Leserbrief

An der Realität vorbei

Im Marktspiegel vom 04.07. nahm Herr Bodo Kutzke vom Nabu Stellung zur Wolfsproblematik. Leider muss ich feststellen, dass der Nabu an den Möglichkeiten und Bedürfnissen der Pferdehalter, und Weidetierhalter im Allgemeinen, vorbei denkt.
Der Vorschlag, wolfsabweisend zu zäunen ist nicht überall durchzuführen, da diese Zäune auch den anderen Wildwechsel massiv behindern und teilweise gar nicht genehmigt werden.
Herdenschutzhunde sind, wenn man sich mal genauestens mit diesen Hunden beschäftigt, ihrem Wesen, ihrer Arbeitsweise, Ausbildung etc., nur in den allerwenigsten Fällen praktikabel. Wie soll das z.B. in einem Reitstall funktionieren, wo viele Menschen auf die Weiden müssen, im Notfall der Tierarzt. Ganz abgesehen von den immensen Kosten in Anschaffung und Unterhalt. Bei größeren Herden ist es auch mit einem Hund nicht getan. Wollen wir außerdem Kämpfe HSH-Wolf auf unseren Weiden?
Wer soll denn genau all diese Kosten tragen? Zäune, deren Errichtung, Herdenschutzhunde, Entschädigungen für gerissene Tiere (wie wird hier der materielle Wert errechnet, vom emotionalen ganz zu schweigen). In Zeiten von Corona, wo überall das Geld knapp ist, auch in den Ländern und Kommunen.
Es kann wirklich nicht sein, dass wir alles einer Tierart unterordnen, die nicht vom aussterben bedroht ist, sich munter weiter vermehrt und verbreitet und ihr Jagdverhalten an den Nachwuchs weiter gibt. Sollen alle Weidetiere hinter Hochsicherheitszäune, die nicht einmal wolfsicher sind? Oder gar zurück in die Ställe, und zwar auch tagsüber.
Wollen wir, dass unsere Landschaft dann dementsprechend aussieht, dass Tiere wie der Igel, Hasen und andere kleine Wildtiere in den unteren Stromlitzen geradezu gegrillt werden?
Ich bin nicht dafür, dass der Wolf ausgerottet wird, aber es ist dringend Zeit für ein vernünftiges Wolfsmanagement. Zum Schutze unsere Weidetiere und unseres Ökosystems.
Was der Nabu in ihrer Zeitung schreibt kann ich leider nur als sehr an der Realität vorbei und naiv bezeichnen.

Britta Hacke
Isernhagen