„Kinder haben Rechte“

Claudia Strudthoff (l.) und Enkelin Hannah Giesche (4 Jahre) kamen zum Aktionstag für Kinderrechte in der Pestalozzi-Stiftung.
 

Pestalozzi-Stiftung feierte den 30. Jahrestag der UN-Kinderrechte mit Aktions-Tag

GROSSBURGWEDEL (bgp). „Wisst ihr eigentlich, dass es erst seit dem Jahr 2000 in Deutschland verboten ist, Kinder mit Schlägen zu erziehen?“, fragte Vorstandssprecher Claus Fitschen die überraschten Gäste zum Aktionstag für Kinderrechte in der Pestalozzi-Stiftung. Das Team um Organisatorin Andrea Bohm-Ziemba hatte zum Mitmach-Tag in der Stiftung eingeladen und informierte an vielen Aktionsständen über die Rechte von Kindern und Jugendlichen auf Basis der 1989 geschlossenen UN-Kinderrechtskonvention mit rund 200 Mitgliedsstaaten.

„Es ist wichtig, dass wir diesen Tag begehen“, betonte Fitschen und verwies auf frühere Zeiten, in denen Schläge als probates Mittel der Kindererziehung noch an der Tagesordnung waren. „Kinder mit ´nem Bock, kriegen was mit dem Stock“ habe es geheißen. „Kinder haben Rechte“, sagte er und betonte, dass diese erfreulicherweise wenigstens in Teilen in Deutschland schon gesetzlich verankert seien, wie etwa das „Recht auf Spielen“. In einem Urteil stehe nun festgeschrieben, dass spielende Kinder „keine Lärmbelästigung“ seien. Kindergärten könnten demnach problemlos auch in Wohngebieten gebaut und betrieben werden, das sei schon ein Fortschritt, so Fitschen. Allerdings wünsche er sich, dass in Zukunft Kinderrechte auch im Grundgesetz aufgenommen werden würden: „Schließlich ist der Tierschutz schon lange im Grundgesetz verankert, Kinderrechte jedoch nicht.“

Unter den Besuchern des Mitmach-Tages war auch Claudia Strudthoff aus Fuhrberg. Die Mitarbeiterin der Pestalozzi-Stiftung hatte ihre vierjährige Enkelin Hannah Giesche mitgebracht. Über ihren Köpfen schwebte ein großes Bündel bunter Helium-Luftballons mit Bändern, an denen die Kinder eine Karte mit ihren „Lieblingsrechten“ anknoten durften. Nach Freigabe durch die Flugsicherung ließen alle ihre Ballons als "Farben der Hoffnung" in den grauen Novemberhimmel entschweben. „Wir sind hier, weil uns die Kinderrechte so wichtig sind“, erklärt Strudthoff und streichelt Hannah sanft über den Kopf. Neben vielen anderen Kinderrechten wünsche sie sich vor allem „gewaltfreie Erziehung, das Recht auf Bildung und Gesundheitsfürsorge für alle Kinder“. Für den Aktionstag habe ihre Enkelin sogar einen Schokoladenkuchen mit bunten Streuseln gebacken, verkündete die stolze Großmutter freudig.

Niklas Lipka vom Jugendhof erwartet an einem großen Tisch in der Aula der Pestalozzi-Schule die ersten Gäste. Vor ihm steht ein großes „Glas voller Energie“, so die Aufschrift. Dort können die Kinder aufschreiben, welche Energieformen sie im Alltag nutzen und wahrnehmen. Hinterher werde alles ausgewertet, so Lipka. Der zwölfjährige Jonas lebt in einer Wohngruppe der Stiftung und betreut den Stand: „Was brauchen Kinder?“ Seine jüngere Schwester Mia schreibt auf einem Papierbogen, was ihr persönlich ganz wichtig ist: „Eltern, Freunde, ein Haus und eine Bettdecke und natürlich Eis“, zählt sie versonnen lächelnd auf.
An einer anderen Station überlegen die jungen Besucher beim „Mitrede-Check“, wie viel Anteil sie an Entscheidungen in der Familie oder der Schule haben. Sie machen sich auch Gedanken, was gut läuft und wo es noch besser werden könnte.

Das Thema Jugendschutz bewegt die Eltern, die am Tisch bei Polizeihauptkommissarin Linda Osterbrink vorbeischauen. Sie informiert gemeinsam mit Kommissarsanwärterin Sofie Lentz, welche Regelungen zurzeit gelten. Klar wurde auch, dass nicht alles gesetzlich festgelegt ist: „Letzten Endes müssen die Eltern selbst entscheiden“, so Osterbrink. In deren Ermessen läge es, wie viel sie ihren Kindern zutrauten, altersgerechte Eigenverantwortung zu übernehmen.
Die beiden Polizistinnen sprachen mit den Gästen auch über „Sicherheit im Medienalltag“, da mittlerweile sogar Grundschüler Messengerdienste nutzten, die eigentlich erst ab 16 Jahren erlaubt seien. Die Kinder müssten wissen, dass sie nicht einfach Fotos von Klassenkameraden an andere Personen senden dürften, so Osterbrink.

Deutlich wurde am Aktionstag, dass sich die Betreuerinnen und Betreuer für die Stationen unzählige Gedanken gemacht hatten, die sich um das Wohl der Kinder drehten. „Was belastet dich?“ stand auf dem Bogen, der sich mit seelischen Gesundheitsaspekten befasste. Die Fragen nach Fairness von Lehrern oder ob Eltern bei Problemen zuhörten, sollten auf der Skala von „- 3, nein, gar nicht“ bis hin zu „3, ja total“ beantwortet werden. Eingeräumt wurde auch, dass nur wenige Eltern wirklich wahrnähmen, wenn ein Kind überfordert oder gestresst sei. Kinder trauten sich oft nicht, ihren Eltern zu sagen, dass der Druck zu hoch sei, so der Text. Für diesen Fall regten die Verfasser an: „Wenn dir das Reden schwerfällt, kann manchmal eine Nachricht zu schreiben eine Lösung sein. Egal, ob auf einem Zettel oder als SMS.“