Juleica-Ausbildung im Kirchenkreis

Die Teilnehmer und Teamer bei einer Spielsituation im Park. (Foto: Andrea Hesse)
 
Selbstmotivation der Juleica-Teilnehmer in Corona-Zeit. (Foto: Andrea Hesse)

„Ich hatte mir das nicht so intensiv vorgestellt“

Burgwedel/Isernhagen (r/bs). „Ich finde es toll, dass man hier so viele Sachen lernt, ohne dass man überhaupt merkt, dass man lernt“, sagt die 15-jährige Leni.
Sie nimmt an diesem sonnigen Augusttag an der Juleica-Ausbildung des Kirchenkreisjugenddienstes Burgwedel-Langenhagen teil – es ist gerade Präsenzzeit und dank des schönen Wetters kann die Gruppe sich fast den ganzen Tag hindurch im Park aufhalten.
In den Tagen zuvor hatte die Ausbildung überwiegend in Form von Video-Konferenzen stattgefunden: Zweimal täglich saßen Teilnehmer und Teamer  jeweils in einem Drei-Stunden-Block zu Hause vor ihren Bildschirmen – und erlebten auch hier Überraschendes: „Ich habe manchmal gar nicht gemerkt, dass es online war“, erzählt Leni. „Die Zeit ging so schnell rum und ich hatte oft das Gefühl, dass wir alle in einem Raum sind.“
Die Ausbildung zur Juleica, der Jugendleiter-Card, ist im Jahreskalender des Kirchenkreises Burgwedel-Langenhagen ein fester Termin: Regelmäßig bietet Diakonin Anna Thumser sie in Zusammenarbeit mit der Kirchenkreisjugendwartin und einem festen ehrenamtlichen Team in den Osterferien an; seit ein paar Jahren fährt die Gruppe dazu in die Jugendherberge Mardorf am Steinhuder Meer.
Natürlich war auch für 2020 alles längst geplant und gebucht, als die Corona-Pandemie alle Pläne durchkreuzte. „Der Frust darüber war so groß, dass es uns nur mit Mühe gelang, uns selbst für eine andere Form der Ausbildung zu motivieren“, erzählt Anna Thumser.
Daran, dass die Selbstmotivation schließlich gelang, hat auch Nele Kießling Anteil: Die Schauspielerin, Moderatorin und Trainerin machte das Juleica-Team in einem Web-Seminar fit für die Gestaltung und Moderation von Video-Konferenzen – offensichtlich mit viel Erfolg. „Ich habe mir das nicht so intensiv vorgestellt“, erzählt Jannis. „Es gab sowohl bei unseren ‚echten‘ Treffen als auch in den Video-Konferenzen ganz emotionale Momente und sogar die Traumreise hat online funktioniert.“ Er selbst möchte nach der Juleica-Ausbildung als Teamer in der Jugendarbeit seiner Kirchengemeinde mitarbeiten und ist froh darüber, dass er neben den fachlichen Inhalten auch viel über die Arbeit in Online-Konferenzen gelernt hat.
15 Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren nahmen in diesem besonderen Jahr an der Juleica-Ausbildung des Kirchenkreisjugenddienstes teil, und sie alle sind begeistert – vor allem von der Gemeinschaft, die sich trotz Abstand und Online-Arbeit so schnell entwickelt hat.
„Wir haben uns per Video in den Zimmern der anderen umgeschaut; das war sehr persönlich“, berichtet Jonas. Er ist überzeugt davon, dass die Ausbildung ihm nicht nur in der Jugendarbeit in seiner Kirchengemeinde helfen wird, sondern auch in seinem ganz persönlichen Werdegang. Als Teamer möchte er sich für noch mehr Toleranz in der Kirche einsetzen und kann sich vorstellen, am Aufbau einer queeren Jugendarbeit mitzuwirken.
„Obwohl wir einen großen Teil der Ausbildung online gemacht haben, haben wir uns trotzdem gut kennengelernt“, freut sich auch die 15-jährige Antonia. Ihr gefielen insbesondere die sogenannten Break Out Sessions, die Unterbrechung der Arbeit im Plenum durch Phasen in kleinen Gruppen.
Sie ist froh darüber, viel gelernt zu haben, unter anderem über den Umgang mit Konflikten: „Ich weiß jetzt auch, wen ich ansprechen kann, wenn ich als Teamerin Unterstützung brauche“, sagt sie. Johanna unterstreicht diesen Gedanken: „Ich habe festgestellt, dass ich als Teamerin noch Hilfe brauche und bin jetzt total froh über den guten Austausch mit den anderen“, sagt sie.
Video-Konferenzen hält sie auch unabhängig von der Pandemie für sinnvoll: „Das wäre gut für den Austausch über Gemeindegrenzen hinweg – gerade für Jugendliche, die noch nicht so mobil sind.“
Anna Thumser und Dagmar Stoeber sind zum Abschluss der Juleica-Ausbildung geschafft, aber glücklich: „Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so gut werden würde“, sagt Thumser. Sie ist begeistert von ihrem ehrenamtlichen Team, das trotz Ausbildung, Studium oder Beruf alles daran setzte, die neu konzipierte Ausbildung zu begleiten.
Die Diakonin ist auch froh darüber, dass die Arbeit in Form von Videokonferenzen so gut funktioniert hat: „Auch damit sind Gemeinschaftsgefühl und ‚Schwingungen‘ möglich“, hat sie festgestellt – eine Erkenntnis, die vor Beginn des Experiments so gar nicht selbstverständlich erschien.
Eine weitere Überraschung für das Team gab es schließlich im Abschlussgottesdienst in der Langenhagener Elisabethkirche, der von den Jugendlichen völlig selbständig gestaltet wurde: „Sie haben jeden von uns mit einem Gruppenbild in einem wunderschönen Rahmen beschenkt und eine Rede für und an uns gehalten“, erzählt Anna Thumser. „Das hatten wir bisher noch nie.“