Kaiserwetter am Pfingstsonntag ließ Kleinburgwedels Schützen ins Schwitzen geraten

Auch das „Hoch leben lassen“ nimmt man in Kleinburgwedel wörtlich. Die beiden kräftigen Scheibenannagler erweisen Johannes Mente, Preisträger beim Wettbewerb Junges Volk, die Ehre. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Drei Schuss Salut gab es für jeden Preisträger von den Kleinburgwedeler Vorderladerschützen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Fortsetzung von Seite 1/Günther Heldt ist der 57. Gewinner der Humorscheibe

KLEINBURGWEDEL (hhs). Ruhig und gemütlich ging der Schützenfestsamstag zu ende. Nachdem die Teilnehmer des Umzuges gegen 16.00 Uhr wieder den Festplatz erreicht hatten, warteten Kaffee und Kuchen auf alle und flotte Musik vom Jugendblasorchester Burgwedel. Der Festplatz war gut gefüllt, „Bier, Bratwurst und Brause waren gut nachgefragt“, wie es einer der Zapfer hinter der Theke auf den Punkt brachte. Der Abend ging über in einen Festball mit Show- und Tanzband und auch bei dieser Gelegenheit wollte niemand zu früh nach Hause kommen.
Die Sonne strahlte aus allen Fugen am Morgen des Pfingstsonntages, schon früh wurde es kuschelig warm auf dem Festzelt, wo zunächst die Königsvesper auf der Tagesordnung stand. Und dann geht es immer Schlag auf Schlag in Kleinburgwedel: Um 12.00 Uhr beginnt der große Umzug, um den diesjährigen Majestäten die Königsscheiben nach Hause zu bringen. Mit Musik, versteht sich, in diesem Jahr glänzten der Spielmannszug Kleinburgwedel und die Celler Knappen. Mit dabei natürlich die Vorderladerschützen und eine kleine Gruppe von Männern, die alle eine große, beinahe geschmacklos bunte Fliege zierte. Das sind die Mitglieder des Humorclubs, die beim Umzug immer einen Handwagen mit sich führen, worauf später noch eingegangen wird.
Erste Station war bei Maik Lettau, dem Schützenkönig 2010 in Kleinburgwedel. Hier gab es doppelten Grund zu feiern, denn Lettau wurde am Sonntag 38 Jahre alt. Der traditionelle Ablauf des „Scheibenannagelns“ ist immer der gleiche: Die Kolonne hält, „rechts um“, alles schaut an den Giebel, wo eine Leiter steht. Zwei kräftige Jungs aus dem Ort in Schottenröcken nehmen das Wagnis auf sich, die Trophäe in luftiger Höhe zu flotter Musik anzubringen und sie dann mit Korn zu taufen. Dann lässt man die Majestät „hoch leben“, was in Kleinburgwedel wörtlich nehmen: Die Scheibenannagler werfen den König mehrmals in die Luft, am Sonntag geriet das zu einem Schweiß treibenden Geschäft. Dann folgt der Ehrentanz und drei Schuss Salut von den Vorderladerschützen und schließlich heißt es „Zur Theke weggetreten“. Nach einer halben Stunde geht es weiter, zur nächsten Majestät.
Und die Reihe der Majestäten und die Marschwege dorthin ist lang: Andrea Hennings ist Schützenkönigin in Kleinburgwedel, Bürgerkönigin dieses Jahres ist Miriam Mente, Jungschützenkönigin wurde Stefanie Follmann, Kinderkönigin ist Sandra Follmann. Die Scheibe „Junges Volk“ ziert des Giebel bei Johannes Mente und die Festscheibe hängt bei Kerstin Sonnefeld. Lisa Speckmann ist die Stadtjuniorenkönigin dieses Jahres.
Sind die Scheiben alle ausgetragen und angebracht, dann könnte es eigentlich zurück zum Festplatz gehen. Das aber ist in Kleinburgwedel anders, denn nun kommen die Herren mit den überdimensionierten bunten Fliegen zum Zuge, die Mitglieder des Humorclubs. Ortsbürgermeister und Schützenchef treten in die zweite Reihe, „Keule“, in Kleinburgwedel bekannt wie ein bunter Hund, übernimmt nicht nur das Kommando sondern auch die Führung der Kolonne. Niemand weiß zu diesem Zeitpunkt, wohin es geht, aber jeder, worum es geht: Die Humorscheibe, in diesem Jahr war es die 57., wird zu ihrem Bestimmungsort gebracht. Erst im letzten Moment wird wird dann dem Humorkönig klar, dass es ihn in diesem Jahr erwischt hat. So erging es auch Günther Heldt, als Keule in der Lerchenstraße plötzlich auf seinen Hof abbog. In wohl gesetzten Versen trug Keule dann die Geschichte vor, die zu dieser Ehrung geführt hatte, unter großem Gelächter und starkem Applaus aller Anwesenden.
Humor, Lebensfreude, Geselligkeit und auch Alkohol hätten in der Vergangenheit immer eine große Rolle gespielt bei der Humorscheibe. Früher habe man sie auch Säuferscheibe genannt. Inzwischen sei es aber in Kleinburgwedel so, dass diese Scheibe als ganz besondere Auszeichnung gelte und jeder sie gern erhalten möchte, erläuterte Keule die Hintergründe. 15 Mitglieder habe der Humorclub, das Gremium, das den Preisträger aussuche. Zu diesem Schützenfest habe man auch Friedhelm Leisenberg in den Club aufgenommen, den auch schon unübersehbar die große, bunte Fliege zierte. Günther Heldt freute sich jedenfalls wie ein Schneekönig über seine Humorscheibe. Als Motiv darauf ist ein Mann im Kleiderschrank zu sehen, der sich an der Kleiderstange festhält, einfach mal hingehen, anschauen und nachfragen: Die Geschichte ist wirklich gut!
Auch das Ende des Kleinburgwedeler Schützenfestes sei absolut gelungen, freute sich der Vorsitzende des Schützenvereins am Montag. Das Festzelt sei am Abend ausgesprochen gut besucht gewesen. Die Entscheidung, am Montag einen DJ zu engagieren, sei ein Erfolg, denn die große Zahl junger Leute, die dieses Angebot wieder angenommen hätten, spreche für sich.