„Kinder im Blick“

Sie sind Experten für das zertifizierte Programm „Kinder im Blick“ (v. l.): Die Therapeuten Volker Berz und Beate Menius. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Kursangebot hilft Eltern in Trennung, die Bedürfnisse ihrer Kinder wahrzunehmen

BURGWEDEL/ISERNHAGEN FB (bgp). „Für manche ist eine Trennung die größte Krise ihres Lebens“, verdeutlicht Familientherapeut Volker Berz die einschneidenden Erlebnisse der Menschen, mit denen er und seine Kollegin Beate Menius im Arbeitsalltag der Lebensberatungsstelle für Burgwedel, Isernhagen und Wedemark überwiegend befasst sind.
Haben diese Kinder, sei es oft noch schwieriger, einen Konsens zu finden, da die Partner nach der Trennung zwar kein Paar mehr seien, aber dennoch Eltern blieben. Das sei eine der größten Herausforderungen, die neben Streitigkeiten, Stress und finanziellen Problemen in Trennungssituationen zu bewältigen sei. Vor dem Hintergrund all dieser Negativerlebnisse verlören die Eltern oft das Gespür für ihren Nachwuchs, der unter der Situation besonders leidet, erklärt Menius.
Hier hakt das neue Angebot „Kinder im Blick“ der Lebensberatungsstelle ein. Volker Berz und Beate Menius haben sich im vergangenen Jahr fortgebildet und das zertifizierte Konzept erarbeitet. Dazu mussten sie im Rahmen eines Rollenspiels jede Perspektive in der späteren denkbaren Konstellation einnehmen und für eine Weile beibehalten: die des Therapeuten, der Eltern und der Kinder.
Das schärfe den Blick für die wesentlichen Dinge, die man für die jeweiligen Beteiligten berücksichtigen müsse, so das Therapeutengespann, das im Oktober mit dem ersten Kursabend in der Lebensberatungsstelle in Isernhagen FB starten wird.
Der Kurs soll Eltern helfen, ihre Kinder und deren Bedürfnisse mehr wahrzunehmen und trotz der schwierigen Situation eine gute Beziehung zu ihnen zu pflegen. Das Konzept orientiert sich an einem festgelegten Ablauf, der vom Familiennotruf München und dem Team der Ludwig-Maximilians-Universität München in Kooperation entwickelt wurde und dauerhaft wissenschaftlich begleitet wird.
Der wissenschaftliche Hintergrund begleitet das lebensnahe Konzept, das sich am Alltag der Menschen in Trennungssituationen orientiert. Die Teilnehmer erhalten eine Elternmappe, die klar strukturiert und gut nachvollziehbar ist. Sie dient als Arbeitsgrundlage für die im Kurs besprochenen Lösungswege und hilft, alles zuhause noch einmal in Ruhe nachvollziehen zu können. Um einem möglichst entspannten Rahmen zu schaffen, ist die Teilnehmerzahl auf maximal zehn Personen begrenzt.
„Es nimmt auch immer nur ein Elternteil am Kurs teil“, erklärt Beate Menius und verweist darauf, dass in der Gruppe übermäßige Konflikte, die in Trennungssituationen meist vorherrschten, vermieden werden könnten. Idealerweise mache sich jedoch der andere Elternteil parallel oder zu einem späteren Zeitpunkt mit dem Konzept „Kinder im Blick“ in einem Kurs vertraut.
An sieben Abenden beschäftigt sich die Gruppe mit grundlegenden Fragen, die sich um die positive Gestaltung der Beziehung zum Kind drehen. Die Bedürfnisse der Eltern werden dabei ebenfalls berücksichtigt, indem sie Tipps bekommen, wie sie Stress vermeiden oder den Kontakt zum anderen Elternteil im Sinne ihres Kindes gestalten können.
Anhand von kleinen „Hausaufgaben“ findet ein Austausch mit anderen Teilnehmern der Gruppe statt. Auch das ist wichtiger Bestandteil des Konzeptes, mit dem die Menschen in der Krise erfahren, dass sie nicht allein sind und es anderen ebenso ergeht.
Vor der Teilnahme an „Kinder im Blick“ oder einem anderen Angebot steht ein ausführliches Anmeldungsgespräch von 30 bis 60 Minuten mit den Fachkräften der Lebensberatungsstelle. Termine dazu werden zügig vergeben und dann geklärt, welches Angebot am besten für die jeweilige Situation zugeschnitten ist. In Familien, die sich für „Kinder im Blick“ interessieren, sollte das jüngste Kind mindestens drei Jahre alt sein, das älteste maximal etwa 12 Jahre, da das Konzept in erster Linie auf Elternteile dieser Altersgruppe und deren Bedürfnisse abgestimmt ist.
„Kinder im Blick“ startet am 23. Oktober 2018 von 18.00 Uhr bis 21.00 Uhr in der Lebensberatungsstelle (Am Lohner Hof 7, 30916 Isernhagen FB). In einer zwanzigminütigen Pause werden Getränke und ein kleiner Imbiss gereicht. Die Umlage für die Elternmappe und den Imbiss beträgt 30 Euro. Sollte die Finanzierung Schwierigkeiten bereiten, werde im Anmeldegespräch nach Lösungen gesucht, versichern die beiden Therapeuten.
Eine vorherige Anmeldung ist unbedingt erforderlich. Termine zum Anmeldungsgespräch werden ab sofort vergeben. Weitere Informationen zu „Kinder im Blick“ und dem gesamten Angebot sowie Öffnungszeiten sind auf der Webseite der Lebensberatungsstelle unter www.dielebensberatungsstelle.de nachzulesen. Terminanfragen für die Anmeldegespräche sind bei der Lebensberatungsstelle telefonisch unter 0 51 39-89 28 28 oder per E-Mail unter info@dielebensberatungsstelle.de möglich.