Kunst in Bewegung setzt sich gegen mieses Wetter durch

Heidrun Schliekers Bilder aus dem ländlichen Bereich, insbesondere ihre „Hühner“ und „Schweine“ fanden so manchen Liebhaber. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Eine spannende Bandbreite seiner kunstlerischen Be- gabung prasentierte der Burgwedeler Klaus Muller im Rathaus: „Der Erfolg zeigt sich erfahrungsgemaß erst Wochen nach der Ausstellung“.

Weniger Besucher, aber dafür weitaus mehr Gespräche

BURGWEDEL (hhs). KiB hat am vergangenen Wochenende weitaus weniger Menschen in Bewegung gesetzt als in den Vorjahren. Die Ursache dafür ist schnell ausgemacht: Das hundsmiserable Wetter an beiden Tagen. Die Künstlerinnen und Künstler gaben, auch wenn man das Ergebnis nur als „stichprobenartig“ bezeichnen kann, an, es seien in etwa nur die Hälfte der Besucher der Vorjahre unterwegs gewesen, und die wenigsten von diesen, verständlicherweise, mit dem Fahrrad.
Dieses „Radwandern“ von Station zu Station, von Ortschaft zu Ortschaft war in den Vorjahren ganz wesentlicher Bestandteil der Konzeption für diese außergewöhnliche Kunstaktion gewesen, dieses Jahr zeigt: Es geht auch so, KiB hat sich etabliert, und niemand zeigte sich am Sonntagnachmittag richtig traurig über weniger Besucher. Vielmehr sahen die meisten Aussteller und Ausstellerinnen den positiven Aspekt: Sie hatten mehr Zeit, um mit ihren Gästen zu sprechen.
Rund 80 Künstlerinnen und Künstler nahmen in diesem Jahr an KiB teil und es war eine gut gelungene Mischung aus beinahe allen Segmenten künstlerischen Schaffens: Malerei, Grafik, Skulpturen aus Holz und Stein, Gebrauchskunst und Dekorationen aus Stoff, Glaskunst, Keramik, Fotographie, Mangas, Objekte, Schmuck und Goldschmiedearbeiten, Textiles. Schade eigentlich nur, dass die beiden etwas abgelegenen Ortsteile Burgwedels, Fuhrberg und Oldhorst, am Wochenende nicht in die Planungen für mögliche Kunsterlebnistouren durch Burgwedel nicht eingeplant werden mussten: Hier stellte im Rahmen von KiB niemand aus. Man erinnere sich an die Premiere von KiB im Jahr 2006: Der einzigartige Präsentationsort auf dem Hof Trumpa in Oldhorst zum Beispiel ermöglichte damals einen ganz besonderen Blick auf „Kunst“. Ressourcen an geeigneten Möglichkeiten gibt es in Hülle und Fülle in allen Ortschaften, sie sollten wieder stärker erschlossen werden.
Die Künstlerinnen und Künstler waren mehrheitlich zufrieden mit dem Verlauf der Aktion. Einige beklagten zwar „mangelnden Umsatz angesichts der hohen Teilnahmegebühren bei KiB“, doch die „alten KiB-Hasen“ hielten etwas dagegen: In den meisten Fällen falle die Entscheidung, eine Arbeit für die eigenen vier Wände zu Hause zu erwerben, erst nach längeren Gesprächen im Kreise der Familie, wussten einige aus Erfahrung. Dieses Folgegeschäft sei eigentlich die Würze. Nur selten erlebe man als Aussteller „die Liebe auf den ersten Blick“ zu einem Werk. Und das könne dann für alles zu einem beeindruckenden Erlebnis geraten. Heidrun Schlieker hat das zwei Stunden vor Toresschluss im Feuerwehrhaus Kleinburgwedel erlebt. Ein junges Paar hatte sich offenbar in eines ihrer Hühnermotive verliebt und die Diskussion der beiden drehte sich eigentlich nur darum, ob das Huhn nicht besser nach links schauen sollte. Die Künstlerin drückte den beiden das Bild in die Hand, sie sollten es zu Hause ausprobieren. Eine halbe Stunde später war die junge Frau wieder da, ohne Bild. Es hing offenbar schon an seinem Bestimmungsort. So sieht der Idealfall aus.
Nach 18.00 Uhr am Sonntag brachten die Ausstellenden jeweils noch eines ihrer Werke ins Rathaus, wo diese stellvertretend für KiB 2011 gewissermaßen als Retrospektive bis Ende Juli zu sehen sind. Das Organisationsteam hängte die Bilder noch am Abend auf. Britt Buvrin-Wolff und Christina Jehne, die beide selbst ausgestellt hatten, zogen ein positives Fazit: Es sei wie bei Freibad und Eisdiele, erst bei schlechtem Wetter könne man den harten Kern der KiB- Fans erkennen. Es sei für sie eine schöne und entspannte Präsentation mit vielen guten Gesprächen gewesen. Martin Vietmeyer fand es schade, dass die Fahrradtouren ausgefallen sind und die Besucher so unterwegs nicht wie in den Vorjahren miteinander über Kunst kommunizieren konnten. „Nach KiB ist vor KiB“, drückte er es in Anlehnung an den ehemaligen Bundestrainer Sepp Herberger sibyllinisch aus. Herbergers Markenzeichen war, dass er beim nächsten Spiel alle Schwachstellen des letzten abgestellt hatte. Man darf gespannt sein.