Kommt die Drehleiter?

Übungseinsatz der Großburgwedeler Feuerwehr im April 2019: Die Personenrettung wäre für die Atemschutzgeräteträger über eine Drehleiter einfacher durchzuführen.
 
Im Stadtgebiet gibt es 50 Gebäude der Klasse vier mit einer Höhe von über 11,5 Metern. Bei der Feuerwehr-Übung auf dem Gelände der Firma Rosenhagen reichte noch eine herkömmliche Leiter, bei höheren Gebäuden kommt eine Drehleiter zum Einsatz.

Einigung erzielt: Feuerschutzausschuss spricht sich für Anschaffung eines Hubrettungsfahrzeuges aus – Vorführmodell kostet 700 000 Euro: „So können wir bei gleicher Technik Geld sparen“

GROSSBURGWEDEL (bgp). Im Feuerschutzausschuss wurde am Dienstag ein Etappensieg nach langjährigem Ringen erzielt: Einstimmig sprachen sich die Mitglieder für die Anschaffung eines Hubrettungsfahrzeugs mit Drehleiter aus. Der endgültige Beschluss steht im Rat zwar noch aus, doch nach eingehender Beratung in den zuständigen Gremien dürfte der Anschaffung nichts mehr im Wege stehen. „Ich freue mich für die Bewohner Burgwedels, dass wir ein weiteres Rettungsmittel haben“, kommentierte der Großburgwedeler Ortsbrandmeister Carsten Rüdiger den Ausgang der Sitzung.

Im letzten Jahr hatte das Stadtkommando einen Antrag vorgelegt, der seitens der Verwaltung unterstützt wurde. Die Anschaffung einer Feuerwehr-Drehleiter traf jedoch im Fachausschuss nicht auf genügend Zustimmung, obwohl der Feuerwehrbedarfsplan eine Verbesserung der Einsatzfähigkeit bescheinigte. Die Forschungs- und Planungsgesellschaft für Rettungswesen (Forplan) aus Köln war von der Stadt Burgwedel mit der Erstellung des Feuerwehrbedarfsplans beauftragt worden. Darin wurde die Vorhaltung einer Drehleiter zwar nicht als zwingend notwendig eingestuft, aus Sicht der Experten erhöht sich damit aber maßgeblich das Sicherheitsniveau für Bevölkerung und Einsatzkräfte.

Im März 2019 legte die SPD/WEB/Die Partei-Gruppe einen erneuten Antrag bei der Stadt Burgwedel vor. Sie hatte den ersten Antrag des Stadtkommandos bereits befürwortet und erlebte mit der Ablehnung eine herbe Enttäuschung. Die CDU-/FDP-Gruppe hatte sich damals gegen eine Anschaffung ausgesprochen und argumentierte mit verbesserten Rettungswegen und Präventivmaßnahmen wie Rauchmeldern, hohe Kosten spielten ebenfalls eine Rolle. Der aktuelle Antrag brachte jedoch Bewegung in die Debatte: Jürgen Schodder (CDU) betonte, dass die Argumente gegen eine Drehleiter zwar nach wie vor Bedeutung hätten, sich aber in puncto Arbeitssicherheit ein neuer Schwerpunkt aufgetan hätte, der damals noch nicht in der Form berücksichtigt worden sei. So nahm er die von der Feuerwehr angemahnte Erhöhung der Sicherheit für aktive Kameradinnen und Kameraden im Einsatz zum Anlass, für die Drehleiter zu stimmen.

Friedrich Wolff von den Unabhängigen stand der kostenintensiven Anschaffung skeptisch gegenüber: „Die Feuerwehr soll bestmöglich ausgestattet werden, aber der Sparstrumpf ist leer.“ Als Inhaber eines Grundmandats war er jedoch nicht stimmberechtigt und hatte keinen Einfluss auf die Abstimmung.

Vor dem Hintergrund eines Wohnungsbrandes in einem Mehrfamilienhaus im Großburgwedeler Steinkamp verwies Ausschuss-Mitglied Stephan Degenhardt (SPD) auf ein Zusatzgutachten, in dem 50 Gebäude der Klasse vier mit mehr als 11,5 Metern Höhe im Stadtgebiet ermittelt wurden. „Das war uns in der damaligen Diskussion noch gar nicht bewusst“, unterstrich er den neuen Antrag. Bei dem Brand wurde eine Drehleiter aus Langenhagen angefordert, im Nachhinein hatte sich jedoch herausgestellt, dass für den Bewohner höchstwahrscheinlich auch mit einer Burgwedeler Drehleiter keine Rettung mehr möglich gewesen wäre. Der Nutzen sei trotzdem nicht von der Hand zu weisen, vor allem Atemschutzgeräteträger könnten bei der Personenrettung und Brandbekämpfung wesentlich schneller und sicherer handeln, so die Argumentation der Fachleute aus Feuerwehrkreisen.
Nun könnte die Anschaffung schneller als gedacht vonstatten gehen. Der Ausschuss folgte dem Vorschlag, ein Vorführmodell anzuschaffen, das mit rund 700 000 Euro zu Buche schlagen wird: „So können wir bei gleicher Technik Geld sparen.“ Stadtbrandmeister Ingo Motl signalisierte die Bereitschaft, sich intensiv um die Beschaffung zu kümmern. Im nächsten Jahr finde die Messe Interschutz in Hannover statt, dort gebe es sicherlich Fahrzeuge, die in Frage kämen: „Geben Sie mir den Auftrag, geben Sie mir die Mittel, dann fahre ich damit nach Hause“, merkte er humorvoll an.
Die Erleichterung darüber, dass die langwierige und kontroverse Debatte ein gutes Ende gefunden hat, war allen anzumerken. Auch wenn die finalen Beschlüsse noch ausstehen: Nach der positiven Abstimmung brandete Applaus durch den voll besetzten Amtshof.