trug sich im Vorfeld der Feier im Rathaus zunächst in das Goldene Buch der Stadt Burgwedel ein. Dann wurde er in der Aula des Gymnasiums, die bis auf den letzten Platz besetzt war, von Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt begrüßt.
Hoppenstedt erinnerte in kurzen Worten an die Geschehnisse im Herbst 1989, an die Bilder aus den Botschaften in Prag und Budapest, schließlich an die Grenzöffnung. „Alles geschah ohne Gewalt“, erinnerte der Bürgermeister. „Wir alle hier in der Bundesrepublik verfolgten das genau und mit großer Begeisterung. Die Ereignisse, die wir damals gesehen haben, nehmen einen herausragenden Platz in der europäischen Demokratiegeschichte ein“. Freiheit sei kein selbstverständliches Gut, man müsse immer daran denken, dass der 9. November ein Schicksalstag der Deutschen sei. „Freiheit setzt eigenes und politisches Handeln voraus“. Lothar de Maiziere habe damals den Willen und den Mut zum Mitgestalten gezeigt.
Der Gast nahm den die Erinnerung an den 9. November auf. Er frage sich häufig, ob der 3. Oktober das richtige Datum für den Tag der Deutschen Einheit sei. Der 9. November sei neben dem Mauerfall 1989 auch mit vielen negativen historischen Ereignissen besetzt, deswegen sei der 3. Oktober schon das angemessene Datum. Seitdem gelte für ganz Deutschland das Grundgesetz, „die beste Verfassung, die man sich denken kann“.
In der Folge gab de Maiziere einen komprimierten Abriss der Geschehnisse, die zur Deutschen Einheit führte. Er sei seit 1989 Vorsitzender der CDU der DDR gewesen, wurde im letzten Kabinett Modrow Minister für kirchliche Angelegenheiten. Er habe mit am damaligen „Runden Tisch“ gesessen, der die Aufgabe hatte, das Kabinett Modrow zu kontrollieren. „Eigentlich hat die Revolution in der DDR damals immer abends um 17.00 Uhr begonnen“, erinnerte sich de Maiziere humorvoll. „Morgens gingen die Leute zur Arbeit, demonstriert wurde danach“. Der Jahresbeginn 1990 habe im Zeichen der ersten freien Wahlen zur Volkskammer in der DDR gestanden. Die Märzwahlen seien die ersten freien Wahlen seit 1932 gewesen. Die CDU habe dort mehr als 40% erreicht und dann mit den Liberalen in einer Koalition die erste frei gewählte Regierung der DDR gebildet. Er sei Ministerpräsident geworden und habe als einzige Aufgabe die Verabschiedung dieses Staates aus der Weltgeschichte gesehen.
Lothar des Maiziere würzte seine Erinnerungen mit vielen selbst erlebten Anekdoten aus dieser Zeit und flocht diese mit großem rhetorischen Talent in seine frei gehaltene Ansprache ein. Dabei bot er Einblicke in Zusammenhänge, die damals in der Bundesrepublik kaum zu beobachten waren. Er erinnerte an die ablehnende Haltung der britischen Premierministerin Thatcher zur Einigung und den darüber unglücklichen Außenminister Hurt, der den Deutschen dennoch jeden „Knüppel zwischen die Beine warf“, oder an den Realitätsverlust von Françoise Mitterand, der kurz vor der Einigung noch ein auf vier Jahre befristetes Wirtschaftsabkommen abschließen wollte. Hohes Lob gab es für Michail Gorbatschow. Bei einem Besuch in Moskau habe er damals Angela Merkel mitgenommen, die fließend russisch spricht“. In den Gesprächen auf der Straße habe sie die Meinung der Bevölkerung gehört: „Stalin hat den Krieg gegen Nazideutschland gewonnen, Gorbatschow verliert ihn jetzt“, hieß es damals. Dennoch habe Michail Gorbatschow wie auch „Senior George W. Bush“ voll hinter der Einheit Deutschlands gestanden. Dafür gab es am Ende tosenden Beifall.