Kunstprojekt im Alten Park: „Es ist angebrandet“

Generationsübergreifendes Kunsterlebnis: Die Burgwedeler trafen sich an den Kanus und begannen zu basteln. Es war ein Kunsterlebnis, das Gemeinschaft, Teilhabe und neue Räume erlebbar machte. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Heinz Visel, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Burgwedel, begrüßte die Besucher der Vernissage mit humorvoller Rede. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Gelungene Vernissage, die zu einem „Bastelabend“ wurde

GROSSBURGWEDEL (hhs). Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Burgwedel, Heinz Visel, ist für seinen hintergründigen, feinsinnigen Humor bekannt. Ihm kam am Samstagabend die ehrenvolle Aufgabe zu, das Kunstevent „anbranden“ zu eröffnen.
Mit zweiwöchiger Verspätung, denn zum eigentlich geplanten Termin herrschte ein Unwetter über Großburgwedel und machte alle Hoffnungen zunichte, die fragilen Kunstobjekte unversehrt in luftige Höhen zwischen den Bäumen im Alten Park zu platzieren. Vor 14 Tagen hatten die Künstler und ihre Helfer um den Vorsitzenden des Kunstvereins Burgwedel-Isernhagen, Stefan Rautenkranz, am eigenen Leibe gewissermaßen sinnlich erfahren, dass das Wetter eine ganze Menge mit dem Titel des Events zu tun hatte: „anbranden“ ist der Terminus, den man an den Küsten verwendet, wenn Wasser mit Urgewalt auf Land trifft.
Am vergangenen Samstag blieb es trocken im Alten Park, pünktlich um 19.00 Uhr füllte sich das Areal, und es kamen so gut 200 Mitbürgerinnen und Mitbürger, um bei „anbranden“ von Beginn an dabei zu sein. Heinz Visel ging kurz auf die Bedeutung des Wortes „anbranden“ ein. Es sei ein Verb, sagte er, aber welchen Inhalts es sei, habe sich ihm nicht so recht erschlossen. Der Duden habe ihm nicht viel dabei geholfen, (Am Ort, wo eigentlich „anbranden“ hätte stehen können, finden sich „anbrassen“, Segel in Längsrichtung stellen, und „anbraten“). Es gehe um die Gewalt des Wassers, und weil alle Anwesenden schon zwei Wochen auf „anbranden“ gewartet hätten, wolle er keine langen Reden halten. „Lasst uns endlich anbranden“, forderte er die Runde auf, und dafür gab es eine Menge Beifall.
Auch Stefan Rautenkranz wollte die Besucher nicht lange auf die Folter spannen. Es handele sich bei diesem Kunstprojekt der beiden hannoverschen Künstler Franz Betz und „della“ um partizipative Skulpturen. Die Besucher seien aufgefordert, wie es „partizipativ“ ausdrückt, mitzuwirken, teilzuhaben, dadurch neue Räume, Eindrücke und Perspektiven zu gewinnen. Dann ging es los, die Burgwedeler strömten zu den drei im Alten Park aufgestellten Kanus. Darin befanden sich die von „della“ und Betz vorbereiteten Einzelteile, die den Teilen eines Puzzles ähnelten und zusammengesteckt werden konnten, auf viele verschiedene Weisen, dazu Gummibänder, mit denen die Teilchen fixiert werden konnten, damit sie zwischen den Bäumen im Wind hängen, und nicht dessen Opfer werden.
Dieses Kunstprojekt findet im Rahmen der Gartenregion 2012 statt, deren Einzelveranstaltungen in der Region in diesem Jahr unter dem Motto „Wasserspiele“ stehen. Anbranden ist ein an den Küsten benutztes Wort, wenn das Wasser bei Flut in hohen Wellen ans Ufer schlägt. Es hat etwas von gewaltiger, urtümlicher Kraft und Wildheit und die Küstenbewohner benutzen diesen Terminus nur, wenn die Wellen zwei Meter Höhe und darüber erreicht haben. Alles, was auf dem Wasser schwimmt, brandet mit an, man nennt es Treibgut oder Strandgut. Man sammelt es ein, verwendet es neu, baut etwas daraus.
Franz Betz und della sehen den Bezug von Altem Park und dem Motto Wasser darin, dass hier am Ausstellungsort vor ein paar Tausend Jahren auch Wasser an gebrandet ist, mit Macht, nach der Eiszeit.
Bemerkenswert, wie schnell sich generationsübergreifende Gruppen an den drei Kanus zusammen fanden und mit dem Aneinanderpassen der Teile begannen. Immer dichter rückten die Burgwedeler an den Kanus zusammen, sie kamen miteinander ins Gespräch, halfen sich gegenseitig, hielten zusammen die Teile und fixierten diese mit den Gummibändern.
Während sich anfangs einige noch vornehm zurückhielten und dem klassischen Jazz von „Hot 4 Jazz“ lauschten, waren eine halbe Stunde später alle in die Aktion eingebunden. Es wurde zu einem Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art.
Etwas Besonderes ist zur Finissage am 31. August geplant, dann werden die Einzelteile im Rahmen einer Kunstauktion versteigert. Dazu haben sich die Veranstalter der Mithilfe eines Prominenten versichert: Andreas Kuhnt, ehemals Moderator bei Radio ffn und Pressesprecher bei Hannover 96 wird die Teile für einen sozialen Zweck unter den Hammer bringen.
Zudem werden weitere Arbeiten der beiden Künstler Franz Betz und della im KulturKaffee Rautenkranz in Isernhagen FB, Hauptstraße 68, präsentiert werden.