Landwirte rechnen mit Ertragseinbußen bei der Ernte

Am Sonntagmittag entschloss sich Hans-Heinrich Küster mit der Rapsernte zu beginnen. Der umgerüstete Riesenmähdrescher mit vollklimatisiertem Führerhaus schafft in 1 ½ Stunden soviel wie früher an einem ganzen Tag gemäht wurde. (Foto: Renate Tiffe)

Wochenlange Hitze und Trockenheit schaden dem Getreide

BURGWEDEL (ti). Früher als sonst hat in diesem Jahr die Getreideernte begonnen. Die Wintergerste ist bereits abgeerntet. Beim Raps konnte an diesem Wochenende mit dem Mähen begonnen werden. Zwar sind die Erntebedingungen gut. Die Mähdrescher können den ganzen Tag lang laufen und es entstehen keine Kosten durch die Getreidetrocknung. Aber die Erträge lassen wegen der wochenlangen Hitze und Trockenheit nichts Gutes ahnen. Mit Ertragseinbußen ist in jedem Fall zu rechnen.
Genaueres lässt sich derzeit noch nicht sagen, weil die nachfolgenden Getreidearten, Sommergerste, Roggen, Weizen, noch auf dem Halm stehen. Jetzt schon Zahlen anzugeben, wäre reine Spekulation, sagt Klaus Labahn, Pressesprecher beim Niedersächsischen Landvolk. Sicher ist allerdings, dass die leichteren Böden, wie sie im nordhannoverschen Bereich anzutreffen sind, stärker betroffen sein werden. Aber auch da gebe es Unterschiede je nach Standort. So berichtet Landwirt Hans-Heinrich Küster aus Wettmar, dass man bei der Wintergerste noch mit einem blauen Auge davon gekommen sei. Bis Mitte Juni seien die Wachstumsbedingungen optimal gewesen. Danach habe der Wassermangel aber doch geschadet. Anderenorts wie in Fuhrberg wird dagegen von Notreife gesprochen und in Oldhorst seien insgesamt etwa 20 Prozent weniger geerntet worden. Nur auf den feuchteren Moorstandorten sei das Ergebnis etwas besser gewesen.
Als nächstes steht die Roggenernte an, auf den kargen Böden hier die Hauptfrucht für manche Betriebe. In diesem Jahr könnte sie mit der Weizenernte zusammenfallen, vermutet Jan Hogreve aus Oldhorst. Qualitätsroggen könne in guten Jahren an die Knäckebrotfabrik Wasa in Celle geliefert werden. Wie es diesmal mit der Backfähigkeit steht, könne allerdings noch nicht gesagt werden. Auch beim Weizen sei auf Grenzstandorten damit zu rechnen, dass er nur als Futtergetreide verwertet werden kann. Getreide zu beregnen rechne sich meist nicht, weil der zu erwartende Preis zu niedrig ist.
Fast normal ist der Zeitpunkt für die Rapsernte. Die Ölfrucht dürfte durch die Trockenheit noch nicht allzu sehr betroffen sein, meint Labahn. Zwar seien die Körner etwas kleiner, aber der Ölgehalt sei ausreichend. Ganz böse habe den Mais erwischt. Die Pflanzen stehen einfach vertrocknet da. Sie erholen sich zwar, wenn sie Wasser bekommen. Wo entsprechende Anlagen aus dem Kartoffelanbau vorhanden sind, wird deswegen meist rund um die Uhr beregnet. Aber die Wachstumsunterbrechung lasse keine Spitzenerträge mehr erwarten. Die Kolben haben sich noch nicht gebildet, die die Hauptenergieträger sind, sowohl bei der Verwendung als Rindviehfutter ebenso wie in den Biogasanlagen.
Die Beregnung, ob elektrisch oder mit Dieselmotor,  ist mit beträchtlichen Kosten verbunden. Aber was sollen wir machen, fragt Hogreve. In den Maisfeldern stecke bereits viel Geld drin für Saatgut und Pflanzenschutz. Da sei die Beregnung als Notlösung eben vorzuziehen.