„Lärm des Schwerlastverkehrs grenzt an Körperverletzung“

Torsten und Annet Allert (stehend) hatten zum „Erlebnis-Kaffee“ geladen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Anlieger der L 310 in Fuhrberg sprechen deutliche Warnung an CDU aus

FUHRBERG (hhs). „Verkehrslärm kann krank machen“, zitierte Torsten Allert den Bundesverkehrsminister, als er seine Gäste am frühen Freitagnachmittag begrüßte. Gemeinsam mit seiner Frau Annet hatte er zu einer Kaffeetafel eingeladen, bei den sommerlichen Temperaturen natürlich im Garten, wie es auf dem Lande üblich ist. „Wir wünschen uns, dass das auch für unseren Bereich gilt“, fuhr der Gastgeber fort. Das hatten alle der geladenen Gäste gut verstanden, denn Allert hatte Glück: der Lärm des Schwerlastverkehrs hielt sich während dieser halben Minute in Grenzen. Dann war es aus mit der vermeintlichen Ruhe, wer bisher auch immer gedacht hatte, er sei vom Lärm der Landesstraße im Ort besonders betroffen, wurde von den Allerts eines Besseren belehrt: Wenn die Lkws nach der letzten Kurve in Richtung Mellendorf beschleunigen, wackeln bei den Allerts die Wände.
„Morgens ab 4.00 Uhr machen wir kein Auge mehr zu wegen des Lärms“, erklärte Annet Allert die Situation. Den Strandkorb in der Terrassenecke habe sie auch nur ein paar Mal in den vergangenen Jahren genutzt. „Das geht nicht“, sagte sie, „der Lärm, den der Schwerlastverkehr verursacht, grenzt an Körperverletzung“. Die geladenen Gäste hörten aufmerksam zu, einige sogar so aufmerksam, dass sie eine Hand hinters Ohr legten, um jedes Wort der jungen Frau verstehen zu können. Der Lärm hatte wieder so deutlich zugenommen, dass die Schallwellen sogar den Kaffee in den Tassen leicht „simmern“ ließen. Sie hätten sogar schon versucht, ihre Standortfrage neu zu regeln über den Verkauf ihres Hauses. Es hätte sich aber kein Käufer für das von Keller bis Dach voll renovierte Objekt finden lassen. „Die haben alle wegen des Lärms abgewunken“.
Es war eine bunt gemischte Gesellschaft zu den Allerts gekommen, Ortsbürgermeister Heiner Neddermeyer, CDU, war dabei, ebenso der Vorsitzende der Christdemokraten, Hermann Wöhler, Torsten Riekenberg, Vorsitzender der CDU Stadtratsfraktion, Gisela Giesche-Lazar, Ratsherrin der SPD, FDP-Ratsherr Heinrich Gremmel, Birgit Kessler von der Bürgerinitiative für eine Umgehungsstraße, Fritz Garms von der BI gegen eine Umgehungsstraße, Andreas Witte als Ortsratsherr der CDU, Carsten Möhlenbrink von der SPD, einige Nachbarn der Allerts. Es war angesichts der Gesprächssituation klar, dass alle hier Fuhrbergs größtes Problem im wahrsten Sinne des Wortes erleben sollten.
Die Begrenzung des Verkehrs nachts auf 30 Km/h bezeichnete der Gastgeber als Tropfen auf den heißen Stein. Die Polizei habe zwar versichert, die Einhaltung des Tempos zu überwachen, aber es sei ihm auch klar, dass das bei der dünnen Personaldecke des Kommissariates nicht kontinuierlich machbar sei. „Wir können uns alle vollkommen darüber sicher sein, dass die Verkehrsbelastung im Orts weiterhin stetig steigen wird“, prophezeite Torsten Allert seinen Gästen. „Man darf davon ausgehen, dass die Maut für LKW auf Bundesstraßen kommt. Der Staat braucht Geld und wird mit dieser Maut einen weiteren Verdrängungsprozess zu Lasten der L 310 in Gang setzen“, befürchtete er. Auch einer angedachten Entlastung der Fuhrberger Ortsdurchfahrt infolge des Ausbaus der Umgehungsstraßen in Celle wolle er nicht folgen. Er teile allerdings auch nicht die jetzt anhängigen Planungen für eine Umgehungsstraße, wie sie im Frühjahr im Raumordnungsprogramm festgeschrieben worden sind. Der Verkehrslärm dürfe nicht auf die Anlieger des Ortsrandes verlagert werden, es müsse in Sachen Ortsumgehung eine für alle akzeptable Lösung gefunden werden.
Gisela Giesche-Lazar hakte an diesem Punkt ein und versuchte zu erläutern, dass die gegenwärtigen Planungen keinesfalls nach dem St. Floriansprinzip gelaufen seien. Die relativ eng am Ortsrand verlaufende Trassenplanung trage dem Geldmangel des Landes Rechnung und darüber hinaus stelle sie angesichts der hohen Kraftstoffpreise auch sicher, dass die Kraftfahrer die neue kurze Umgehung dann eher nutzen würden als eine längere. Ortsbürgermeister Heiner Neddermeyer trat noch einmal für die so genannte Fernstraßenlösung ein und Hermann Wöhler belehrte, dass die politische Willensbildung sich im Raumordnungsprogramm manifestiere. Das Land habe kein Geld, die Umgehung komme nicht und die politische Entscheidung bleibe. Er verspreche sich eine leichte Linderung des Problems z.B. durch Schallschutz.
Torsten und Annet Allert hatten wohl etwas anderes erwartet. „Wir müssen unsere Kräfte bündeln und wenn die CDU nicht mitzieht, dann werden wir Euch bei der nächsten Kommunalwahl abwählen. Wir sind enttäuscht. Ich denke, wir sollten alle an einer großen Lösung arbeiten“, sprach Torsten Allert sein Schlusswort. Die Vertreter der CDU an der Kaffeetafel hatten Glück und konnten das klar und deutlich verstehen. Der Verkehrslärm war gerade wieder für einige Sekunden zurück gegangen.