Künftig ein Netzwerk der Kommunalpolitikerinnen?

Die Kandidatinnen blieben unter sich - diejenigen, die bereits ein Mandat ausüben, und die anderen, die den Schritt in die Politik wieder oder bei dieser Wahl ganz neu wagen wollen. (Foto: Renate Tiffe)

Gleichstellungsbeauftragte hatte zu einem Treffen eingeladen

ALTWARMBÜCHEN (ti). Für die Kommunalwahlen am 11. September müssen bis zum 25. Juli die Wahlvorschläge eingereicht werden. Die Parteien formieren sich und sind dabei, ihre Kandidatenlisten aufzustellen. Was liegt näher, als den Wählerinnen die Kandidatinnen vorzustellen, die künftig ihre Interessen in den Ortsräten und im Gemeinderat vertreten? Zu einem informativen Treffen hatte die Gleichstellungsbeauftragte Mona Achterberg eingeladen.
Allerdings: die Stuhlreihen im Ratssaal blieben leer. Nicht eine einzige Frau fand sich ein. So blieben die Kandidatinnen unter sich - diejenigen, die bereits ein Mandat ausüben, und die anderen, die den Schritt in die Politik wieder oder bei dieser Wahl ganz neu wagen wollen.
Wie die Vorstellungsrunde ergab, ist die Mehrzahl von ihnen „auf dem klassischen Weg“ zur Politik gekommen. So nannte es Gudrun Krone-Höpfner, die seit 10 Jahren Mitglied der SPD-Fraktion im Gemeinderat ist. D. h über die Elternarbeit in Kindergarten und Schule wurde das Interesse an der Politik geweckt. Das traf auch für Almut Bröker-Peters zu, die sich inzwischen einen Namen im Umweltschutzverein gemacht hat und nun bei den „Grünen“ kandidieren will. Als Parteilose will Melanie Baehre-Voltmer in der CDU starten, ebenso wie Bettina Arndt. Zwei Wiedereinsteigerinnen stellten sich bei den Grünen vor, Christiane Müller-König und Heidrun Lemke. Auch Ellen Scholz, die erst seit ihrer Pensionierung in Altwarmbüchen wohnt, will sich künftig stärker in der Ökopartei engagieren. Klare Vorstellungen für die Wahl hat offenbar Marlies Helfers. Nach der Familien- und Berufsphase will die SPD-Frau nun für den Ortsrat Altwarmbüchen kandidieren, auch als Ortsbürgermeisterin, wie sie betonte.
Seit 15 Jahren Ortsbürgermeisterin in Kirchhorst und erste stellvertretende Gemeindebürgermeisterin ist die Christdemokratin Dr. Renate Vogelgesang. Sie kandidiert wieder. In der Kommunalpolitik spielten Parteien keine große Rolle, bemerkte sie. In Kirchhorst fielen fast alle Entscheidungen einstimmig. Die Hauptsache sei, dass überhaupt gewählt wird.
Der Weg von Monika Dehmel in die Politik begann schon in der Schulzeit. Sie sei 1972 geboren und habe viele Dinge im Kopf gehabt. Die Wiedervereinigung sei ihr wichtig gewesen. „Die Gleichberechtigung war da“, so die CDU-Frau. Was sofort den Widerspruch von Heidrun Lemke und Gudrun Krone-Höpfner hervorrief. Die Debatte lief an: Stichworte „gleicher Lohn“ und „gleiche Karrierechancen für Frauen“. „Man muss an die Wirtschaft herantreten“, äußerten Frau Vogelgesang und Frau Müller-König übereinstimmend. Das Thema „Quote“ war da nicht mehr weit. Die Meinungen waren unterschiedlich. Die Quote sei gut, um Strukturen aufzubrechen, erläuterte die Gleichstellungsbeauftragte ausgleichend. Und lenkte dann die Aufmerksamkeit auf die Teilhabe der Frauen in der Isernhagener Gemeindepolitik. Zwar seien in fünf von sieben Ortsteilen Frauen Ortsbürgermeisterinnen. Im Gemeinderat seien aber von 34 Ratsmitgliedern nur 12 Frauen. In den Ortsteilen sei ihr Anteil unterschiedlich, aber auch nicht gerade „prickelnd“.
Die mangelnde Erfahrung von Frauen in der Öffentlichkeit hält viele von ihnen ab, sich politisch zu betätigen. Um denjenigen, die demnächst gewählt werden, den Rücken zu stärken, schlug Christian Müller-König nach der Wahl ein weiteres Treffen vor. Und lief damit bei allen Teilnehmerinnen offene Türen ein. „Ein Netzwerk sollte her“, fügte Renate Vogelgesang hinzu. „Gute Anregung“, meinte Mona Achterberg „die Männer treffen sich sowieso immer“.