Jahrestagung der Kindertagesstätten zum Thema „Bindungsqualitäten stärken“

Mit Beispielen aus der Praxis, wie dem Einsetzen der „klugen Ente“, einem Kuscheltier zum Bestärken und Mutmachen, unterstützte Marita Dobrik ihre Arbeitsgruppe in ihrem erzieherischen Alltag. (Foto: Anna Kentrath)

92 Erzieherinnen und Erzieher erörtern pädagogische Fragen aus dem Kita-Alltag

GROSSBURGWEDEL (ak). Unter dem Thema „Bindung (als lebenslanger Schutzfaktor) und Bildung von Kindern“ fand die 6. Jahrestagung der Kindertagesstätten der Stadt Burgwedel in der Seniorenbegegnungsstätte statt. Auch in diesem Jahr erfreute sich die Veranstaltung großen Interesses bei den Erzieherinnen und Erziehern, sodass 92 Anmeldungen aus den kommunalen Einrichtungen zu verzeichnen waren. In fünf verschiedenen Arbeitsgruppen wurde, angeleitet von pädagogischen Fachkräften, die Thematik mit unterschiedlichen Schwerpunkten betrachtet und Fragen aus dem Alltag erörtert.
Im einleitenden Vortrag zum „Selbstbildungsprozess von Kindern und die Rollen der Erzieherinnen und Erzieher“ forderte Dr. Malte Mienert die Mitarbeiterinnen aus Krippe, Kindertagesstätte und Hort auf, „mit neuen Ideen ihre pädagogische Arbeit auszurichten und ihre eigene Rolle im kindlichen Bildungsprozess neu zu definieren“. In einer der fünf Tagesgruppen, vertiefte Mienert anschließend die Frage nach der „Bindung und Bildung von Kindern“. Verdeutlicht werden sollten hier, dass Erzieher gegenüber dem Kind nicht nur eine spezifische Rolle einnehmen würden, sondern viele verschiedene, die zum Wohl des Kindes situationsbedingt eingesetzt werden müssten. Es ginge darum, so Dr. Malte Mienert im Pressegespräch, den Fachkräften ihr „pädagogisches Handeln bewusst zu machen“.
Um die Bindung als grundlegende, sichere Basis des Kindes zu den Eltern, aber auch den Erziehern ging es in der Arbeitsgruppe von Marita Dobrik. Unter der Überschrift „Von der Bindung über Partizipation zur Bildung oder Kinder brauchen Wurzeln und Flügel“ wurde auch das Loslassen, „Macht abgeben“, Verantwortung auf das Kind übertragen als Notwendigkeit des erzieherischen Alltags betont. In Arbeitsgruppe drei konnten sich die Fachkräfte mit „Bindung, Bildung und das Feinfühligkeitskonzept“ unter der Leitung von Marianne Spiesz auseinandersetzen. Ziel sei es hier,so Spiesz, die Signale des Kindes richtig zu deuten, aber auch das eigene Verhalten als Erzieher zu reflektieren. Dr. Malte Mienert ergänzte hierzu, dass man sich „des Rucksacks, den jeder Mensch so mit sich herum schleppt“, bewusst werden müsse und eine ständige „Arbeit an sich selbst notwendig“ sei. Spiesz betrachtete auch die Unterschiede von Vater und Mutter in ihrer Bindung zum Kind und „wie beide Anteile in der Erziehungspraxis“ der Betreuung gelebt werden könnten.
Zwar überwiegend, jedoch nicht jedes Kind bekomme im ersten Lebensjahr die notwendige Bindung und somit Sicherheit im Elternhaus vermittelt, stellten die pädagogischen Fachkräfte heraus und doch würde man immer wieder dem Phänomen begegnen, dass auch diese Kinder aus einer Stärke schöpften, die ihnen eine altersgemäße Entwicklung ermögliche. „Resilienz – Kinder stärken“ hießt die Arbeitsgruppe von Susanne Thomsen, die sich speziell mit dieser Stärke und ihrer Förderung auseinandersetzte.
Die fünfte Gruppe unter der Leitung von Ina Colletti legte ihren Fokus auf eine „Gelingende Erziehungspartnerschaft bei Eltern mit kleinen Kindern“. Für Kinder sei es wichtig zu sehen, dass auch ihre Eltern ein gutes Verhältnis zu ihren Erziehern pflegen, so Colletti. Neben der Schaffung einer Bindung zwischen Erziehern und Eltern sei auch die Stärkung dieser wichtig. Marianne Spiesz stellte in diesem Zusammenhang heraus, dass man den Eltern der heutigen Zeit der Verunsicherung durch eine Flut von Ratgebern bewusst machen müsse, dass sie „ein intuitives Verhalten haben“, auf das sie bauen könnten.
Die Leiterin der Jahrestagung Fachberaterin Karin Schulte-Derne stellte die Aktualität der behandelten Themen heraus. „Ihr sitzt am Puls der Zeit“, so Schulte-Derne gegenüber den Gruppenleitern, wie die Gründung des „Instituts für Bindungswissenschaften“ im Sommer vergangenen Jahres in Bielefeld zeige. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Burgwedel Monika Franke ergänzte außerdem, dass sich die Themen, an den Alltagsfragen der Erzieherinnen und Erzieher orientieren würden, da die Leiter der Einrichtungen regelmäßig mit Fachberaterin Schulte-Derne zusammentreffen würden, um sich am Bedarf orientierend, die jeweilige Jahrestagung zu entwickeln.