Keine offizielle Gedenkrede am zerstörten Mahnmal

Nur wenige Großburgwedeler hatten den Weg zur Gedenkfeier gefunden, als die Ortsräte Ulrich Meyer und Heinrich Gremmel mit dem Kranz kamen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Bahlo hofft auf Instandsetzung des Mahnmals im kommenden Jahr

GROSSBURGWEDEL (hhs). Die Gedenkfeier zum Volkstrauertag am demolierten Mahnmal auf dem Großburgwedeler Friedhof am Sonntag wurde von der Bevölkerung weitaus geringer frequentiert als in den Vorjahren. Vertreter der Feuerwehr und natürlich der Musikzug waren vor Ort, die Verbände und Kameradschaften ehemaliger Militärangehöriger, einige Vertreter aus Politik und Verwaltung und wenige Mitbürgerinnen und Mitbürger. Ortsbürgermeister Otto Bahlo begrüßte die Gesellschaft und erklärte, weder er noch seine beiden Stellvertreter Heinrich Gremmel und Madeleine Ahlers seien bereit, eine Gedenkrede an diesem zerstörten Mahnmal zu halten.
„Leider können wir heute nicht so tun, als sei nichts passiert“, sagte Bahlo und erinnerte an die Einweihung des Mahnmals vor einem Jahr und die Zerstörung der Glasscheiben mit den Namen der getöteten Großburgwedeler. Die beiden Sandsteinstelen, in denen sich die Scheiben mit den Namen befunden hatten, ragten nun wie Galgen in den Himmel. „Die Opfer sind dadurch nun ein zweites Mal gestorben“, fuhr er fort, wobei zustimmendes Raunen durch die lichten Reihen der Besucher zu vernehmen war. „Ich hoffe, dass das Mahnmal im kommenden Jahr wieder intakt ist“, endete der Ortsbürgermeister und überließ die Gedenkrede Pastorin Bodil Reller von der Kirchengemeinde St. Petri.
Pastorin Reller bezeichnete diesen Gedenktag als „Nachdenktag“ und der Konflikt um das Mahnmal drohe, die Bedeutung dieses Tages zu überdecken. Es sei notwendig, miteinander zu sprechen und zu streiten. Die Toten könnten nur noch schweigen. Die Zeugen der Kriegskatastrophe stürben dahin und man müsse die Frage beantworten, was gehen die Weltkriege die späteren Generationen noch an. Schließlich wurde der Kranz am Mahnmal niedergelegt unter den Klängen des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Großburgwedel. Dann war die Gedenkfeier für alle Opfer von Krieg, Vertreibung und NS-Herrschaft vorüber.